Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

FP

Neid schließt Rücktritt nicht aus - Prinz reagiert

In der Debatte um die Ursachen für den bitteren WM-Abschied will Fußball-Bundestrainerin Silvia Neid keine übereilte Entscheidung treffen, schließt einen Rücktritt aber nicht mehr aus.



Verunsichert
Bundestrainerin Silvia Neid will sich selbst auf den Prüfstand stellen.  

«Ich brauche jetzt erst mal Abstand», sagte die 47-Jährige zwei Tage nach dem Viertelfinal-Aus gegen Japan der «Bild»-Zeitung. Erst in ein paar Wochen werde sie sich fragen: «Was will ich eigentlich? Kann ich mich für eine EM in zwei Jahren nochmal motivieren?» Ob sie selber Fehler gemacht habe, wie ihr eine zunehmende Zahl an Kritikern vorwirft, wisse sie nicht. «Ich muss jetzt alles in Ruhe analysieren», meinte Neid.

Bereits zuvor hatte die Fehlersuche für das schlechteste WM-Abschneiden rasant an Fahrt gewonnen und Neid in das Zentrum der Kritik gerückt. Mahnende Stimmen kamen erstmals auch aus den eigenen DFB-Reihen. «Letztlich muss sich auch Silvia Neid bestimmte Fragen gefallen lassen», sagte Rolf Hocke, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes. Auch ihr sei klar, dass eine Schuldige gesucht werde, sagte die Bundestrainerin. Das sei «in erster Linie immer die Trainerin». Aber auch für sie sei ein Traum geplatzt.

Am Montag sah sich die zuletzt von Neid nicht mehr berücksichtigte Birgit Prinz veranlasst, ihrem eigenen Vater zu widersprechen, der Neid die alleinige Schuld am WM-Scheitern zugeschrieben hatte. «Es ist nicht richtig, jetzt einer Person die Schuld zu geben», sagte die Rekordnationalspielerin in einer über den DFB verbreiteten Erklärung. Ihr Vater Stefan Prinz warf Neid im Hörfunksender «HR1» vor, diese habe «von Anfang an versucht, junge und ältere Spielerinnen gegeneinander auszuspielen und hat dadurch die Spielerinnen sehr verunsichert».

Neid bezeichnete diese Anschuldigungen als «absurd». «Vor der WM wurde das Thema von außen in die Mannschaft getragen», sagte sie. Doch aus der Fußballszene selbst mehren sich die kritischen Stimmen. «Sie muss sich auch langfristig fragen, wie sie das Boot wieder ins Fahrwasser bekommt», sagte Siegfried Dietrich, Manager des Bundesligisten 1. FFC Frankfurt. Dass der zweimalige Weltmeister nun auch bei Olympia 2012 in London fehlt, hält nicht nur der Potsdamer Meistertrainer Bernd Schröder für «ganz schlimm, weil es nicht unserer Stellung im Frauenfußball entspricht».

Vom Verband sei durch die terminliche Verschiebung der Bundesliga «alles nur Mögliche für ein erfolgreiches Abschneiden getan» worden, bemerkte DFB-Vize Hocke. «Dass da am Ende nichts Zählbares rausgekommen ist, ist eine Enttäuschung - das ist sogar beängstigend», betonte der Leiter des Frankfurter WM-Büros in der «Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen».

Sorgen um ihre eigene Zukunft müsste sich Neid allerdings trotz erstmals verpasster Olympiaqualifikation wohl kaum machen, wenn sie sich zum Weitermachen entschließt. Unterstützung erhält sie von höchster Stelle. «Wenn sie will, kann sie noch bis 2020 bleiben», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger und versuchte damit eine mögliche Trainerinnen-Debatte im Keim zu ersticken. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel stärkte der Bundestrainerin nach dem WM-Aus mit einem Telefonat den Rücken.

Dass Zwanziger vor der WM stolz den neuen Kontrakt mit der 47-Jährigen bis 2016 verkündet hatte, wird allerdings mit Argwohn betrachtet. «Es wäre zu einfach, Neid die ganze Schuld am Scheitern zu geben», meinte Schröder. «Doch es war vom DFB auch nicht nötig, ihren Vertrag vor der WM ohne Not zu verlängern.»

