Topthemen: Fall Peggy KnoblochFrankenpost-ChristkindNeue B15-AmpelHilfe für NachbarnStromtrasse durch die RegionGerch

FP

Neues Regierungsteam mit überraschenden Wendungen

Mancher Minister blickt ungläubig auf die Liste von Söders neuem Kabinett. Denn einige altgediente Christsoziale stehen wider Erwarten nicht darauf.



Bayerns Ministerpräsident Markus Söder
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.   Foto: Sven Hoppe

München - Das Bild von der eierlegenden Wollmilchsau ist ja gerade wieder in Mode. Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, hat es dieser Tage bemüht, um zu beschreiben, welch viele verschiedene Qualitäten sein Nachfolger bräuchte. In der Politik ist die Zusammenstellung einer Regierung so etwas wie eine kollektive Wollmilchsau.

Mit der hatte sich Ministerpräsident Markus Söder in den vergangenen Tagen zu beschäftigen. Im Landtag formuliert er es dann aber staatstragender, als es bei einem Fußballpräsidenten nötig ist. Seine neue Ministerrunde sei ein "sehr ausgewogenes Kabinett".

Zwölf Männer und sechs Frauen beruft Söder, fünf der 18 Posten dürfen die Freien Wähler als Koalitionspartner besetzen. Söder legt Wert auf diese Feststellung, ermöglicht sie ihm doch zu betonen, wie sehr gerade er sein Versprechen gehalten hat, die Staatsregierung weiblicher zu machen. Bei den Ernennungen der CSU, "für die ich verantwortlich bin", komme die Frauenquote auf über 40 Prozent - und damit so hoch wie nie zuvor. Es liegt also an den Freien Wählern, lässt Söder so durchblicken, dass insgesamt nur ein Drittel des Kabinetts aus Frauen besteht. Mit der Unterfränkin Anna Stolz haben die Freien Wähler nur eine Frau aufgeboten.

Wichtig ist Söder auch, dass wieder alle bayerischen Bezirke mit mindestens einem Minister vertreten sind, und dass neue junge Kräfte eine Chance erhalten. Mit 47,6 Jahren im Durchschnitt sei die neue Regierung "das jüngste bayerische Kabinett aller Zeiten", verkündet Söder stolz. Er hält sein Werk darob für die "richtige Mischung aus Stabilität und Erneuerung". Hinzu komme, dass Bayern künftig "als erstes und einziges Bundesland" ein Digitalisierungsministerium habe. Wieder einmal sei man damit Vorreiter.

Um das alles hinzubekommen, hat sich Söder mit professioneller Härte von alten Fahrensleuten getrennt. Dem ehemaligen Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer, seit zehn Jahren in verschiedenen Ämtern dabei, ist die Enttäuschung anzumerken. Der sonst so gesellige Schwabe schnürt wortlos durchs Maximilianeum. Der scheidende Umweltminister Marcel Huber kehrt dagegen sein Kämpfer-Gen nach außen. Er habe in den Koalitionsvertrag hineinverhandelt, dass Bayern ökologischer werde, das hätte er gerne weiter im Amt umgesetzt. Aber als Feuerwehrmann sei er gewohnt, dort tätig zu sein, wo er eingesetzt werde. Jetzt werde er halt "von anderer Stelle" weiterkämpfen.

Beseelt sind die Neuen. Hubers Nachfolger, der Freie Wähler Thorsten Glauber, kriegt das Strahlen kaum noch aus dem Gesicht. Selbst als er sehr realistisch einschätzt, dass es die übliche 100-Tage-Schonfrist für ihn wohl nicht geben werde. Die frisch aufgeflammte Debatte um Flutpolder an der Donau werde ihn wohl gleich in Beschlag nehmen. Aber mit den Erfahrungen aus zehn Jahren Landtag könne er die neue Aufgabe gelassen angehen. Erleichtert und aufgekratzt ist der neue Bauminister Hans Reichhart. Den Chef der Jungen Union beruft Söder erneut, obwohl er den Wiedereinzug in den Landtag verpasst hatte.

