800 Jahre Sparneck Vom Krieg bis zum Marktrecht

Reinhardt Schmalz
Sparneck machte in der Neuzeit einige dramatische Entwicklungen durch. Foto:  

Die politische Bedeutung des Ortes wandelte sich stetig. Eine letzte Hochzeit endete im Jahr 1779.

Die Ritter von Sparneck beherrschten im späten Mittelalter 300 Jahre lang die Region nördlich des Waldsteins. In dieser Zeit erlangte Sparneck seine historisch größte Bedeutung. Es kam jedoch noch eine Ära, in der das Münchberger Land von Sparneck aus verwaltet wurde. Nachdem der letzte männliche Nachkomme der Sparnecker Linie des alten Rittergeschlechts verstorben war, ging 1563 der gesamte Sparnecker Güterkomplex an die Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Damit begann für Sparneck ein neues Zeitalter. Im Stockenrother Schloss wurde zur Verwaltung ein Amt eingerichtet, in dem ein Amtmann, ein Richter und ein Schreiber tätig waren.

Der 30-jährige Krieg

„Eine europäische Tragödie“ und ein „Deutsches Trauma“ gleichermaßen – das war der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648. Er hat sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt wie kein zweiter und wirkt teilweise bis heute nach. Auf dem Land hat dieser Krieg weitaus größere Opfer gefordert als alle Kriege zuvor und danach – einschließlich der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Ganze Landstriche wurden entvölkert und ausgebrannt. Etwa sechs Millionen Opfer schätzt man, fast die Hälfte der damaligen deutschen Bevölkerung. Die meisten sind verhungert oder wurden durch die Pest dahingerafft. Dabei waren es nicht die großen Schlachten, die weitab von riesigen Söldnerarmeen geschlagen wurden, angeführt von Wallenstein oder dem Schwedenkönig Gustav Adolf, sondern die endlosen Durchzüge des Kriegsvolkes, das wie Heuschrecken über unsere Dörfer herfiel und alles vernichtete.

In den Schreckensjahren 1633/34 stieg die Zahl der Beerdigungen in Sparneck steil an und die Geburtenrate sank auf nahezu Null. Gab es 1630 im Amt Stockenroth noch 154 Hof- und Hausbesitzer, so waren fünf Jahre später 105 davon weggezogen oder umgekommen. 85 Höfe und Häuser standen leer. Am 27. Juni 1631 wurde in Stockenroth sogar Weltgeschichte geschrieben, als sich Markgraf Christian im dortigen Schloss mit dem Sondergesandten des Schwedenkönigs, Oberst Philipp von Liebenstein, traf. Dabei wurde vereinbart, dass der zuvor neutrale Markgraf sich mit den protestantischen Schweden verbündet. Gustav Adolf, der „Löwe aus Mitternacht“, trat daraufhin in den Krieg ein und seine Truppen marschierten von der Ostsee bis nach München.

Das Jagdschloss der Markgrafen

Während des Krieges gesellte sich zu der Pest eine Wolfs- und Bärenplage und es wurde gefährlich, in den Wald zu gehen. Nach dem Krieg unternahmen dann die Markgrafen von Stockenroth aus groß angelegte Treibjagden. Am Waldstein wurde der Bärenfang errichtet. Das alte Wasserschloss der Sparnecker Ritter in Stockenroth wurde mit großem Kostenaufwand saniert und ein stattliches Jagdschloss hinzugefügt. Dort hielten sich die Landesherren mit großem Gefolge und Gästen auf, wenn sie am Waldstein ihrer Jagdleidenschaft frönten. Markgraf Georg Wilhelm zog im Jahre 1716 sogar mit 1000 Soldaten und 600 Stück Zugvieh zum Jagen auf den Waldstein, im August 1718 erneut mit drei Kompanien zu Pferd und sechs Kompanien zu Fuß. Nach seinem Tod im Jahre 1726 war diese Zeit allerdings vorbei. Das Stockenrother Jagdschloss verwaiste und verfiel.

Das Oberamt

Im Jahre 1680 wurden die Ämter Münchberg, Stockenroth und Hallerstein zu einem Oberamt mit Sitz in Stockenroth zusammengefasst. Im dortigen Wasserschloss residierten fortan die meist adeligen Oberamtmänner und verwalteten ein Gebiet, das ungefähr dem Altlandkreis Münchberg entsprach.

