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Aktion soll Händler zum Handeln zwingen

Etwa 150 Kinder und Jugendliche bekunden am Marktplatz eindrücklich ihr Meinung. Dabei fordern sie ein radikales Umdenken.



Rund 150 Schüler haben am Freitag in Wunsiedel für einen besseren Klimaschutz demonstriert. Fotos: Florian Miedl
Rund 150 Schüler haben am Freitag in Wunsiedel für einen besseren Klimaschutz demonstriert. Fotos: Florian Miedl  

Wunsiedel - Der Marsch der Realschüler hat es in sich: Etwa hundert Mädchen und Jungen skandieren auf ihrem Weg von der Wunsiedler Nordendstraße zum Marktplatz das, worauf es ankommt: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut." Auch in der Festspielstadt ist die Fridays-for-Future-Bewegung angekommen. Rund 150 Schüler demonstrieren am Freitag gegen 13 Uhr (nach dem Unterricht!) für eine bessere Klimapolitik.

Dabei belassen es die Schüler nicht bei Appellen an die Politik. Wichtig ist ihnen die Botschaft, dass jeder einzelne handeln kann, ja handeln muss. Paul Büttner von der Realschule und einer der Köpfe der Wunsiedler Friday-for-Future-Bewegung belegt mit einer ganzen Reihe von Zahlen, dass keine Zeit mehr bleibt. Wenn jetzt nichts geschieht, wird die junge Generation womöglich die letzte auf der Erde sein. "Ich stehe jetzt eineinhalb Minuten auf der Bühne. In dieser Zeit wurden 110 Tonnen Kohlendioxid produziert, 194 000 Hühner geschlachtet und 74 000 Quadratmeter Regenwald abgeholzt." Er frage sich, warum es die Politik nicht hinbekomme, klimaschonende, die Produktion klimafreundlicher Antriebe zu fördern. Dabei nennt er Wasserstoff als die derzeit beste Lösung. Und wer wolle, dass Schweine nicht eng an eng gehalten werden, der sollte nicht zum Billigfleisch im Supermarkt greifen. Schließlich nimmt er die Eltern in die Pflicht: "Wie könnt ihr euren Kindern in die Augen schauen, wenn ihr haufenweise Plastikmüll produziert und Billigfleisch kauft?"

Plastikmüll. Wie ein roter Faden zieht sich die Sorge wegen der gigantischen Mengen Plastik, die im Meer, in den Tieren und letztlich im Blut des Menschen landen, durch die Reden der Schüler. Celina Krauß schildert den Weg des Plastiks vom Meer über die Nahrung in den menschlichen Körper. Dabei lässt sie eine Zahl erschaudern: Allein 61 000 Mülllaster wären notwendig, um den jährlich in Deutschland anfallenden Plastikmüll zu entsorgen. "Darum tut was dagegen, nehmt zum Beispiel Stoffbeutel zum Einkaufen mit."

Die Schüler appellieren, argumentieren. Demnächst werden sie es nicht mehr dabei belassen: India Löhner von der Realschule kündigt für die nächste Demonstration in einigen Wochen eine spektakuläre Aktion an. Die Jugendlichen wollen die Händler mit Plastikmüll konfrontieren. "Wir werden einfach den Abfall einer Woche von zu Hause mitbringen, natürlich sauber in Tüten verpackt. Den stellen wir vor die Einkaufsmärkte. Wir wollen kein Chaos anrichten. Aber wir sind sicher, dass dies Eindruck macht. Und wenn die Aktion in ganz Deutschland unterstützt wird, dann zwingt sie den Handel in kürzester Zeit zum Umdenken."

Der Wunsiedler Grünen-Stadtrat und einstiger Anti-WAA-Demonstrant in Wackersdorf, Wilfried Kukla, hat die Demonstration angemeldet. Er ist es auch, der die Schüler auffordert, sich auf ihrem Weg nicht beirren zu lassen und später in die Parlamente zu gehen. "Ihr seid die letzte Generation, die noch etwas verändern kann. Wir setzten auf Euch."

Als eines der Hauptprobleme sieht die Schülerin India Löhner das Wirtschaftssystem, "das kurzfristiges Denken belohnt". Damit meint sie, dass die Entscheider nach wie vor auf die vordergründig günstigen Einwegverpackungen und Plastik setzen, statt langfristig wirksame Lösungen zu suchen. "Ein effizientes Pfand- und Mehrwegsysteme würden sich volkswirtschaftlich auszahlen."

Neugierig und wohlwollend sehen auch etliche Erwachsene der Kundgebung zu, so etwa der Leiter des Luisenburg-Gymnasiums, Joachim Zembsch, der Kreisvorsitzende der SPD, Jörg Nürnberger oder zweiter Bürgermeister Manfred Söllner. Da es sich um eine Demonstration handelt, ist für die Sicherheit die Polizei mit mehreren Beamten und Fahrzeugen vertreten.

Ein düsteres Szenario beschreibt Felix Ipfling vom Luisenburg-Gymnasium. "Die nächsten Kriege werden um Zugang zu Wasser und Nahrungsmittel geführt. Dürreperioden und versalzte Böden sind schon jetzt ein riesiges Problem in Südostasien und allein 50 Städte in Nordamerika drohen wegen steigender Meeresspiegel zu versinken, darunter New York, Boston oder Miami." Angesichts der globalen Katastrophen würden so viele Menschen gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen, dass die sogenannte Flüchtlingskrise vor einigen Jahren rückblickend wie ein Witz wirke. Ipfling spricht auch ein weitgehend unbeachtetes Problem des Klimawandels an: "Wenn die Permafrost-Böden auftauen, werden riesige Mengen Methangas freigesetzt. Dieses Gas wirkt 20 mal stärker auf das Klima ein als Kohlendioxid. Die Erde wird 400 oder 500 Jahre benötigen, um sich davon zu erholen."

Als einer der "Alten", wie er sich bezeichnet, betritt schließlich der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Fred Terporten-Löhner, die Bühne. Er hoffe, dass die heutige Jugend den Kampf für eine bessere Zukunft erfolgreicher führe als seine Generation. "Natur- und Umweltschutz ist eine Lebenseinstellung. Lasst euch auf eurem Weg nicht entmutigen."

Auch Harald Müller von den Jusos solidarisierte sich mit den demonstrierenden Jugendlichen.

 

 

 

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
05. 04. 2019
18:47 Uhr

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