Wissenschaftler hätten zudem in mehreren Ländern anhand medizinischer Daten untersucht, ob es in der Nähe von Windrädern gehäuft zu Krankheiten komme. "Das ist definitiv nicht der Fall", sagt Hübner. Wenn Betreiber auf Beschwerden von Anwohnern reagieren und - wie im Ausnahmefall Oberwiera - sogar Anlagen wieder abbauen, sei das ein positives Signal.
Abriss ab Mitte Juli geplant - Stimmung im Dorf gekippt
Die Betroffenen in Oberwiera in Sachsen sind kurz vor dem Ziel. Mitte Juli soll der Rückbau beginnen, bestätigt Unternehmer Andreas Berger. Man habe sich einvernehmlich mit dem Anlagenbetreiber geeinigt, heißt es auch bei Vestas. Die Frage nach den Kosten bleibt unbeantwortet. Berger stellt klar, dass dafür keine Steuergelder fließen. Rechtlich möglich wäre es, an dem Standort ein neues Windrad zu bauen, sagt er. Derzeit sei das aber nicht geplant.
Der Abriss ist offensichtlich einmalig in Deutschland. Dem Branchenverband BWE sind keine vergleichbaren Fälle bekannt, in denen ein Windrad aus diesem Grund komplett zurückgebaut wurde, wie ein Sprecher auf Anfrage erklärt.
Doch der lange Kampf der Anwohner wirkt nach. "Ich möchte kein Windrad mehr in Oberwiera", sagt Bürgermeister Quellmalz. Dabei habe man noch Glück, dass der Betreiber im Ort wohne und kein ferner Finanzinvestor sei. Die Gemeinde wehrt sich nun nicht nur gegen das ursprünglich geplante zweite Windrad. Der Ortschef kramt eine Karte hervor. Er zeigt auf zwei farbige Flecken. Dort sehe der neue Regionalplan weitere Standorte für Windräder vor. Dagegen kündigt er Widerstand an - notfalls auch mit juristischen Mitteln.
Bürgermeister: "Schutzgut Mensch" mehr berücksichtigen
Sie sei absolut erleichtert, dass das Problem-Windrad bald Geschichte sei, sagt Sarah Hahn, die sich inzwischen im Gemeinderat engagiert. "Es ist unglaublich, dass der Betreiber das erreicht hat." Das Hauptproblem sehe sie darin, dass solche Anlagen immer größer und leistungsstärker werden. Aus ihrer Sicht brauche es mehr Augenmaß bei solchen Projekten. So hatte im Ort ein anderer Investor einen XXL-Solarpark auf mehr als 40 Hektar Fläche bauen wollen. Der Gemeinderat hat das trotz Aussicht auf zusätzliche Einnahmen abgelehnt. Hahn: "Das ist standortseitig in Kombination mit der Größe nicht mehr verhältnismäßig."
Für Christdemokrat Quellmalz muss bei der Planung von Windrädern "das Schutzgut Mensch" stärker in den Blick genommen werden. Es sei inakzeptabel, wenn Menschen durch solche Anlagen massiv beeinträchtigt werden. Das sei eine wichtige Lehre aus dem Fall in seinem Ort.