Ärger in Schirnding Dicke Luft zwischen den Nachbarn

Angespanntes Verhältnis: Dunkel Wolken ziehen über den beiden Nachbarkommunen Schirnding und Hohenberg an der Eger auf. Foto: David Trott

Der Hohenberger Bürgermeister Jürgen Hofmann zerschlägt in Sachen Einheitsgemeinde viel Porzellan. Die Schirndinger Bürgermeisterin und die CSU-Fraktion distanzieren sich.

Schirnding - Ausgerechnet in den einstigen Porzellanstädten hat der Hohenberger Bürgermeister und Vorsitzende der Gemeinschaftsversammlung, Jürgen Hofmann, jetzt viel Porzellan zerschlagen. So jedenfalls sieht es seine Schirndinger Kollegin Karin Fleischer. In der Marktgemeinderatssitzung am Donnerstag distanzierten sich sowohl die Bürgermeisterin als auch die Fraktion der CSU von den Plänen für eine Einheitskommune in den nächsten Jahren. Vor allem aber von dem Vorgehen dazu.

Bürgermeister eckt an

Was war geschehen? „Auf dem Weg zur Einheitsgemeinde. Hohenberg und Schirnding streben einem Zusammenschluss zu“, meldete die Frankenpost vor einigen Tagen. Der Hohenberger Bürgermeister hatte in einer Gemeinschaftsversammlung den schon öfter andiskutierten Gedanken eines Zusammenschlusses der beiden Kommunen aufgegriffen, auf die Tagesordnung der Gemeinschaftsversammlung gesetzt und sogar einen Zeitplan für einen konkreten Zusammenschluss – vor der nächsten Kommunalwahl – genannt. Damit aber eckte er bei seinen Nachbarn gewaltig an. Die Sache war nun Thema in der jüngsten Sitzung des Schirndinger Marktgemeinderats.

Am Schluss der öffentlichen Sitzung, unter Punkt „Verschiedenes“, sagte Bürgermeisterin Karin Fleischer: „Eine Einheitsgemeinde stand für mich noch nie zur Diskussion.“ Und sie gab folgende Erklärung ab:

Fleischer: Ohne Absprache

„In der Vorbesprechung der letzten VG-Versammlung brachte ein ausscheidendes Stadtratsmitglied aus Hohenberg den Vorschlag, man sollte sich bis zur nächsten Kommunalwahl einmal Gedanken machen über eine Einheitsgemeinde. Ich war sehr überrascht, dass am nächsten Tag in der offiziellen und öffentlichen VG-Versammlung bereits ein Beschlussvorschlag über eine so wichtige, grundlegende und essenzielle Entscheidung präsentiert wurde. Ohne jegliche vorherige Absprache beziehungsweise Information, noch dazu als Unterpunkt im Beschluss über den Haushalt! Ich möchte nochmals betonen, dass sich mir die Frage einer Einheitsgemeinde nicht stellt.“

Im Namen der CSU-Fraktion äußerte sich Jan Nestico „sehr enttäuscht und überrascht“ über den Vorschlag aus der Nachbarkommune. Er sei seit einem Jahr Mitglied des Marktgemeinderats und habe das erklärte Ziel, Schirnding nach vorne zu bringen. Da gehe es um das Gemeindezentrum, Sanierungsarbeiten, das Gestalten des Ortskerns und einen Stopp der Abwanderung. Umso enttäuschter sei er, dass der Marktgemeinderat in keiner Weise zu dem Vorschlag des Zusammenschlusses befragt worden sei oder dass dies je bei einer Versammlung zur Debatte stand. Dass in der VG-Sitzung sogar schon ein konkreter Vorschlag für eine Einheitsgemeinde vorlag, enttäusche ihn zutiefst. Nestico weiter: „Das zeigt auch, dass die Zusammenarbeit zwischen den Bauhöfen und auch in der Verwaltungsgemeinschaft nicht ganz reibungslos abläuft. Ich wünsche mir, dass gerade bei solchen Themen erst einmal die zuständigen Gremien gehört werden und nicht abgestimmte Äußerungen des VG-Vorsitzenden nicht wieder viele überrumpeln.“

Erst Bürger befragen

In der Diskussion wähnte sich ein anderer Sprecher „im falschen Film“. Ein Kollege gestand zu, dass man die Frage wohl mal andiskutiert habe. Insgesamt aber war sich der Marktgemeinderat einig – und das unterstrich die Bürgermeisterin auch ausdrücklich – dass bei Fragen von solcher Tragweite erst einmal die Bürger gefragt und dann im Marktgemeinderat darüber diskutiert werden müsse.

 

Bilder