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Gelbe Tonne kommt nächstes Jahr

Seit 25 Jahren gibt es im Landkreis Wunsiedel die Sortieranlage am Plärrer. Deren Mitarbeiter müssen häufig auch die Sünden verantwortungsloser Menschen ausbügeln.



Josef Sturm und Gaby Würstl sind zufrieden: Die Müllentsorgung im Landkreis funktioniert seit Jahren bestens. Das Bild zeigt die beiden in der Papierhalle, wo Kartonagen und anderes Altpapier getrennt werden. Foto: Bäumler
Josef Sturm und Gaby Würstl sind zufrieden: Die Müllentsorgung im Landkreis funktioniert seit Jahren bestens. Das Bild zeigt die beiden in der Papierhalle, wo Kartonagen und anderes Altpapier getrennt werden. Foto: Bäumler  

Thiersheim - Zwei Füchse, Dutzende Krähen und im Sommer viele Möwen. Die Müllsortieranlage der Abfallwirtschaftsgesellschaft Fichtelgebirge (AWF) am Thiersheimer Plärrer ist für viele Tiere ein Schlaraffenland. Jeden Tag sieht die kaufmännische Leiterin des Betriebes die tierischen Gäste, die sich auf dem Hausmüllberg auf dem Gelände einen Happen erhoffen. Seit 25 Jahren gibt es die Anlage. Hier landet der gesamte Abfall, den die Bürger im Landkreis produzieren, und den sie nicht auf den Kompostplätzen, den Wertstoffhöfen oder in den Glas- und Leichtstoffcontainern entsorgen. "Dazu kommt noch gewerblicher Abfall der Unternehmen", sagt Josef Sturm, Vorstand des Kommunalunternehmens Umweltschutz Fichtelgebirge (Kufi), die die AWF betreibt.

Ein Mann kümmert sich nur um Umweltsünder

Tatort Marktredwitz, Wackerstadion. Der Glas- und Leichtstoff-Container-Platz ist der Müll-Brennpunkt im Landkreis. Dabei geht es nicht um die Wertstoffe, die in den Containern landen, sondern um die Verwüstungen rund herum. Von Wohnungseinrichtungen bis zu alten Lebensmitteln - es gibt fast nichts, was hier nicht herumliegt. Die Lage ist derart außer Kontrolle, dass jeden Tag ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsgesellschaft Fichtelgebirge nach dem Rechten sieht und den Müll mitnimmt, der hier von Umweltsündern entsorgt wurde. "Wir haben auch noch andere Schwerpunkte im Landkreis, etwa in der Lessingstraße in Selb, am E-Center oder an der Realschule in Wunsiedel", sagt Josef Sturm, Vorstand des Kommunalunternehmens Umweltschutz Fichtelgebirge. Ein Mitarbeiter sei nötig, nur um die Container-Stellplätze im Landkreis sauber zu halben. "Das kostet uns im Jahr 90 000 Euro." Die Situation sei mittlerweile derart eskaliert, dass womöglich noch ein zweiter Mitarbeiter nötig ist, um Ordnung zu schaffen. "Es muss klar sein, dass diese Kosten in die Müllgebühren einfließen müssen. Das heißt, die Allgemeinheit zahlt, was ein paar wenige Sünder anrichten."

Weniger dramatisch seien die Müllablagerungen in Wald und Flur. "Das kommt eher selten vor."

 

Was die einen als Müll bezeichnen, ist für Josef Sturm und Gaby Würstl ein Wertstoff. Und der ist bares Geld wert. Die Abfallwirtschaft ist längst ein wichtiger Akteur in einem hart umkämpften Markt. Für das Kufi bedeutet dies, dass es einerseits viel kostet, den wirklichen Müll im Heizkraftwerk in Bamberg verbrennen zu lassen. Andererseits stecken in den Abfall-Bergen jede Menge wertvolle Materialien, die sich verkaufen lassen. "Deshalb liegt es an uns, die Wertstoffe zu trennen", sagt der Kufi-Vorstand.

 

Im kommenden Jahr wird es im Landkreis ein weiteres Trennsystem geben. "Wir wollen dann endlich die Gelbe Tonne flächendeckend einführen", sagt Sturm. Dass sie kommt, ist so gut wie sicher, noch steht allerdings nicht fest, welchen Partner die Kufi für die Verwertung von Leichtverpackungen aus Kunststoffen, Metallen sowie Getränkekartons im Landkreis engagiert. "Es gibt zehn verschiedene 'duale Systeme' in Deutschland. Und erst in diesem Jahr wird zugelost, welches für unsere Region zuständig ist. Wenn dies geschehen ist, können wir Verhandlungen aufnehmen." Da auch der Verwaltungsrat des Kufi sich für die Gelbe Tonne ausgesprochen hat, wird es für die Bürger im Landkreis zur Hausmüll- und Biotonne eine weitere geben.

Unabhängig davon landen auch weiterhin im Durchschnitt 40 000 Tonnen Müll und Schutt pro Jahr auf dem Gelände der AWF am Plärrer. Davon sind seit Jahren fast gleichbleibend rund 9000 Tonnen Hausmüll, 6000 Tonnen Papier, 4500 Tonnen Biomüll und 1200 Tonnen Sperrmüll. Der Rest sind private oder gewerbliche Abfälle, die Bürger oder Unternehmen außerhalb der üblichen Müllabfuhr liefern. Allein 2016 hat die Kufi mit dem "Müllgeschäft" Umsatzerlöse in Höhe von 8,6 Millionen Euro erzielt. Denen stehen naturgemäß Aufwendungen in ähnlicher Höhe entgegen.