Als entscheidenden Faktor für das sensationelle Scheitern wertete Neid erneut den großen Erwartungsdruck. «Jede Spielerin wollte das Beste bringen. Aber wenn man immer das Gefühl hat: Ich muss, ich muss, ich muss - dann verliert man seine Leichtigkeit», sagte sie. Zwar habe man seit 2009 mit einem Psychologen gearbeitet. «Aber dann sind 70 000 Fans im Stadion, die Spielerinnen lesen, dass 16 Millionen Menschen vor dem Fernseher saßen, die Menschen jubeln uns auf dem Weg ins Stadion zu - wie will man darauf vorbereitet sein?»

Neid selbst hatte direkt nach dem Spiel betont, dass sie sich «eigentlich gar keinen Vorwurf» mache und verwies auch am Montag darauf, dass sie sich mit ihrem Team «monatelang auf jedes Detail vorbereitet» habe. Noch vor einem halben Jahr sei sie zur Welttrainerin gewählt worden. «Ich kann ja nicht alles verlernt haben.» Es gebe einige Anfragen, auch aus Bereichen außerhalb des Fußballs.

Zu einer umfassenden Korrektur ihres Kurses und zu einem größeren Umbruch im Team sieht die 47-Jährige im Falle der Weiterführung ihrer Arbeit keinen Notwendigkeit. «Wir müssen keinen großen Neuaufbau machen. Unsere Mannschaft ist relativ jung, hat ein Durchschnittsalter von 26», erklärte Neid.

Bislang ist nur sicher, das Prinz (33 Jahre) und Ariane Hingst (31) ihre internationalen Karrieren beendeten. Inka Grings (32) mochte in der ersten Enttäuschung noch keinen Gedanken an ihre Zukunft daran verschwenden. Die gleich alte Torhüterin Nadine Angerer hat sich dagegen schon festgelegt, will so auf keinen Fall abtreten: «Ich denke nicht ans Aufhören, jetzt erst recht nicht.»

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 


Veröffentlicht am:
11. 07. 2011
22:36 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ariane Hingst Bernd Schröder Birgit Prinz Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutscher Fußball-Bund Enttäuschung Inka Grings Nadine Angerer Rücktritte Silvia Neid Theo Zwanziger Weltmeisterschaften
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
DFB-Frauen

14.06.2019

Überregional

DFB-Elf will nach Achtelfinal-Qualifikation den Gruppensieg

In Montpellier bereitet sich das deutsche Frauennationalteam auf sein letztes WM-Gruppenspiel gegen Südafrika vor. Die Qualifikation für das Achtelfinale ist bereits sicher. Nun soll der Gruppensieg her. Und eine spieler... » mehr

Horst Seehofer wird der Nachfolger von Horst Seehofer. Als Parteichef und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten wird Seehofer weitermachen. Vor vier Jahren hatte er noch seinen Rücktritt angekündigt.

24.04.2017

Seehofer legt noch ein paar Jahre drauf

Der CSU-Chef vollzieht den Rücktritt vom Rücktritt: Eigentlich hatte Seehofer im Jahr 2018 als Parteichef und Ministerpräsident aufhören wollen. Aber am Ende kommt alles anders als angekündigt. » mehr

Foto: dpa

20.11.2017

CSU sieht Minderheitsregierung im Bund skeptisch

Die CSU steht nach dem Ende der Jamaika-Sondierungen einer möglichen Minderheitsregierung im Bund skeptisch gegenüber. Dies machte Parteichef Horst Seehofer am Montag in einer Telefonschalte des CSU-Präsidiums deutlich, ... » mehr

Spielball

01.12.2014

Torlinientechnik: Am Donnerstag fällt die Entscheidung

Am Donnerstag stimmen die Fußball-Bundesligisten über die Einführung der Torlinientechnik ab. » mehr

Euro 2012

30.04.2012

Bach und Zwanziger gegen EM-Boykott

Kein Boykott und keine Spielverlegungen - der Sport sieht derzeit keine Veranlassung, an der Austragung der Fußball-EM in der Ukraine zu rütteln. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Weihnachtsbasteln mit dem AZV Hof 2019 Helmbrechts

Weihnachtsbasteln mit dem AZV 2019 |
» 18 Bilder ansehen

Q11 MGF pres. Froh und Hacke! Schwingen 06.12.2019

Froh und hacke in Schwingen: Q11 MGF | 07.12.2019 Schwingen
» 65 Bilder ansehen

EC Peiting - Selber Wölfe

EC Peiting - Selber Wölfe | 08.12.2019 Peiting
» 36 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 07. 2011
22:36 Uhr



^