25 Jahre „Hilfe für Nachbarn“ Verbände machen schnelle Hilfe möglich

Ob akute Notlage, familiäre Krise oder fehlende Erstausstattung: Die regionalen Wohlfahrtsverbände sind das Rückgrat der Initiative „Hilfe für Nachbarn“.

Menschen in der Grundsicherung, Alleinerziehende, Rentner – viele Menschen in der Region sind bedürftig – und oft auf schnelle Unterstützung von „Hilfe für Nachbarn“ angewiesen. Foto: picture alliance/dpa

 Seit 25 Jahren ist die Initiative „Hilfe für Nachbarn“ ein fester Bestandteil der sozialen Landschaft von Hochfranken und dem Fichtelgebirge. Neben Frankenpost und Sparkasse sind es verschiedene Wohlfahrtsverbände, wie die Diakonie, das Rote Kreuz und das Diakonische Werk, die daran arbeiten, Menschen in Notlagen zu unterstützen.

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Die regionalen Mitglieds-Wohlfahrtsverbände fungieren dabei als Bindeglied zwischen Spendern und Hilfesuchenden. Denn sie sind es, die den direkten Kontakt zu den hilfsbedürftigen Menschen pflegen, oft über Jahre. Sie wissen deshalb oft am besten, wo der Schuh drückt. Sie prüfen die Bedürftigkeit der Antragsteller und gewährleisten schnelle, unbürokratische Hilfe. Ob es um die Überbrückung akuter Notlagen oder die Unterstützung von Familien in schwierigen Situationen geht – das Netzwerk ermöglicht Reaktionen, die in klassischen Hilfesystemen oft Wochen oder Monate dauern würden. „Hilfe für Nachbarn schließt damit eine wichtige Lücke“, betont Carsten Gleißner, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Selb-Wunsiedel.

Foto: pr

Die Wohlfahrtsverbände sind sowohl in der Vermittlung als auch in der direkten Umsetzung von Hilfen aktiv. Jeder Verband verfügt über ein eigenes Mittelkontingent, sodass schnelle Entscheidungen möglich sind, erklärt Jörg von der Grün, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Hof. Über die Vergabe von Beträgen bis zu 1.000 Euro wird im Rahmen der kleinen Jury von „Hilfe für Nachbarn“ entschieden; größere Summen, etwa für behindertengerechte Wohnungsumbauten, behandelt die große Jury mit Vertretern aller Mitglieder.

Meist sind es Bürgergeld-Empfänger, Alleinerziehende, einkommensschwache Familien oder ältere Menschen, die auf Unterstützung von „Hilfe für Nachbarn“ angewiesen sind. „Häufig geht es etwa um Erstausstattungen nach Trennungen. Auch häusliche Gewalt ist leider oft Thema“, sagt von der Grün. Für ihn als Familienvater sei es schwer, solche Geschichten zu ertragen. So sei es in solchen Situationen wichtig, dass Hilfe schnell gewährt wird.

Effiziente Entscheidungsprozesse

Die Anträge an „Hilfe für Nachbarn“ kommen meist über Sozialarbeiter aus den Fachberatungsstellen. Die Wohlfahrtsverbände stimmen sich dann untereinander ab. „Die meisten Entscheidungen werden auf kurzem Dienstweg innerhalb eines Tages per Rundmail getroffen“, erläutert Gleißner. Die Umsetzung, also die Gewährung von Hilfen, erfolgt wieder über die Sozialpädagogen, während die Sparkasse die Auszahlung übernimmt. Nachweise, etwa Einkaufszettel, sorgen für Transparenz. Teilweise begleiten Mitarbeiter der Wohlfahrtsverbände die Bedürftigen beim Einkauf, um sicherzustellen, dass das Geld zweckgemäß verwendet wird.

Jörg von der Grün, BRK-Kreisverband Hof Foto: Archiv

Die Hilfen sind dabei einmalig und auf konkrete Bedürftigkeit zugeschnitten. Luxusgüter werden nicht finanziert – die Abwägung erfolgt fallbezogen: Ein Trockner für eine Familie mit fünf Kindern ist notwendig, für eine alleinstehende Person wäre er Luxus, erläutert Gleißner.

Spendenbereitschaft und Zukunft

Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung für „Hilfe für Nachbarn“ bleibe über die Jahre konstant und steige sogar an, sagt Gleißner. Besonders in der Adventszeit seien die Menschen zu Spenden bereit. Zweimal jährlich informiert die große Jury über die Kontostände. Da die Arbeit ehrenamtlich erfolgt, fließt kein Cent in Verwaltungskosten.

Jürgen Schöberlein, Diakonie Hochfranken. Foto: Archiv

Jürgen Schöberlein, Bereichsleiter Jugend- und Familienhilfe sowie Erwachsenenhilfe bei der Diakonie Hochfranken, bewertet die Partnerschaft als „gewachsen und vertrauensvoll“. Über „Hilfe für Nachbarn“ sei gezielte finanzielle Hilfe möglich, die die Diakonie sonst nicht leisten könnte. „Normalerweise helfen wir mit Beratung, zum Beispiel in der Schuldnerberatung oder bei psychischen Erkrankungen. Finanzielle Hilfe wird dosiert eingesetzt, nur wenn es im Einzelfall wirklich hilft. Denn manchmal kann Geld auch schaden statt helfen.“

Die Arbeit von „Hilfe für Nachbarn“ wird auch in Zukunft „absolut notwendig“ sein, ist sich Carsten Gleißner sicher. „Menschen fallen nach wie vor durch das Raster der Sozialsysteme. Es ist nicht zu erwarten, dass die Hilfsbedürftigkeit in Zukunft abnimmt.“ Er fordert eine Beschleunigung bürokratischer Prozesse in diesem Land, da die Wege zur Gewährung von Hilfen oft zu lang sind. Für eine Erstausstattung vergehen manchmal Monate, bis Unterstützung erfolgt. Da sei man froh, dass „Hilfe für Nachbarn“ im Gegensatz dazu schnell und unbürokratisch hilft.

Gut zu wissen

Spenden für „Hilfe für Nachbarn“
 entstand im Jahr 2000 als Projekt von Sparkasse und Frankenpost. Wer „Hilfe für Nachbarn“ unterstützen will, kann dies auf folgendes Konto bei der Sparkasse Hochfranken tun: IBAN DE29 7805 0000 0220 0204 16.

Die Wohlfahrtsverbände
Neben der Frankenpost und der Sparkasse sind die Stadt und der Landkreis Hof sowie der Landkreis Wunsiedel Mitglieder, genau wie folgende Wohlfahrtsverbände: Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Hof-Stadt e. V., Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband Hof, Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband Wunsiedel, Caritasverband Hof, Die Hofer Tafel e. V., Diakonie Hochfranken gGmbH, Diakonisches Werk Selb-Wunsiedel e. V..