In Sparneck lag derweil das zerstörte Stammschloss der Sparnecker Ritter seit 200 Jahren in Schutt und Asche. Niemand kümmerte sich darum, bis der Amtsrichter Johann Georg Hartung 1724 eine Entdeckung machte: Der ehemalige Schlosskeller war nur verschüttet, aber vollkommen intakt. Hartung beschloss daher, auf den Grundmauern des zerstörten Sparnecker Schlosses ein Amtshaus zu errichten und seine Amtsgeschäfte dorthin zu verlegen. Die beiden Stockenrother Schlösser waren ohnehin ruinös und wurden 1762 restlos abgebrochen. Hartungs Schwiegersohn Johann Siegmund Friedrich Feez wurde dessen Nachfolger als Richter im Oberamt. Sein Lebensstil war jedoch deutlich repräsentativer und er errichtete daher 1763 ein neues Amtshaus im Bereich der ehemaligen Vorburg. Dieses Haus beherbergt heute die Bäckerei Günther. Doch das Oberamt wurde schon 1779 aufgelöst und der Landeshauptmannschaft Hof zugeschlagen. Damit endete die zweite Ära, in der Sparneck das Zentrum des Münchberger Landes war – immerhin 100 Jahre.

Wieder eine Zeitenwende

Als der kinderlose Markgraf Karl Alexander auf die Fürstentümer Ansbach und Bayreuth verzichtete, kamen beide unter preußische Herrschaft (1792 bis 1806). Eine turbulente Phase begann mit den Feldzügen Napoleon Bonapartes, die am 8. Oktober 1806 Sparneck erreichten. Nach der preußischen Niederlage wurde in Bayreuth ein französischer Militärgouverneur eingesetzt. Es folgte der Krieg Österreichs gegen Frankreich mit einer kurzzeitigen österreichischen Besatzung (1809). Am 30. Juni 1810 schließlich übergab Napoleon die ehemals preußischen Provinzen Ansbach und Bayreuth an das Königreich Bayern. Damit war die heutige politische Struktur im Wesentlichen geschaffen.

Bei der Gründung der Bezirke im Jahre 1860 kam Sparneck zum Bezirksamt Münchberg. Als aus den Bezirken 1939 die Landkreise wurden, gehörte Sparneck zum Landkreis Münchberg. Deren Struktur wurde zuletzt bei der Gebietsreform im Jahre 1972 geändert. Dabei wurde der ehemalige Landkreis Münchberg aufgelöst und dem Kreis Hof zugeschlagen. Die Gliederung in Kommunen mit Selbstverwaltungsrechten folgte dem Gemeindeedikt von 1818. Seit 1978 bilden Sparneck und Zell eine Verwaltungsgemeinschaft mit Sitz in Sparneck.

Das Marktrecht

Am 5. April 1530 weilten die Ritter Wolf und Claus von Sparneck im königlichen Schloss zu Prag. Dort ließ ihnen König Ferdinand von Böhmen und Ungarn feierlich eine Urkunde ausfertigen, die für die Sparnecker Ortsgeschichte noch heute von Bedeutung ist. Mit diesem Lehensbrief, „darinnen König Ferdinand die von Sparneck mit der Bergfreiheit auf allen ihren Gütern und Gründen begnadet“, verlieh er ihnen die Bergfreiheit und gleichzeitig das Stadt- und Marktrecht. Die Bergfreiheit brachte den Sparneckern reichen Segen. Beispielsweise wurden am Tiefenbach ergiebige Kupfergruben ausgebeutet und zwischen Reinersreuth und Zell Alaunschiefer abgebaut. Das Stadtrecht jedoch wurde niemals in Anspruch genommen. Die Infrastruktur fehlte.

Kloster und Kirche

Ritter Friedrich von Sparneck gründete in Sparneck ein Karmelitenkloster mit Kirche, das dem Heiligen St. Ägidius (1. September) geweiht wurde. Friedrich starb am 14. Oktober 1477 vor dessen Vollendung und wurde in der Krypta des bereits fertiggestellten Gotteshauses beigesetzt. Seine Grabplatte gibt uns heute entscheidende Hinweise auf das Alter von Kirche und Kloster.

Die Klosterkirche wurde dem Heiligen St. Veit (15. Juni) geweiht. Sie war nicht sehr groß und besaß einen hölzernen Turm auf dem Dach. Ihre heutigen Ausmaße erlangte sie erst im Jahre 1695, als das Kirchenschiff und ein steinerner Glockenturm angebaut wurden. Die alte Klosterkirche bildet noch heute den Chor des vergrößerten Gotteshauses. Nach der Reformation und dem Untergang des Klosters wurde die Kirche 1562 in eine evangelische Pfarrkirche umgewandelt.

 

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