Für Historiker Auge ist dies beispielhaft für den Umgang mit der NS-Zeit: "In den 1950er Jahren herrschte in der Tat die Tendenz vor, die zwölf Jahre der NS-Herrschaft zu verdrängen und zu vergessen, und in Schleswig-Holstein, wo viele Alt-Nationalsozialisten eine neue Heimat gesucht und gefunden hatten, war diese Tendenz offenkundig besonders stark ausgeprägt", sagt Auge.
"1951 war die Entnazifizierung offiziell für beendet erklärt worden; faktisch waren die diesbezüglichen Bemühungen gescheitert." Ein Umdenken habe allmählich erst ab den 80er Jahren stattgefunden, sei aber bereits durch die 68er angestoßen worden.
Wieder zurück an alten Standort
"Das Mahnmal hatte keine Lobby, es war von Juden geschaffen worden", sagt Legband. Neben ihm kümmerten sich vor allem Gewerkschaften und die Jungsozialisten in der SPD um das Denkmal. Der ursprüngliche Standort war allerdings längst in Vergessenheit geraten, sagt Legband. Das sollte sich 1989 schlagartig ändern.
Legband hatte Trebitsch nur als Redner gewinnen wollen. Natürlich komme er für eine Rede an sein Denkmal, habe dieser ihm am Telefon zu verstehen gegeben, sagt der Autor. Dort hätten sie dann allerdings auf Trebitsch warten müssen, der hatte von der Umsetzung nichts gewusst, den neuen Standort schlicht nicht gekannt und war nach Erreichen des neuen Ortes außer sich.
"Wer Geschichte vergisst, verliert sein Gesicht", mahnte Trebitsch in seiner Rede. Bei seinem Abschied habe er ihm mit auf den Weg gegeben, er solle sich bitte darum kümmern, dass das Denkmal wieder an den ursprünglichen, zentralen Ort versetzt werde, sagt Legband.
Gemeinsam mit dem bekannten Produzenten rückte Legband das Denkmal wieder in den öffentlichen Fokus Itzehoes. Der Zahn der Zeit nagte bereits an dem Bauwerk, dann kamen die rechten Anschläge in Lübeck, Mölln und Solingen. Der Wind drehte sich. Es sollte aber noch Jahre dauern, bis die Stadt ihren Widerstand gegen den Wunsch von Legband und Trebitsch auf Versetzung an den ursprünglichen Standort zustimmte.
Erst 1995 versetzte die Stadt die Backsteinsäule mit acht Inschriften von Zitaten deutscher Dichter zum Wert der Freiheit unter großem finanziellem Aufwand wieder an den ursprünglichen zentralen Standort zurück.
"Es war ein echtes Comeback", sagt Legband. Die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) weihte es am neuen-alten Standort ein. "Familie Trebitsch war gerührt", sagt Legband, der für seine Verdienste rund um das Mahnmal das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten hat.
Der aktuelle Bürgermeister Ralf Hoppe betont: "Für Itzehoe ist es ein Geschenk, dass sich das erste Mahnmal dieser Art in Nordeuropa in unserer Stadt befindet". So ein Superlativ sorge für Aufmerksamkeit, zumal das Bauwerk eng verbunden sei mit zwei bekannten Persönlichkeiten. "Doch das eigentliche Geschenk ist vielmehr die Bedeutung des Mahnmals für die lebendige Erinnerungskultur in Itzehoe. Sie ist getragen von bürgerlichem Engagement, das mittlerweile auf die nächste Generation übergegangen ist." Das Mahnmal sei seit vielen Jahren ein fester Ort für Gedenkfeiern mitten in der Stadt.
Was im September passiert
"Insgesamt drei Regierungschefs sowie vier Landtagspräsidentinnen und -präsidenten oder ihre Stellvertreter haben am Denkmal gesprochen", sagt Legband. "Also die Spitzen des Landes."
Mittlerweile hat Legband die "Patenschaft" für "sein Mahnmal" an das Itzehoer Sophie-Scholl-Gymnasium weitergegeben. Das Jubiläum soll bereits am 6. September (14.00 Uhr) mit seinem stillen Gedenken begangen werden. Verantwortlich ist die Evangelisch-Lutherische Innenstadtgemeinde. "Damit wir das Datum nicht vergessen", sagt Legband.
Das Land Schleswig-Holstein hat keine zentrale Gedenkstätte. "Im öffentlichen Bewusstsein sind die ehemaligen KZ-Standorte Husum-Schwesing, Kaltenkirchen und Ladelund als Gedenkstätten - gerade wegen der aktiven Arbeit der dort jeweils Engagierten und der Bürgerstiftung - meines Erachtens präsenter", sagt der Historiker Auge. "Allerdings heißt Gedenkstätte nicht gleich Mahnmal: Nicht jede Gedenkstätte ist ein Mahnmal. Ein Mahnmal kann aber Teil einer Gedenkstätte sein."