1:10-Klatsche Bauchlandung für die Wölfe

Der VER Selb erhält gegen den EV Landshut seine erste richtige Lehrstunde in der DEL2. Die knapp 1800 Zuschauer feiern ihre Mannschaft trotzdem.

Selb - Die knapp 1800 Fans in der Netzsch-Arena haben einen stimmungsvollen Freitagabend erlebt, der am Ende aber doch nicht so ganz perfekt war. Die Wölfe leisteten gegen den Favoriten aus Landshut zwar ein Drittel lang richtig Gegenwehr und lagen zwischenzeitlich sogar nicht unverdient in Führung, erlebten am Ende aber doch eine Bauchlandung. 1:10 (1:2, 0:2, 0:6) hieß es nach 60 Minuten aus Sicht der Wölfe. „Das kann mal passieren“, spendete Gäste-Trainer Leif Carlsson bei der Pressekonferenz Trost für die Selber, die diese Klatsche schnell aus den Köpfen und Beinen bringen müssen. Schon am Sonntag (17 Uhr) geht es mit dem Heimspiel gegen die Lausitzer Füchse weiter. „Da machen wir es besser“, versprach VER-Trainer Herbert Hohenberger, der sich nicht erklären konnte, warum nach einem guten ersten Drittel der Faden derart gerissen ist.

Stimmgewaltige Kulisse

Für die Fans war es ein ungewohntes, aber richtig gutes Gefühl: ohne Maske, dafür wieder mit dem obligatorischen Eishockey-Bierchen. Entsprechend stimmgewaltig ging es auf den Rängen zu. Und auch auf dem Eis gaben beide Mannschaften sofort Vollgas. Hohenberger vertraute seiner zuletzt gegen Kassel siegreichen Mannschaft. Der EV Landshut bekam von den in der DEL spielfreien Straubing Tigers die Förderlizenzspieler Adrian Klein, Yannik Valenti und Joshua Samanski abgestellt. Der VER zeigte in der Anfangsphase keinerlei Respekt vor den zum Geheimfavoriten auserkorenen Gästen. Und nach fünf Minuten gelang den Hausherren auch der Führungstreffer. Einen Schuss von Boiarchinov ließ EVL-Keeper Schmidt abprallen – und Thompson war zur Stelle.

Schwaches Powerplay

Landshut antwortete mit wütenden Angriffen, Selb stemmte sich dem Druck der Gäste leidenschaftlich dagegen. Richtig gefährlich wurde es vor dem Selber Tor nach einer Viertelstunde, als VER-Verteidiger Walters einen Schuss mit den Schlittschuhen abfälschte, Torwart Weninger aber blitzschnell reagierte. Erschreckend harmlos bei den Hausherren war das schlampige und von vielen Missverständnissen geprägte Überzahlspiel. Das dritte davon führte vier Sekunden vor der Pause prompt zum Ausgleich.

Ärgerliche und dumme Gegentore

Es sollte aber noch schlimmer kommen. 38 Sekunden waren im zweiten Abschnitt gespielt, als Landshut – immer noch in Unterzahl – sogar der 2:1-Führungstreffer gelang. Zwei Gegentore, die richtig ärgerlich und unnötig waren. Die Wölfe wirkten geschockt, waren jetzt phasenweise etwas von der Rolle. Als die Hausherren in der 24. Minute erneut in den „Genuss“ eines Powerplay kamen, wussten die Fans schon nicht mehr recht, ob die sich freuen sollen oder eher wieder zittern müssten. Der VER spielte aber nun konzentrierter, kam auch zu zwei Möglichkeiten – und fing sich zunächst jedenfalls kein weiteres Gegentor ein.

Doch auch Landshut hatte zunächst so seine Probleme im Powerplay. In der 27. Minute wäre Miglio mit einem Break fast der Ausgleich gelungen. Das sollte es aber bis zur zweiten Pause gewesen sein mit großen Selber Offensivaktionen. Die Niederbayern bauten nun mächtig Druck auf, ließen die Wölfe nicht mehr zur Entfaltung kommen und trafen 27 Sekunden vor der Sirene zum schon vorentscheidenden 1:4.

Alle Dämme brechen

Als Anderson nach zwei Minuten im Schlussdrittel gar der fünfte Landshuter Treffer gelang, war es auch für VER-Keeper Weninger genug. Der in der ein oder anderen Situation – wie seine Vorderleute - etwas unglücklich wirkende Kanadier machte Platz für Aufstiegs-Torwart Weidekamp, der sein DEL2-Debüt für die Wölfe feiern durfte – und nach 49 Minuten auch erstmals geschlagen war. In der Folge brachen alle Dämme bei den Wölfen, die sich der Offensivpower der keine Gnade kennenden Gäste nicht mehr erwehren konnten. „Irgendwann war die Luft raus“, erklärte Hohenberger. Ein sehr feines Gefühl zeigten die Selber Fans, die ihr Team bis zum Schluss bedingungslos unterstützen. „Danke dafür“, zollte der VER-Coach den Anhängern seinen Respekt.

Die Statistik

VER Selb: Weninger (42. Weidekamp) – Slavetinsky, Ribnitzky; Silbermann, Ondruschka; Walters, Menner; Gimmel - Aquin, Thompson, Boiarchinov; Deeg, Gare, Miglio; Kryvorutskyy, Gelke, Ross; Klughardt, Naumann, Christmann.

EV Landshut: Schmidt (Pätzold) – Weihager, Klein, Dersch, Brückner, Martens, Dotzler – Holzmann, Hult, Pfleger, Koch, Gill, Alderson, Samanski, Forster, Valenti, Kornelli, Mühlbauer.

Schiedsrichter: Sicorschi/Singer. – Zuschauer: 1775. – Tore: 5. Min. Thompson (Boiarchnivov, Miglio) 1:0), 20. Min. Mühlbauer (4-5) 1:1, 21. Min. Forster (4-5) 1:2, 31. Min. Forster 1:3, 40. Min. Samanski 1:4, 42. Min. Alderson (5-4) 1:5, 49. Min. Koch 1:6, 50. Min. Pfleger 1:7, 51. Min. Klein 1:8, 53. Min. Holzmann 1:9, 59. Min. Holzmann (5-4) 1:10. - Strafminuten: Selb 16 + 10 Ross, Landshut 14.

 

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