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Historie

70 kurze Filme zu Rosas 70. in Hof

Das deutsche Kino hat sich 2012 in Hof erneut stark behauptet: mit dramatischen und mit stillen, nicht zuletzt mit nachdenklichen Filmen. Viel lebendige Buntheit brachten 70 kurze Filme des bald 70-jährigen Rosa von Praunheim ins Festival.



 

"Einfach machen" ist Rosa von Praunheims Motto als Filmemacher, sobald ihn eine Idee oder eine Person fasziniert. Zu ungeheurer Produktivität hat ihn das geführt, seit 1967 hat er über 70 kurze und lange Filme realisiert. Darunter so bewegende wie das Drei-Frauen-Porträt "Überleben in New York", aber auch mancher Schnellschuss zum schnell wieder Vergessen. In ein paar Wochen wird er 70, und als Geburtstagsgeschenk an sich selbst toppt er seinen produktiven Auswurf noch einmal. "Rosas Welt: 70 neue Filme" hatten in ihren vollen 20 Stunden in Hof Premiere. Natürlich in Hof, wo Praunheim längst Stammgast und Filmpreisträger ist. Rosa-Festspiele. "Ein bisschen größenwahnsinnig muss man sein", befindet er selbst.

"Der Gottvater des schlechten Geschmacks" sei Praunheim, sagt sein Schüler Tom Tykwer, Filmtage-Entdeckung, Ästhet, Großregisseur. "Und des schlechten Handwerks." Das Verdikt wird Praunheim wohl sogar gefallen, aber es trifft nur teilweise. Mit Sicherheit ist Praunheim das Handwerk des Filmemachens ziemlich gleichgültig, wenn er für eine Idee brennt, die einfach umgesetzt werden muss, relativ egal wie. Aber in den neuen Filmen zum Beispiel sind die Arbeit mit zwei Kameras und deren Schnitt bisweilen durchaus kunstvoll.

Im Mittelpunkt freilich stehen immer die Inhalte. Schwule Themen natürlich sowieso, aber Praunheim interessiert sich für Menschen ganz generell. Mit seiner Mischung aus "Frechheit des Fragens" und "Genauigkeit des Hinguckens" gelingen ihm Porträts, die Menschen wirklich nahe kommen, sei es einem Satanisten oder einem Bürgermeister. Darin ist er - oft - meisterlich.

Die Menschenliebe ist es auch, die einige seiner Filmakademie-Schüler so eng an ihn bindet, obwohl er als Professor "grausam" war, wie Axel Ranisch berichtet. Ranisch ("Dicke Mädchen"), Tykwer, Julia von Heinz ("Standesgemäß"), Chris Kraus ("Poll") und Robert Thalheim ("Netto") sind nicht einfach Praunheims Schüler, sie fühlen sich als "Rosakinder". So heißt ihr Geburtstagsgeschenk-Film - und es ist zweifellos der schönste Praunheim-Film, den Rosa nie gemacht hat.

Bewegend, wie Praunheim die kriselnde Julia von Heinz mit täglichen Gedichten aus der Depression holt; bewegend überhaupt, was die Schüler ganz im Sinne des Lehrers persönlich über sich preisgeben. Rosa-esk, wie das ganze von einer schrägen Kostümparade zusammengehalten wird; und ohne falsche Glattheit eine Hommage sondersgleichen. Noch einmal Tykwer, das Bild korrigierend, dass seine Filme mit Praunheim doch wohl rein gar nichts zu tun hätten: "In Wirklichkeit: alles."

 
Ein bisschen größenwahnsinnig muss man sein.

Rosa von Praunheim

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Von Arne Thomsen
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Veröffentlicht am:
29. 10. 2012
00:00 Uhr

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Von Arne Thomsen

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29. 10. 2012
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