Topthemen: Fall PeggyGrabung bei NailaHofer Filmtage 2018HöllentalbrückenKaufhof-PläneGerch

FP

Experten fordern Prüfung von Hundehaltern

Experten aus der Region begrüßen diesen Vorstoß des Bundestierärztekammer. Denn Aggressionen bei Hunden gehen oft auf den Halter zurück.



Experten fordern Prüfung von Hundehaltern
  Foto: Rene/Adobe Stock

Hof/Dresden - April 2018, Hannover: Staffordshire-Mischling Chico beißt seine beiden Besitzer tot. Da Chico dafür eingeschläfert werden soll, geht ein Aufschrei durchs Land, etwa 300 000 Menschen unterzeichnen eine Petition, die das Einschläfern verhindern soll - vergebens, denn Chico hatte sich beim Angriff selbst zu schwer verletzt. Aber die Beißattacke entfacht Diskussionen um den Sinn von Rasselisten, auf denen auch der Staffordshire-Bullterrier zu finden ist, von Neuem. Denn: Chico wurde nicht artgerecht gehalten, der Besitzer schien überfordert. Nun forderte die Bundestierärztekammer in Dresden, Prüfungen für Halter aller Rassen einzuführen.

Listenhunde Bayern

Rasselisten sind Ländersache. Bayern hat die längste Rasseliste, insgesamt 18 Rassen und der Hundetypus, der Ban Dog, finden sich dort. Rassen der Kategorie I, darunter der American Pitbull und der American Staffordshire Terrier, wird eine gesteigerte Aggression generell und unwiderlegbar unterstellt. Ihre Haltung bedarf in Bayern einer Erlaubnis, die nur erteilt werden darf, wenn ein berechtigtes Interesse an der Haltung eines solchen Tieres nachweisbar ist. Dass eine solche Bescheinigung ausgestellt wird, ist sehr unwahrscheinlich. Kategorie II beinhaltet Rassen wie den Bullmastiff, die Bordeauxdogge und den Rottweiler. Bei solchen Tieren (und Kreuzungen daraus) "wird die Eigenschaft Kampfhund stets vermutet und ist durch ein Gutachten widerlegbar." Der Wesenstest ist ab einem Alter von 18 Monaten machbar. Die Entscheidung, ob ein "Negativzeugnis" den Halter von der höheren Steuer befreit, liegt bei der jeweiligen Kommune.

 

Tierärztin Dr. Susanne Deininger aus Schwarzenbach an der Saale würde eine solche Neuregelung begrüßen. "Meiner Erfahrung nach entspricht das Wesen vieler Listenhunde nicht dem, was ihnen nachgesagt wird." Und auch Yvonne Albrecht, Hundetrainerin im Hund-Mensch-Zentrum in Hof, plädiert für ein Ende der Rasselisten. "Jeder Hund, der Zähne hat, könnte von ihnen Gebrauch machen - nicht nur sogenannte Listenhunde."

 

Fehler in der Haltung, egal bei welcher Rasse, könnten problematisch werden. "Könnten - weil Hunde individuell reagieren. Man kann sie nicht etikettieren", erklärt Albrecht. Der Mensch könne das Verhalten seines Hundes entscheidend beeinflussen. Eine Gefährlichkeit hänge aber keineswegs von der Rassezugehörigkeit ab. "Wichtig ist, Gefährlichkeit nicht mit Aggressivität gleichzusetzen. Aggressionsverhalten ist natürlich und gehört zum Sozialverhalten eines Hundes", erklärt die Trainerin. Bevor ein Hund aktiv wird, kommuniziere er über seine Körpersprache, ob er angreifen oder den Mensch meiden wird. "Wenn das Gegenüber, in dem Fall der Mensch, die Körpersprache nicht richtig deuten kann und sich nicht richtig verhält, kann es dann eben zu unerwünschten Übergriffen kommen."

Eine Halterprüfung sei nicht zuletzt deswegen wichtig. "Jeder verantwortungsbewusste Mensch, der mit einem Hund leben möchte, ist es diesem schuldig, sich sachkundig zu machen", findet Yvonne Albrecht. "Sachkundig machen" beinhaltet für sie Kenntnisse über die Kommunikation, Sozialverhalten, Lernverhalten, Emotionen und Individualität von Hunden. Dazu gehöre aber auch, sich vorher Gedanken zu machen. Welche Rasse passt mit ihren Eigenschaften zu mir? Von welchem Züchter hole ich mein Tier? Denn: Die sensible Phase eines Hundes ziehe sich von der dritten bis etwa zur 16. Lebenswoche - beginnt also schon beim Züchter. "Wenn der Welpe beim Züchter nichts kennenlernt, also reizarm aufwächst, ist das schon mal keine gute Voraussetzung. Wie mein Hund aufgewachsen ist, muss ich als künftiger Halter selbst überprüfen - bei Tierheimhunden ist das natürlich noch mal etwas anderes", erklärt Yvonne Albrecht. Zur verantwortungsvollen Hundehaltung gehöre es später aber auch, sich fachlich kompetente Hilfe zu holen, wenn Probleme auftreten.

Auch Susanne Deininger hält Kenntnisse über das Sozialverhalten von Hunden für ein wichtiges Prüfungsthema. "Gerade bei als gefährlich geltenden Rassen sollte man das Sozialverhalten früh fördern und das Tier an alle möglichen Stresssituationen gewöhnen. Denn gefährlich wird es vor allem in Situationen, die dem Menschen entgleiten und in denen der Hund alleine gelassen ist", erklärt die Tierärztin.

Dennoch: Pitbull und Co stehen nicht umsonst auf einer solchen Liste. Über Jahrzehnte und manchmal Jahrhunderte wurden Hunde konsequent nach bestimmten Eigenschaften gezüchtet - Eigenschaften, die die ein oder andere Rasse in den Augen mancher Experten gefährlicher machen. Das gibt auch Susanne Deininger zu bedenken: "Eine gewisse Skrupellosigkeit ist im Genom solcher Hunde wahrscheinlich verankert. Wenn das der Halter nicht unterbindet, sind die Tiere zwangsläufig gefährlicher." Am Halter hänge also viel Verantwortung; er müsse etwa Rücksicht auf Menschen nehmen, die Angst vor Hunden haben. "Aber leider gibt es auch schwarze Schafe unter den Haltern; für manche ist so ein Hund ein Prestigeobjekt", kritisiert die Ärztin. 

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 

Diese Umfrage ist nicht repräsentativ

Autor

Laura Schmidt
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 09. 2018
20:44 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Experten Haushunde Hundehalter Körpersprache Rassen Tierärztinnen und Tierärzte
Hof Dresden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Organspenden

10.07.2018

Deutschland & Welt

Deutlich mehr Organspender im ersten Halbjahr 2018

Für Menschen, die auf den Transplantationslisten von Krankenhäusern stehen, ist es eine gute Nachricht: Die Zahl der Organspender ist wieder gestiegen. Doch Experten halten auch strukturelle Veränderungen in den Kliniken... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Ehrung

Eröffnungskonzert des Bayerischen Musikschultags in Hof | 19.10.2018
» 10 Bilder ansehen

Starkbierfest Hof

Nacht der starken Hofer | 13.10.2018 Hof
» 43 Bilder ansehen

SV Sauerhof - FC Saaletal Berg

SV Sauerhof - FC Saaletal Berg | 16.10.2018 Sauerhof
» 106 Bilder ansehen

Autor

Laura Schmidt

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 09. 2018
20:44 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".