6:4-Derbysieg Selb feiert vor ausverkauftem Haus

Die Wölfe bezwingen die Bayreuth Tigers mit 6:4. 3400 Zuschauer sorgen für eine klasse Derby-Stimmung und freuen sich über den zweiten Heimsieg dieser Saison

Das hat es schon viele Jahre nicht mehr gegeben: Knapp zwei Stunden vor Spielbeginn meldeten die Wölfe eine ausverkaufte Netzsch-Arena. Endlich wider ein Derby vor voller Hütte. Nicht nur zur Überraschung der Geschäftsführer Jürgen Golly und Thomas Manzei, die mit 2500 Zuschauern schon zufrieden gewesen wären. Auch viele Fans aus Bayreuth und Selb hatten damit nicht gerechnet. Sie standen verärgert vor geschlossenen Kassenhäuschen und mussten unverrichteter Dinge wieder die Heimreise antreten. Die, die ihre Karten im Vorverkauf erworben hatten, waren entsprechend guter Stimmung. Schon eine Stunde vor dem ersten Bully hallten die Selber Schlachtgesänge durch die Halle.

Und die Wölfe-Anhänger durften auch nach den 60 abwechslungsreichen Minuten mit zehn Toren feiern. Mit 6:4 (3:1, 2:1, 1:2) hielten die Waßmiller-Schützlinge den Nachbarrivalen nieder und machten damit auch in der Tabelle einen Platz gut. Entsprechend stolz war Trainer Sergej Waßmiller auf seine Mannschaft. „Ich freue mich für die Jungs, da sie für ihren Kampf und die Moral belohnt wurden.“ Ein Lob hatte der Selber Coach aber auch für das Schlusslicht parat. „Bayreuth hat gezeigt, dass es enorme Qualität hat und war besser als noch im ersten Spiel. Es war keine leichte Aufgabe für uns.“ Worte, die für Tigers-Coach Marc Vorderbrüggen nur ein schwacher Trost waren. „Wir stehen jetzt wieder hier und haben nichts in der Hand.“ Vor allem die Leichtsinnsfehler bei den Toren der „effizienten Selber“ stießen Vorderbrüggen auf. „Wir müssen irgendwann mal anfangen, die Kleinigkeiten richtig zumachen.“

Frühe Selber Führung

Für eine kleine Überraschung hatte Waßmiller schon vor dem Spiel gesorgt, indem er seine ersten beiden Sturmreihen neu formierte. Den Center in Reihe eins übernahm Kruminsch neben Miglio und Naumann, in der zweiten Reihe stürmte Thompson mit Gelke und McNeill. Veränderungen gab es auch bei den Tigers, die sich im Derby endlich aus ihrer tiefen Krise schießen wollten, dabei von rund 250 Anhängern unterstützt wurden. Und die mussten mit ansehen, wie die Wölfe schon nach 31 Sekunden erstmals zuschlugen. Miglio stand urplötzlich frei vor dem Tor, guckte Steinhauer aus und traf per Rückhand zum 1:0. Welch ein Auftakt für die Selber, die aber auch schnell ausgebremst wurden. Erst durch eine Strafzeit gegen Lavallee, die sie noch ohne Schaden überstanden, nach fünf Minuten dann aber mit dem Ausgleich, bei dem Tigers-Neuzugang Gracel zu viel Platz hatte.

Die Bayreuther hatten nun kurz das Momentum für sich, mit dem ersten Angriff nach dem Ausgleich ging Selb aber wieder in Führung. Fern stand nach Hlozeks Pass mutterseelenalleine kurz vor der blauen Linie und hämmerte die Scheibe in den Winkel. Die Wölfe vergaben zunächst im Powerplay die Möglichkeit nachzulegen, holten das aber nach zwölf Minuten nach. Nach einer kleinen Slapstickeinlage von Miglio und Naumann, die sich gegenseitig über den Haufen fuhren, war es Sekunden später Kapitän Gelke, der zum 3:1 traf. Und McNeill hatte nicht einmal eine Minute später den vierten Treffer auf dem Schläger, dieses Mal aber war Steinhauer auf dem Posten. Bayreuth wirkte etwas konsterniert, kam aber Ende des ersten Drittels in Überzahl noch zu zwei guten Möglichkeiten durch Järveläinen und Blomqvist, die Bitzer sensationell entschärfte – was einmal erst im Videobeweis ersichtlich wurde.

