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Wie eine zweite Geburt

Der Bundestag hat eine Organspende-Reform verabschiedet. Sie soll die Spendenbereitschaft erhöhen. Das wünschen sich auch Kulmbachs Ärzte.



Von 12 000 Patienten in Deutschland, die auf ein Spenderorgan warten, brauchen allein 8000 eine neue Niere.
Von 12 000 Patienten in Deutschland, die auf ein Spenderorgan warten, brauchen allein 8000 eine neue Niere.  

Kulmbach - Etwa 12 000 Menschen in Deutschland warten auf ein Spenderorgan. Jeden Tag sterben drei, weil sie vergeblich warten. "Laut Umfragen wären 70 bis 80 Prozent der Deutschen nach ihrem Tod zur Organspende bereit, doch nur zehn bis 20 Prozent besitzen den nötigen Ausweis", sagt Dr. Thomas Breidenbach, der Geschäftsführende Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) Region Bayern.

Die Politik will mit einer Reform die Spendenbereitschaft erhöhen: Unter anderem sollen die Krankenkassen verpflichtet werden, ihren Versicherten regelmäßig Informationen und einen Spendenausweis zuzuschicken. Außerdem soll jedes Krankenhaus einen Transplantationsbeauftragten einstellen. Im Klinikum Kulmbach übernimmt diese Aufgabe schon seit vielen Jahren Oberarzt Dr. Herbert Mädl. Er kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit, schult Mitarbeiter und klärt bei Hirntoten, ob ein Organspendeausweis vorliegt. Falls nicht, geht es darum, ob die Angehörigen mit einer Organspende einverstanden sind. Falls ja, nimmt er Kontakt mit der DSO auf.

Breidenbacher erklärt: "Wir schicken dann ein Transplantationsteam ins Krankenhaus, das die Organe entnimmt. Anschließend kommen sie in das Transplantationszentrum, wo der Empfänger sein Organ erhält."

In Kulmbach kommt es jährlich nur zu etwa zwei bis drei Organentnahmen. "Deshalb sind wir froh, dass die Politik jetzt gehandelt hat", sagt Dr. Thomas Banse, leitender Arzt mit dem Schwerpunkt Nephrologie und Dialyse am Klinikum Kulmbach. Ein Grund für die seltenen Organspenden sei, dass die Angehörigen, wenn kein Spendenausweis vorliegt, mit der Entscheidung überfordert sind: "Sie trauen sich in dieser Ausnahmesituation, die schon schwer genug für sie ist, nicht zu, das zu entscheiden. Sie wollen dem Verstorbenen nichts Unrechtes tun." Also entscheiden sich viele Angehörige gegen eine Organspende. Deshalb sei es wichtig, dass jeder für sich selbst rechtzeitig die Entscheidung trifft. Damit nehme man seinen Angehörigen eine große Last von den Schultern. "Aber niemand beschäftigt sich gern mit dem Tod. Deshalb müssen durch Aufklärungsarbeit Unsicherheiten und Vorurteile beseitigt werden", sagt Banse. Eine verbreitete Befürchtung sei, dass für Organspender im Krankenhaus nicht alles getan wird, um ihr Leben zu retten. "Dabei werden sie ebenso gut umsorgt, weil nur so ihre Organe intakt bleiben", erklärt Banse. Auch werde man als Organspender nicht schneller für tot erklärt. Zwei voneinander unabhängige Ärzte müssen den Hirntod feststellen. Die Leiche sehe nach der Organentnahme nicht entstellt aus, nur eine kleine Narbe sei zu sehen.

Der kleine Schritt, sich einen Organspendeausweis zu holen, kann im Todesfall mehrere Leben auf einmal retten. "Mit seinen intakten Organen kann jeder Mensch etwa zehn Personen helfen, die ein Organ brauchen", erklärt Mädl. Neben den Nieren könnten unter anderem auch Herz, Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse transplantiert werden. Und die Erfolgsquote ist hoch. "Über 90 Prozent überleben im ersten Jahr, in den nächsten fünf Jahren funktionieren noch bei 70 bis 80 Prozent die jeweiligen Organe", so Breidenbach.

Bei Nierentransplantierten seien die Zahlen noch besser, sie würden auch länger leben als Dialysepatienten: "Ich habe schon so oft erlebt, wie die Patienten nach einer Transplantation ins Leben zurückkehren." Aber auch Angehörige von Organspendern könnten profitieren: "Vor allem Eltern, die ein Kind verloren haben, finden Trost in der Organspende. So bewirkt der sinnlose Tod zumindest noch etwas Gutes."

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Diese Umfrage ist nicht repräsentativ

Spender werden im Klinikum gut umsorgt, weil nur so ihre Organe intakt bleiben.

Dr. Thomas Banse,

leitender Arzt am Klinikum Kulmbach


Jeder kann plötzlich ein neues Organ benötigen

"Die Wahrscheinlichkeit, in seinem Leben ein fremdes Organ zu benötigen, ist drei Mal so hoch wie die, Spender zu werden", sagt Dr. Thomas Breidenbach. Von heute auf morgen könne bei jedem durch eine banale Erkrankung wie Grippe zum Beispiel der Herzmuskel so sehr beschädigt werden, dass man ein neues Herz braucht. "Das passiert in Kulmbach jedes Jahr vier bis fünf Personen", sagt Dr. Herbert Mädl. Virusinfektionen und chronische Erkrankungen können auch andere Organe dauerhaft schädigen und eine Transplantation nötig machen. Oft kommt es zu Nierenversagen. "Deshalb müssen bei uns viele Patienten an die Dialyse und warten auf eine neue Niere", sagt Mädl.


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Von Denise Franz
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Veröffentlicht am:
11. 04. 2012
00:00 Uhr

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11. 04. 2012
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