Jeden Werktag rollt die Müllwagen-Flotte ab 6 Uhr durch den Landkreis. Gegen 10 Uhr bringen die ersten ihre häufig übel riechende Fracht auf den Hof der AWF. "Im Laufe eines normalen Arbeitstages haben wir hier im Schnitt um die 80 Lkw-Bewegungen, die Wertstoffe bringen oder abtransportieren. Wir sind hier 24 Mitarbeiter, die sich um die Lieferungen kümmern", sagt Gaby Würstl. Während die Fahrer den Hausmüll draußen auf den Hof kippen, rollen die Lkw mit Papierabfällen in die große Halle. "Hier trennen wir Papier und Kartonagen", sagt Sturm. So aufbereitet sind die Stoffe heiß begehrt. Steigt der Preis fürs Altpapier, was immer wieder mal vorkommt, wandert weit weniger in die Papiertonnen als üblich. "Es gibt Bürger oder Vereine, die Altpapier sammeln und verkaufen, das spüren wir hier an den angelieferten Mengen." Andere Landkreise hätten sich bereits völlig aus der Papierentsorgung zurückgezogen und überlassen diese Aufgabe caritativen Organisationen, die sich damit finanzieren.

Keine Gelbe Tonne in der Stadt und im Landkreis Hof

Der Abfallzweckverband (AZV) für die Stadt und den Landkreis Hof beobachtet die Entwicklung sehr genau. Erst im Herbst gab es ein Treffen, bei dem dieses Thema auch angerissen wurde, sagt der neue AZV-Geschäftsführer Herbert Pachsteffl.

Stadt und Landkreis bewerten alle zwei bis drei Jahre das bestehende Sammelsystem neu. „Momentan wollen wir dabei bleiben“, sagt AZV-Chef Pachsteffl. Die Gelbe Tonne beispielsweise habe auch ihre Schwächen. Die Zahl der Fehlwürfe, wie es in Fachkreisen heißt, also bewusst oder unbewusst falsch entsorgter Müll, steige mit der Tonnenlösung.

Der gelbe Sack sei vor allem dann ein Ärgernis, wenn der Wind durch die Straßen der Städte und Dörfer fegt. „Meine Tochter wohnt in Erlangen, dort fliegen die Säcke regelmäßig umher“, sagt AZV-Chef Pachsteffl. Und frei herumliegender Müll auf der Straße in Wohngebieten dürfte auch unliebsame Tiere anlocken.

Landrat Oliver Bär sieht in dem aktuellen System „ein funktionierendes“. Die Zahlen würden zeigen, dass die Menschen die Wertstoffhöfe annehmen und die Sammelcontainer bis auf wenige Ausnahmen ihren Zweck erfüllen.

 

Aus dem Biomüll der Bürger wird Strom, Wärme und Kompost. "Wir liefern das gesamte Aufkommen des Landkreises in die Biomüllvergärungsanlage nach Rehau", sagt Sturm. Die Anlage wandelt den Inhalt der Tonnen zu Gas und Kompost um. Kufi-Vorstand Sturm lobt die Bürger, da deren Biomüll in aller Regel von guter Qualität sei. "In den Tonnen sind kaum Folien, die nicht hineingehören und die Abläufe der Vergärungsanlage stören."

Bis vor einigen Jahren haben die AWF-Mitarbeiter am Plärrer sogar den Hausmüll sortiert, um Wertstoffe oder Biomüll herauszufiltern. "Denn je weniger Tonnen wir zur Müllverbrennung nach Bamberg fahren müssen, desto günstiger ist es." Allerdings ist diese Arbeit extrem belastend. Sortiert wird aber auch heute noch, zum Beispiel all der Abfall, den Bürger und Unternehmen liefern. "Man darf die Tätigkeit nicht unterschätzen. Unsere Mitarbeiter müssen über Stunden konzentriert sein und sind mental voll gefordert."

Allzu beliebt ist die Arbeit in der AWF nicht, "wir könnten immer Kollegen einstellen, aber das ist nicht so einfach", sagt Gaby Würstl. Dank der treuen Stammbelegschaft laufe der Betrieb aber reibungslos.

Anders das Bild in der Kufi. Wenn Josef Sturm eine Müllwerkerstelle für die Tätigkeit hinten auf dem Fahrzeug ausschreibt, erhält er 60 bis 70 Bewerbungen. Die Arbeit an der frischen Luft hat es manchmal aber in sich. "Wer jemals im Sommer hinten auf dem Wagen stand, wenn Biomüll abgefahren wird, der ist nicht zu beneiden." Manch ein Kollege habe in der Zeit, in der er für Biomüll zuständig war, gut abgenommen.

Zurück in die Papierhalle. Hier wächst derzeit der Kartonagen-Berg immer höher. "Wir merken hier das Einkaufsverhalten der Bürger. Viele nutzen den Online-Handel. Nach Weihnachten landen die Verpackungen bei der AWF", sagt Gaby Würstl. Lange bleiben Kartons und Papier nicht liegen, gieren doch Papierfabriken geradezu danach.

Wie lukrativ Abfall sein kann, beweist das Beispiel Glas. Flaschen und Gläser sammelt die Firma Böhme aus Rehau in Containern und liefert sie zu einem Unternehmen nach Steinbach im Wald, die die Rohstoffe vermarkten. Ähnlich ist es mit Metall, das zum Großteil die Alteisenhändler aufkaufen. Um den großen Rest kümmert sich die Kufi.

 

 

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Matthias Bäumler
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Veröffentlicht am:
09. 01. 2018
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