Bayreuth drängt

Den Tigers gelang im Mitteldrittel der schnelle Anschlusstreffer durch Mieszkowski. Sollte Selb erneut eine Zwei-Tore-Führung aus der Hand geben? Bayreuth war jedenfalls drauf und dran, alles wieder auf Null zu stellen, kam in der 25. Minute erneut zu einem Powerplay. Und drei Sekunden vor Ablauf der Strafe gegen Silbermann musste der nächste Selber Selber auf die Strafbank, weil bei einer Breakchance für McNeill zu viele Spieler auf dem Eis standen. Selb wankte, fiel aber nicht. In der Folge war es ein offener Schlagabtausch mit Möglichkeiten für beide Teams. Auch auf den Rängen wurde es wieder lauter, die Selber Anhänger verkündeten mehrmals, was sie von ihrem Nachbarrivalen hielten. Und in der 38. Minute durften die Wölfe-Fans auch wieder jubeln. Torschütze zum 4:2 war erneut Gelke, der einen Schuss von McNeill im Slot unhaltbar abfälschte. Und es kam noch besser für die Wölfe. Naumann bediente herrlich Miglio, und der Selber Topscorer ließ sich 22 Sekunden vor der zweiten Pause nicht zweimal bitten.

Nach 5:2 wieder zittern

Mit einem 5:2 ging es in das Schlussdrittel, der zweite Selber Heimsieg war zum Greifen nahe. Oder gab es doch noch ein Aufbäumen der Tigers? Sie waren zumindest bemüht, die Wölfe ließen aber zunächst – von wenigen Ausnahmen abgesehen – kaum große Bayreuther Möglichkeiten zu. Was aufs Tor kam, war zunächst eine sichere Beute von Bitzer. Ein Powerplay nutzten die Gäste durch einen schlitzohrigen Järveläinen-Treffer dann doch zum 5:3. Die Selber Fans mussten wieder zittern, zumal sich die Wölfe kurz darauf erneut eine unnötige Strafzeit leisteten. Aber einmal mehr war es Bitzer, der bei einem Järveläinen-Schuss mit einem unglaublichen Save die Selber Anhänger aufatmen ließ. Die Uhr lief für die Hausherren, die in der 55. Minute selbst einmal einen Mann mehr auf dem Eis hatten – und für die Entscheidung sorgten. Zum dritten Mal war es Miglio, der Steinhauer überwand. Jetzt war Feiern angesagt auf den Rängen, auch wenn die Tigers 67 Sekunden vor der Schlusssirene noch einmal verkürzten.

Selber Wölfe: Bitzer (Weidekamp) – Trska, Lavallée; Kania, Deeg, Schaaf, Fern, Silbermann – Miglio, Kruminsch, Naumann, Gelke, Thompson, McNeill, Schwamberger, Hammerbauer, Hlozek, Klughardt, Noack, Woltmann.

Bayreuth Tigers: Steinhauer (N. Zimmermann) - Stephan, Nikkilä, Kurz, Pruden, Pokovic, Raab - Blomqvist, Gracel, Järveläinen, Bindels, Kretschmann, Mieszkowski, Meier, Ewanyk, Roach, Schumacher.

Schiedsrichter: Bauer/Harrer.– Zuschauer: 3393 (ausverkauft). – Tore: 1. Min. Miglio (Lavallée)1:0, 5. Min. Gracel (Järveläinen, Blomqvuist) 1:1, 7. Min. Fern (Hozek) 2:1, 12. Min. Gelke (Silbermann) 3:1, 22. Min. Mieszkowski (Bindels, Kretschmann) 2:2, 38. Min. Gelke (McNeill, Thompson) 4:2, 40. Min. Miglio (Naumann) 5:2, 51. Min. Järveläinen (5-4) 5:3, 57. Min. Miglio (McNeill, Thompson; 5-4) 6:3, 59. Min. Bindels 6:4. – Strafminuten: Selb 12, Bayreuth 4.

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