Bei der Opposition hält sich die Begeisterung über Söders Mannschaft erwartungsgemäß in Grenzen. Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann klagt vor allem darüber, dass die Frauen weiterhin unterrepräsentiert seien. Schuld daran habe vor allem der "Männerbund Freie Wähler". Für die SPD rügt Fraktionschef Horst Arnold, dass Söder Regionalproporz vor Sachkompetenz gegangen sei. Opfer dieser Strategie sei der allseits geschätzte Justizminister Winfried Bausback. Die AfD stößt sich am neuen Digitalisierungsministerium. Unnötig sei das und ein Fall für das Schwarzbuch der Steuerverschwendungen, sagt Fraktionschef Markus Plenk. Und FDP-Fraktionschef Martin Hagen stellt erstaunt fest, dass die neue Ministerin dort, Judith Gerlach (CSU), nicht einmal beim ziemlich digitalen Netzwerk Twitter unterwegs sei.

Bei der Vereidigung der neuen Regierungsriege unterdrücken die Neuen ihr Lampenfieber selbstbewewusst. So verhaspelt sich bei der Eidesformel mit Finanzminister Albert Füracker ausgerechnet einer mit Erfahrung. Beim "So wahr mir Gott helfe" muss er zweimal ansetzen, weil ihm zunächst "solange" über die Lippen rutscht. Ein interessanter Versprecher, der einen Sigmund Freud sicher tief hätte blicken lassen.

 

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 

Diese Umfrage ist nicht repräsentativ

 

 

Autor

Jürgen Umlauft
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 11. 2018
19:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Albert Füracker Alternative für Deutschland Anna Stolz CSU FC Bayern München FDP-Fraktionschefs Freie Wähler Grünen-Fraktionschefin Hans Reichhart Judith Gerlach Junge Union Kabinett Ludwig Hartmann Markus Söder Minister SPD Sigmund Freud Thorsten Glauber Twitter Uli Hoeneß Winfried Bausback Wähler Überschwemmungsgebiete
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Smarter - App

01.02.2018

CSU stellt gewisse Lockerung des Handyverbots an Schulen in Aussicht

Smartphones gehören zum Alltag vieler Menschen - auch vieler Schüler. Doch an den Schulen in Bayern sind Mobiltelefone gesetzlich verboten, nicht nur im Unterricht, sondern auf dem ganzen Schulgelände. Ausnahmen gibt es ... » mehr

Horst Seehofer wird der Nachfolger von Horst Seehofer. Als Parteichef und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten wird Seehofer weitermachen. Vor vier Jahren hatte er noch seinen Rücktritt angekündigt.

24.04.2017

Seehofer legt noch ein paar Jahre drauf

Der CSU-Chef vollzieht den Rücktritt vom Rücktritt: Eigentlich hatte Seehofer im Jahr 2018 als Parteichef und Ministerpräsident aufhören wollen. Aber am Ende kommt alles anders als angekündigt. » mehr

Carlo Ancelotti

28.09.2017

FC Bayern feuert Ancelotti - Sagnol übernimmt

Der PSG-Express um Neymar und Mbappé überrollt den FC Bayern und kostet Trainer Ancelotti den Job. Das 0:3 von Paris war zu viel für die gedemütigten Münchner, die ihren Coach rauswerfen. Vorerst soll es Ex-Profi Sagnol ... » mehr

Wahl Symbolfoto

09.06.2016

SPD und Grüne wollen Wahlalter in Bayern senken

Der Bayerische Landtag diskutierte am Donnerstag darüber, das Wahlalter im Freistaat auf 16 Jahre zu senken. » mehr

NRW-Justizminister Kutschaty

25.06.2014

Fahrverbot für Steuerbetrüger im Gespräch

Steuerbetrüger sollen nach Ansicht führender Justizpolitiker künftig auch mit Führerscheinentzug bestraft werden. » mehr

Abfahrt

13.03.2014

Künast zu Hoeneß-Urteil: «War unausweichlich»

Die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Renate Künast, hält das Urteil im Steuerprozess gegen Uli Hoeneß für richtig. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

n5_181216_ID14553_15.jpg Weißenstadt

Tödlicher Unfall bei Weißenstadt | 16.12.2018 Weißenstadt
» 1 Bilder ansehen

Cordula Grün Party Schwingen Nightlife 15.12.2018

Cordula-Grün-Party Schwingen | 16.12.2018 Schwingen
» 57 Bilder ansehen

EHC Waldkraiburg - Selber Wölfe 3:4 n.V.

EHC Waldkraiburg - Selber Wölfe 3:4 n.V. | 14.12.2018 Waldkraiburg
» 49 Bilder ansehen

Autor

Jürgen Umlauft

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 11. 2018
19:24 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".