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Historie

„Hof ist sehr persönliches Festival“

Organisationsleiter Rainer Huebsch über Dinge, die ein Filmfest rund machen, Geld und Ankommen - ein Rückblick aus dem Jahr 2007.



Filmtage
Rainer Huebsch, hier zusammen mit Mitarbeiterin Christine Walther, im Büro der Filmtage   Foto: Thomas Schuberth-Roth

Hof – Begonnen hat der 55-jährige Hofer Rainer Huebsch einst als Filmemacher. Super-8-Filme hat er gedreht und auch im Rahmen einer Super-8-Schau während der Hofer Filmtage 1972 und 1974 im Hofer Galeriehaus gezeigt. Eigene Filme dreht er längst nicht mehr, den Hofer Filmtagen jedoch ist er treu geblieben. Mehr noch: Er hat neben Festivalchef Heinz Badewitz die vielleicht wichtigste Funktion – als Organisationsleiter vor Ort. Wir sprachen vor Festivalbeginn mit ihm.

 

Herr Huebsch, die 41. Filmtage stehen vor der Tür: Worauf freuen Sie sich am meisten?

Rainer Huebsch: Gute Frage. (Er überlegt lange) Ich freue mich drauf, dass wir hoffentlich wieder ein perfektes Festival bieten werden. Das ist, glaube ich, das Wichtigste.

 

Sie haben jetzt lange überlegt: Sie organisieren vor Ort die Filmtage seit 36 Jahren. Vielleicht kann man sich da nicht mehr so drauf freuen, weil alles schon zur Routine geworden ist?

Rainer Huebsch: Man freut sich darauf, die ganzen Leute mal wiederzusehen und sie in Hof begrüßen zu können, aber es ist logischerweise schon auch Routine dabei. Große Überraschungen wird man hoffentlich nicht mehr erleben.

 

Keine Überraschungen, wie meinen Sie das?

Rainer Huebsch: Ich meine das natürlich nur in organisatorischer, nicht in künstlerischer Hinsicht. Organisatorische Überraschungen sind ja meist Dinge, die nicht so toll sind. Aber nach all den Jahren hat man eigentlich alles im Griff.

 

Sie organisieren im Hintergrund. Bleibt Zeit, selbst im Kino zu sitzen?

Rainer Huebsch: Im letzten Jahr bin ich nicht dazu gekommen, überhaupt nur einen Langfilm zu sehen. Sobald ich im Kinosessel sitze, erfasst mich Unruhe, draußen könnte etwas nicht klappen. Deshalb gehe ich schon gar nicht mehr ins Kino.

 

Was könnte denn alles nicht klappen?

Rainer Huebsch: Das sind oft ganz einfache Sachen: Da geht es darum, dass das Filmteam ins Kino kommt, dass für dieses Team mit Regisseur, Schauspielern und Produzent auch Plätze reserviert sind; die jeweiligen Mitarbeiter im Kino müssen wissen, wer kommt, wer vorgestellt werden muss. Alles Kleinigkeiten eigentlich, aber diese machen den Ablauf erst rund. Wenn alles klappt, dann merkt niemand, wie groß eigentlich der organisatorische Aufwand dahinter ist. Aber lassen Sie das mal schief gehen...

 

Die Hofer Filmtage behaupten sich seit nun 41 Jahren in einem Markt, der sehr schwierig ist. Die Konkurrenz ist groß, national wie international. Warum kann sich Hof behaupten?

Rainer Huebsch: Hof kann sich behaupten, weil es einen guten Ruf hat. Weil wir, Heinz Badewitz vor allem, uns um die Filme und Filmemacher kümmern. Heinz tut alles dafür, dass die Filme richtig präsentiert werden und zu den Zuschauern kommen. Dass die Filmemacher sehr zufrieden sind, beweist, dass viele gerne wiederkommen. Was auch sehr positiv ist, dass die Kinos im Gegensatz zu anderen Festivals meistens voll sind, gemischt mit Fach- und normalem Publikum. Hof ist ein sehr persönliches Festival, auch deshalb kann es sich in der Festivallandschaft behaupten.

