Altersvorsorge der Frauen Teilzeitjob führt zu Teilzeitrente

red

Allzu sehr sind Frauen bereit, beruflich kürzer zu treten für Mann und Kinder. Das rächt sich bei der Rente. Das Thema hat ein Online-Vortrag der Soroptimistinnen beleuchtet.

Referentin Foto: /Quirin Leppert

Hof - Romantik hat bei der Altersvorsorge nichts zu suchen. Referentin Helma Sick hat beim Online-Vortrag der Hofer Soroptimistinnen zum Thema „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ mehr als 100 Frauen mit Beispielen und Fakten erläutert, warum das so ist. „Es ist wichtig, dass Frauen jetzt und auch im Alter finanziell unabhängig bleiben“, erklärte Sick. Am Herzen lag ihr, dass Frauen die „rosa Brille“ absetzen und einen konkreten Lebens- und Finanzplan machen und daran festhalten. Helma Sick plädierte für die Abschaffung des Ehegattensplittings, bei dem Paare von der großen Differenz zweier Einkommen steuertechnisch profitieren. „In der Regel ziehen Frauen dabei längerfristig gesehen den Kürzeren“, denn der Steuervorteil des Ehegattensplittings werde meist für den laufenden Konsum verwendet, aber nicht für die Vorsorge der Frauen.

Nach der Werbung weiterlesen

Immer wieder ging Sicks Blick nach Schweden: Dort wurde das Ehegattensplitting 1972 abgeschafft. „Mein Kind ist mein Beruf – das ist überholt“, sagte Sick, „das Modell des Ernährers hat ausgedient.“ Arbeit bedeute für jeden und für jede Teilhabe am sozialen Leben und sichere lebenslange Unabhängigkeit. Viele Frauen arbeiteten immer noch Teilzeit, auch wenn die Kinder schon groß seien; manche Frauen reduzierten ihre Stundenzahl schon, wenn sie nur mit Partner zusammenziehen. „Dabei bedeutet Teilzeitjob auch Teilzeitrente.“ Ihr Tipp: „Immer erst zur deutschen Rentenversicherung gehen und gucken, was ein paar Stunden weniger mit der Rente machen!“

Eine Scheidung könne zur Armut führen, wenn die Frau während der Ehe nicht erwerbstätig war. „Im Durchschnitt hält eine deutsche Ehe 15 Jahre. Jede zweite Ehe, in Städten jede dritte Ehe, wird geschieden. Unterhalt wird nach neuem Recht nur bei langen Ehen und erheblichen beruflichen Nachteilen der Frau, verursacht durch die Ehe, gezahlt. Das wissen viele Frauen nicht!“ Heute gelte: „Alle Erwachsenen sind für ihren Lebensunterhalt selbst verantwortlich! Das bedeutet, dass Frauen im Ernstfall für alle eingegangenen Verpflichtungen, Versicherungen, vielleicht sogar für die Unterstützung ihrer Kinder selbst aufkommen müssen.“ Das sei nicht leicht, wenn sie aus dem Beruf draußen sind und in kurzer Zeit eine besser bezahlte oder eine Vollzeitstelle finden müssen. Deshalb rät Sick zu Verträgen, die alles genau regeln und ruft die Frauen auf: „Seid lieber erst unromantisch – vielleicht nicht grad beim ersten Date – als später arm!“

Außerdem: „Es ist volkswirtschaftlicher Unsinn, wenn in Wissen investiertes Kapital, 60 000 bis 200 000 Euro pro Studium, der Gesellschaft nicht zurückgegeben werden.“ Das solle nicht heißen, die Kinder ausschließlich von fremden Personen erziehen zu lassen. „Aber es ist wichtig, dass Frauen ihren Lebensplan und die Rente im Auge behalten.“ Im Vergleich: Die Renten der Frauen in den östlichen Bundesländern betragen 1028 Euro, weil diese in der Regel wesentlich länger erwerbstätig sind. In den westlichen Bundesländern liegt der Schnitt bei 694 Euro. Bei Männern sind es in den östlichen Bundesländern 1268 Euro, in den westlichen 1167 Euro. „Das von Manuela Schwesig ins Spiel gebrachte Modell der Familienzeit finde ich großartig“, warb Sick. Dabei arbeiten Mann und Frau „in der Rushhour des Lebens“, wie eine Teilnehmerin sagte, jeweils 28 Stunden in der Woche und haben beide Zeit, sich um die Kindererziehung zu kümmern. Ein Vater darf Vater sein, eine Mutter kann weiter ihrem Beruf nachgehen. Arbeitgeber müssten kreativer werden, was Arbeitszeitmodelle angeht, darin waren sich auch die Teilnehmerinnen in der Diskussion einig. Und häufig entstehe der Anschein, Pflege gehöre in weibliche Hände. Pflegeberufe seien unterbezahlt, oft nur die Leitungsposten mit Männern besetzt. Mehr Männer täten sowohl der Pflege als auch dem Image des Berufes gut. „Was kann frau tun?“ war die Frage am Ende. „Engagement und nicht nur Jammern ist gefragt“, so Helma Sick. Es bedürfe eines Umdenkens.

Die Präsidentin der Hofer Soroptimistinnen, Katja Straubinger-Wolf, zeigte sich zufrieden mit der Veranstaltung, die Anne-Christine Habbel, Claudia Plaum und Andrea Romeike vorbereitet hatte. Sogar aus Kiew (Ukraine) gab es eine Zuschaltung. Ansonsten kamen die Teilnehmerinnen etwa aus Erfurt, Weimar, Pirna, Coburg, Bamberg, Selb, Hof. Helma Sick ist Gründerin von „frau geld“, einer Finanzberatungsagentur für Frauen.

Workshop

Den Online-Workshop „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ mit Renate Fritz, Geschäftspartnerin von Helma Sick, gibt es am 8. April, ab 17.30 Uhr, eine Anmeldung ist noch möglich per E-Mail an: SI-Club-Hof-Programm@gmx.de.

red/Foto: Quirin Leppert