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VW kommt an die kurze Leine

Dass die manipulierte Software nicht einfach in Millionen Dieselautos bleiben kann, war im VW-Abgas- Skandal klar. Bei den Nachbesserungen steht der Autobauer jetzt aber unter verschärfter Beobachtung.



VW
«Dieser Skandal betrifft viele Bereiche und ist sehr unerfreulich», sagt EU-Handelskommissarin Malmström. Foto: Patrick Pleul  

Flensburg/Wolfsburg/Berlin - Das Timing hätte für den VW-Konzern kaum schlechter sein können. Just, als sich die 400 Top-Manager des Autobauers zu einem Krisentreffen in Leipzig versammelten, wurden am Donnerstag unangenehme Botschaften bekannt. Wegen des Abgas-Skandals verdonnert das Kraftfahrtbundesamt (KBA) Europas Branchenprimus zu einer gigantischen Rückrufaktion - und nimmt Volkswagen dafür auch noch an die kurze Leine. 2,4 Millionen Diesel-Fahrzeuge des Konzerns, darunter vor allem VW-Pkw, müssen in Deutschland zügig in Ordnung gebracht werden. In der gesamten EU stehen sogar 8,5 Millionen Rückrufe an, wie VW mitteilte.

Aus Sicht der Autofahrer sind viele Details noch ungewiss. Sicher ist aber: Die Extrafahrt in die Werkstatt ist Pflicht, schließlich sind die Fahrzeuge aktuell mit einer "unzulässigen Abschalteinrichtung" unterwegs, wie das KBA amtlich feststellte. Bis die Halter von VW per Post informiert werden, dürfen die Autos aber normal weiterfahren, wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt , CSU, erläuterte.

Starten sollen die ersten Umrüstungen Anfang 2016. Bei manchen Wagen dauert es aber noch länger. Für Modelle mit 1,6-Liter-Motor dürfte die technische Lösung erst in rund einem Jahr einbaureif sein. Dabei geht es um eine zusätzliche Abgasreinigung. Bei weiteren Dieseln in Euro-5-Norm mit 2,0 Litern Hubraum soll ein Tausch der manipulierten Software reichen. Die Wagen müssen also nur an den Laptop. Unklar blieb zunächst die genaue Lösung für die dritte Gruppe der Diesel mit 1,2 Litern Hubraum. Womöglich reicht auch dort ein Software-Update.

VW selbst teilte mit: "Die technischen Lösungen können sowohl Software- als auch Hardware-Maßnahmen sein. Diese werden momentan für jede betroffene Baureihe und jedes betroffene Modelljahr entwickelt. Alle Maßnahmen werden zunächst den zuständigen Behörden vorgestellt." Dann erhielten die Halter "in den nächsten Wochen und Monaten" Post von Volkswagen. Da das KBA die Details aller Lösungen noch prüfe, seien genaue Termine für die jeweiligen Rückrufaktionen noch offen.

Für den Konzern ist die Anordnung aus Flensburg ein neuer Schlag. Nachdem der Skandal um manipulierte Abgaswerte in den USA seinen Lauf genommen hatte und die Dimension in Europa zunächst unklar blieb, ist die Affäre damit nun endgültig in der VW-Heimat Deutschland angekommen.

Der Bundesverkehrsminister verkündete die Rückrufaktion zur selben Zeit, als sich die globale Elite der VW-Manager zu einer ihrer seltenen Vollversammlungen traf. Bei Porsche in Leipzig lauschten rund 400 Top-Führungskräfte Konzernchef Matthias Müller. Teilnehmer berichteten, dass er den Ernst der Lage sehr deutlich gemacht habe. Gleichzeitig habe Müller auch betont, dass es zu schaffen sei. Der Skandal sei auch eine Chance. In einem grundlegenden Veränderungsprozess gehe es "darum, die Verantwortung für unser Unternehmen breiter zu verteilen. Ich will Sie als Top-Management stärken und Ihnen mehr Freiraum für Entscheidungen geben", sagte Müller. Das heiße dann aber auch mehr Verantwortung.

Ungewohnte Durchschlagskraft erkennen Kritiker nun auch beim KBA, das die monatelange Umrüstungsaktion nicht einfach dem Konzern überlässt. Das weitere Verfahren werde aus Flensburg überwacht, sagte Dobrindt. Schließlich sei es ein Rückruf in einer Dimension, die "das nötige Maß an Kontrolle und Überwachung notwendig macht". Endlich werde das KBA als Behörde nun so aktiv, wie es für Sicherheit und Umwelt aktiv werden sollte, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die Deutsche Umwelthilfe erinnerte daran, dass Rückrufe wegen Abgaswerten über Jahre für amtlich eigentlich gar nicht möglich erklärt worden seien.

Sollten sich Autofahrer hartnäckig weigern, zur Werkstatt zu fahren, könnte ihr Wagen letztlich stillgelegt werden. Doch warum sollten das viele tun, wenn ihr Fahrzeug kostenlos nachgebessert werden soll? An den Abgaswerten hängt zum Beispiel auch, ob man in Umweltzonen vieler Großstädte fahren darf. Die Pflicht mit bestimmten Fristen bringt nun mehr Druck in die Umrüstung.

Bis die Halter von VW per Post informiert werden, dürfen die Autos normal weiterfahren.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt , CSU

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Veröffentlicht am:
15. 10. 2015
00:00 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
15. 10. 2015
00:00 Uhr



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