 

Was ist mit Badewitz' Augenmerk auf den Nachwuchs?

Rainer Huebsch: Das ist sicher ein großer Vorteil. Ich kenne außer Badewitz keinen einzigen Festivalleiter, der zu den Filmhochschule fährt und sich dort die Filme anschaut. Daraus entstehen natürlich auch enge Bindungen, die Hof zur ersten Station späterer bekannter und sehr bekannter Filmemacher werden lassen, die auch immer gern wiederkommen. Ich denke da etwa an die Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck, Florian Gallenberger oder Caroline Link, an Tom Tykwer, Sönke Wortmann, Detlev Buck und wie sie alle heißen. Um es so auszudrücken: Der Erfolg von Hof ist kein bloßer Zufall, da steckt viel Arbeit drin und die Tatsache, dass man sich gerade auch um junge Regisseure kümmert.

 

Komisch, Geld spielt wohl überhaupt keine Rolle, um ein gutes Festival auf die Beine zu stellen?

Rainer Huebsch: Geld spielt bei jeder Veranstaltung eine wichtige Rolle. Wichtiger jedoch ist noch der effiziente Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel. Ich behaupte: Hof holt hier definitiv am meisten raus. Übrigens: Der Landesrechnungshof hat uns erst jüngst den sparsamen Umgang mit dem Etat attestiert und ausdrücklich festgestellt, es gebe keine weiteren Einsparpotenziale. Aber – und insofern spielt Geld eben doch eine nachgeordnete Rolle – am wichtigsten sind die Ideen und der Rückhalt bei Regisseuren und Produzenten. Nur weil das für Hof gegeben ist, bekommt Heinz auch die Filme, die er haben will.

 

Wie hoch ist eigentlich der Etat, mit dem Sie für das Filmfestival planen?

Rainer Huebsch: Die genauen Kosten vorherzusehen, ist sehr schwierig. Die sind erst auszumachen, wenn das Programm steht, wenn man weiß, wer woher kommt, wie viele Gäste wir haben. Flugkosten aus Übersee schlagen stärker zu Buche, als wenn ein Regisseur etwa aus München anreist. Unser Etat beruht deshalb immer auf der Basis einer Einschätzung im Vergleich zum Vorjahr.

 

Eine konkrete Zahl wollen Sie nicht nennen?

Rainer Huebsch: Es sind über 300 000 Euro. Ich bin da offen, andere Festivals halten sich eher bedeckt.

 

Neben den Einnahmen aus dem Kartenverkauf und Zuwendungen von Stadt, Land, Bund und Bezirk müssen Sie auf Sponsoren bauen. Es war im Jahr 2000, da klagten Sie in einem Gespräch mit unserer Zeitung, Sie hätten das Gefühl, dass die überregionale Großveranstaltung manchmal mehr geduldet als geliebt werde. Wie ist Ihr Gefühl heute?

Rainer Huebsch: Ich finde, dass die Hofer Filmtage inzwischen in der Region voll angekommen sind. Die Unterstützung, die wir durch die Unternehmerinitiative Hochfranken und die Wirtschaft erfahren, ist toll. Zehn von 18 Firmen in der Unternehmerinitiative unterstützen die Filmtage mit jährlich je 3000 Euro. Dazu zählt auch die Tatsache, dass keine unserer Zuwendungen von Stadt, Land, Bund und dem Bezirk Oberfranken in all den Jahren gekürzt wurde. Das heißt für mich auch, dass man die Hofer Filmtage mittlerweile als wichtige Institution schätzt und anerkennt. Nicht zuletzt am verkaufsoffenen Sonntag sieht man auch, wie sich das Festival und das Leben in der Stadt positiv befruchten.

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Von Thomas Schuberth-Roth
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Veröffentlicht am:
25. 10. 2007
00:00 Uhr

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Von Thomas Schuberth-Roth

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25. 10. 2007
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