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Das Kino und sein Verhältnis zum Fernsehkrimi

Kino muss leben - das wird auch in Hof immer wieder beschworen. Doch läuft zum vierten Mal in Folge ein ARD-Polizeifilm bei den Filmtagen. Für den Festivalchef ist das kein Widerspruch. Im Gegenteil.



Hof - Der Kinomüdigkeit der Menschen hatten die Filmtage heuer wieder eine Podiumsdiskussion gewidmet. Und Festivalleiter Thorsten Schaumann betont ein ums andere Mal: "Kino ist Premium." Wie passt es dazu, dass unter seinen Fittichen schon zum vierten Mal in Folge ein ARD-Fernsehkrimi im Programm läuft? Am Freitagabend feierte Dominik Grafs "Polizeiruf 110 - Die Lüge, die wir Zukunft nennen" Premiere. Ist es der Versuch, das typische Fernsehpublikum zurück in die Kinosäle zu locken? Eher das Gegenteil ist der Fall: Nicht die Fernsehgewohnheiten übernehmen klammheimlich im Kino die Regie - es ist vielmehr das Kino, das die klassischen Fernsehformate erobert. Nirgendwo zeigt sich das so deutlich wie bei den Sonntagabend-TV-Krimis, die für Filmemacher längst zur Experimentierplattform geworden sind.

"Für mich ist die ,Tatort‘- oder ,Polizeiruf‘-Marke überhaupt nicht relevant, für mich zählen filmische Aspekte", sagt Thorsten Schaumann. Das Hofer Festival zeige sogar eher wenig Fernsehfilme. "Aber Kino findet immer und überall statt", betont Schaumann. Überzeugt ihn ein Format filmisch, spricht aus seiner Sicht nichts dagegen, es ins Programm zu nehmen. Er erinnert etwa an "Für Immer und Dich", den Freiburg-"Tatort" über die verhängnisvolle Liebe eines Mannes zu einem 13-jährigen Mädchen, der voriges Jahr Premiere auf den Filmtagen gefeiert hatte. "Das ist auch eine Weiterentwicklung von Regisseurin Julia von Heinz. Das muss man zeigen, das gehört auf die Leinwand", sagt Schaumann: "Es war nur zufällig ein ,Tatort‘."

Das gilt auch für die anderen Fernsehkrimis, die zuletzt auf dem Festival liefen. Man erinnere sich an den märchenhaften Bodensee-"Tatort" "Wofür es sich zu leben lohnt" von Aelrun Goette bei den 50. Filmtagen. Klara Blum traf in ihrem letzten Fall auf ein Seniorinnen-Trio, das Shakespeares "Macbeth" hätte entsprungen sein können. 2017 feierte Axel Ranischs "Waldlust", sein zweiter Impro-"Tatort" mit Ermittlerin Lena Odenthal, Premiere in Hof, eine Spukgeschichte in Agatha-Christie-Manier mit Reminiszenzen an längst vergangene Zeiten und Anspielungen auf Heinrich von Kleist.

Und jetzt Dominik Graf - Polizeifilm-Routinier und Meister der zwischenmenschlichen Töne - mit einem brutalen Krimi über illegalen Börsenhandel. Vor etwa zwei Jahren hatte Dominik Graf öffentlich die Pläne der ARD kritisiert, die Zahl der experimentellen "Tatorte" reduzieren zu wollen. Der Regisseur sprach von "Konventionalitätszwang". Auch in seinem neuen Krimi brechen Dominik Graf und Drehbuchautor Günter Schütter die klassischen Fernsehgewohnheiten auf. Dabei steht das Ermittler-Team um Polizeioberkommissarin Bessie Eyckhoff fast stellvertretend für den Otto-Normal-Bürger, den Geldprobleme und familiäre Sorgen plagen. Es geht um Verführbarkeit und Erpressbarkeit, es geht darum, wie leicht sich Menschen manipulieren und gegeneinander ausspielen lassen, wenn man ihre wunden Punkte trifft. Es geht darum, wie aus Freunden Mörder werden können - und um Vertrauen und Loyalität. Dominik Graf konnte mit einem noch ganz jungen "Polizeiruf"-Ermittlerteam arbeiten - es war erst der zweite Fall für Bessie Eyckhoff (Verena Altenberger). Die Figur der jungen Ermittlerin ist noch nicht geformt, was sowohl der Darstellerin als auch dem Regisseur mehr Freiraum lässt. Nun ist es wohl Dominik Graf, der den Charakter der Ermittlerin nachhaltig prägen wird.

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"Polizeiruf 110 - Die Lüge, die wir Zukunft nennen" wird ausgestrahlt am Sonntag, 8. Dezember, 20.15 Uhr, im Ersten.

Autor

Andrea Hofmann
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Veröffentlicht am:
28. 10. 2019
00:00 Uhr

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Autor

Andrea Hofmann

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Veröffentlicht am:
28. 10. 2019
00:00 Uhr



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