600 Jahre Helmbrechts Schau zeigt Zeugnisse der Stadtgeschichte

Werner Bußler
Besucherin Emma probiert in der Ausstellung der Stadthistorischen Sammlung eine alte Schreibmaschine aus. Foto: /Bußler

Die Schau zum Jubiläum der Stadt Helmbrechts hat in der ehemaligen Filiale der Commerzbank eröffnet. Die Besucher waren begeistert von den zahlreichen Exponaten.

Was liegt näher, als in einem Jubiläumsjahr an die Geschichte der Stadt zu erinnern? Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Stadthistorischen Sammlung Helmbrechts kümmern sich seit einigen Jahren darum, anhand von Exponaten die heimatliche Historie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und in Epochen einzuordnen, aber sie haben auch das Ziel, die Zeugnisse der Vergangenheit einem Publikum zu zeigen. Das ist jetzt, zumindest für einen Teil der vorhandenen Gegenstände, möglich, denn in der ehemaligen Commerzbank hat das Team eine sehenswerte Ausstellung aufgebaut, die immer am ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr und immer mittwochs von 10 bis 12 Uhr Interessenten zugänglich ist. Schulklassen und Gruppen können außerhalb dieser Zeit Termine mit Wolfgang Tejkl vereinbaren.

Zur Eröffnung der Schau am Freitag waren viele Ehrengäste anwesend, etwa die Ehrenbürger Werner Hohenberger und Klaus Wolfrum, Stadträte, Träger der Bürgermedaille und Vertreter der Schulen. Gerade Schülerinnen und Schülern, sagt Bürgermeister Stefan Pöhlmann, könne mit dieser Präsentation Wissenswertes vermittelt werden.

Wolfgang Tejkl, Kopf des Arbeitskreises, berichtete, man habe dem Stadtrat 22 Themen vorgeschlagen und schließlich gemeinsam sechs Bereiche ausgewählt: Historie und Verwaltung, Schule, Kinder und Haushalt, Sport, Gastronomie und Getränke und einheimische Künstler. Zusätzlich sei kurzfristig noch das Thema Währungen und Geld dazugekommen, weil man sich in einem ehemaligen Bankhaus befinde. Für die Beteiligten war der Aufbau nach den Worten Tejkls eine Herausforderung und ein „scharfer Ritt“, mussten doch innerhalb von vier Monaten Exponate ausgewählt, durch Mitarbeiter des Bauhofs vom Lager in der Alten Weberei in das Gebäude in der Luitpoldstraße transportiert und dort entsprechend angeordnet werden. „30 Minuten vor Eröffnung haben wir die letzte Vitrine bestückt.“ Tejkl sagte, die Ausstellung sei nicht statisch und werde ständig ergänzt und verändert. Sie kann manches Hintergrundwissen anbieten, somit ist sie auch für Schulklassen aufschlussreich.

Wolfgang Tejkl appellierte an Mitbürger bei Haushaltsauflösungen, Gegenstände aus vergangenen Epochen nicht wegzuwerfen, sondern in der Stadthistorischen Sammlung vorbeizubringen. Er stellte dann seine Mannschaft vor, der Brigitte Franz, Helga Rührold, Brigitte Tejkl, Alfred Rauh, Thomas Rödel und seit einigen Monaten als neue Mitarbeiter Armin Groß und Wilfried Vogel angehören. Ausstellungsstücke haben auch einige Bürger geliefert, der Redner nannte stellvertretend Rudolf Dreßel, Bernd Dietweger, Rudolf Seuß und Klaus Zeuner.

Tejkl bat den Bürgermeister um einen beständigen Ort für die Aufbewahrung der Exponate. Hierfür solle sich die Stadt einsetzen und das Haus Lämmerstraße 8 nicht abschreiben.

Diese leise Kritik wollte Stefan Pöhlmann nicht unwidersprochen lassen und konterte sofort, indem er mitteilte, die Commerzbank stehe ja zur Miete bereit – die Stadt könne aber nicht immer alles leisten, doch werde sie sich zu gegebener Zeit um das renovierungsbedürftige Haus in der Lämmerstraße kümmern, das als festes Quartier für die Sammlung vorgesehen war.

Nicht nur die Ehrengäste, auch alle bisherigen Besucher zeigten sich von der liebevoll aufgebauten Präsentation begeistert, denn es gibt eine Menge interessante Dinge zu sehen und auch zu hören. Auf Band verewigt und dank technischer Aufbereitung abspielbar sind beispielsweise Impressionen von Festsitzungen des Stadtrates mit den Stimmen ehemaliger Bürgermeister und Persönlichkeiten, die eine Ehrung erhielten. Zu sehen sind auch Fotos von einstigen Gebäuden sowie Kurzfilme, unter anderem von früheren Festen, Holzbauarbeiten der Firma Seuss, Konfirmationszügen, der Einweihung des Freibades und sogar vom Fußballspiel zwischen dem VfB Helmbrechts und Bayern Hof, das 1959 für einen nie mehr erreichten Besucherrekord auf der Frankenwaldsportstätte sorgte.

Zu bewundern gibt es zudem im Helmbrechtser Umland gefundene Gegenstände wie eine Pfeilspitze und ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit sowie eine Axt aus der Bronzezeit. Aber auch alte Schulmöbel, alte Polizeiuniformen, historische Sportgeräte, eine Trommel der Bürgerwehr und vieles mehr fand die Aufmerksamkeit der Besucher. Ausgestellt sind auch die Frankenwürfel, die Otto Knopf und Sonja Keil für ihr Wirken erhielten. Sonja Keil, die nachmittags die Schau besuchte, sprach aus, was viele dachten: „Großes Lob an die Organisatoren, sie haben etwas ganz Tolles geschaffen.“

 

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