Am Freitag geht’s los Neustart beim Wunsiedler Volksfest

Sie haben viele Ideen entwickelt, um das Wunsiedler Volks- und Wiesenfest wieder attraktiver zu gestalten. Unser Bild zeigt die Projektgruppe mit (vorne, von links) Tanja Wittke, Carolin Kammerer, Melanie Wehner-Engel, Karin Hille und Inge Schuster sowie (hinten von links) Rudolf Hopf von der Lang-Bräu, die Festwirte Daniel Feuerer und Heiko Perz, Martin Krasser von der Metzgerei Ruckdeschel und Bürgermeister Nicolas Lahovnik. Foto: /Matthias Vieweger

Die Krise bei der Traditionsveranstaltung soll ein Ende haben. Eine neue Projektgruppe mit viel Frauen-Power bringt frische Ideen ein. Dazu gehört unter anderem am Samstag ein Tag der Jugend mit großer Party.

Der Blick ist voller Vorfreude nur nach vorne gerichtet. Über die Vergangenheit will am liebsten niemand mehr reden. In den Jahren vor Corona ist das Wunsiedler Volks- und Wiesenfest in eine permanente Abwärtsspirale geraten. Das Event ist nicht nur von der Bevölkerung schlecht geredet worden, das Fest wurde in der Tat laufend mieser. Unvergessen sind Fotos, als Partybands von irgendwoher am Freitag gegen 22 Uhr in einem menschenleeren Bierzelt versuchten, Stimmung zu machen. Ein trauriges Bild.

Nicolas Lahovnik war beim letzten Volksfest noch nicht Bürgermeister, aber er kennt diese Szenarien, schließlich war er als Kandidat auf dem Burgermühlweiher präsent. In diesem Juli hofft er auf die große Trendwende. „Es wird ein grandioses Fest. Wir freuen uns drauf“, sagt der Rathauschef. Woher nimmt er diese Zuversicht? Warum soll nun die Wunsiedler Volksfest-Misere beendet werden? Hier einige Fakten und Veränderungen beim Volks- und Wiesenfest, das vom 1. bis zum 4. Juli stattfindet.

Einen Tag kürzer

Das ist die größte Veränderung in diesem Jahr: Das Fest wird um einen Tag gekürzt. Das heißt: Der Dienstag ist gestrichen. Das Volksfest endet bereits am Montag mit einem Feuerwerk. Dass das Programm gestrafft wurde, ist eines der Hauptergebnisse der Arbeit einer Projektgruppe, die Bürgermeister Lahovnik eingesetzt hat. Und in dieser Gruppe steckt ungemein viel Frauen-Power. Generationen-Bürgermeisterin Carolin Kammerer wirkt da genauso mit, wie Geschäftsfrau Tanja Wittke sowie vom Rathaus Melanie Wehner-Engel, Karin Hille und Inge Schuster. Diese Damen-Mannschaft hat vom Bürgermeister das Prädikat „Dream-Team“ erhalten. Und diese „Task-Force“ hat in den vergangenen Wochen oft die Köpfe zusammengesteckt. Sie haben das Gespräch mit Vereinen, Firmen, Schulen, den Brauereien Hönicka und Lang ebenso gesucht wie die Meinungen mit den Festwirten Heiko Perz und Daniel Feuerer ausgetauscht. Dabei war auf allen Seiten der unbedingte Wille zu spüren, das Volksfest besser zu machen.

Party für die Jugend

Von Freitag bis Montag gibt es Motto-Tage: Um die Bevölkerung gezielter anzusprechen und mehr Besucher auf den Festplatz zu locken, hat die Projektgruppe konsequent Motto-Tage eingeführt. Sie beginnen am Freitag mit dem Tag der Vereine. Diese werden sich um 17.30 Uhr am Marktplatz treffen und von dort zum Festplatz marschieren. Von 18.30 Uhr an wird die Stadtkapelle der Stadt Wunsiedel im Zelt aufspielen, bevor Bürgermeister Lahovnik zum allerersten Mal in seiner Amtszeit ein Fass Bier anzapfen wird. Nach einer Einlage der Wunsiedler Tanzsportgarde ist ab 19.30 Uhr Party angesagt. Zum Tag der Jugend wird zum ersten Mal der Samstag ausgerufen. Los geht es im Zelt um 19 Uhr. Gegen 21 Uhr fällt der Startschuss für eine großer 90er-Party. Bereits um 14.30 Uhr gibt es am Burgermühlweiher ein Treffen der Böllerschützen. Der Sonntag steht ganz im Zeichen der Familien. Bis 23 Uhr bieten die Fahrgeschäfte ermäßigte Preise an. Der Montag ist traditionell der Tag der Kinder und Schulen. Um 13 Uhr wird sich ein großer Festzug mit rund 1000 Mädchen und Jungen durch die Stadt schlängeln.

Spitzenbands im Zelt

Dieses Bands spielen im Bierzelt: Die Festwirte Heiko Perz und Daniel Feuerer betonen, dass es ihnen in diesem Jahr gelungen ist, das Musikprogramm noch einmal attraktiver zu gestalten. Auf die Frage der Frankenpost, warum auch dieses Mal keine Band aus der Region dabei ist, antwortete Feuerer, dass es in der Umgebung mittlerweile ganz wenige geeignete Musikgruppen gebe, und diese seien mitunter dann über Jahre ausgebucht. Feuerer ist überzeugt, dass sich die vier Abendbands wirklich sehen und hören lassen können. Den Auftakt machen am Freitag die „Members“, die auf dem dem Cannstatter Wasen in Stuttgart Stammgäste sind, auch in Wunsiedel standen die Musiker bereits mehrmals auf der Bühne. Ihr Debüt in der Festspielstadt geben die anderen drei Combos: Am Samstag sind das die „Gaudifranken“, am Sonntag die Gruppe „Sunnseitn“ aus Österreich und am Montag die „Wolfsegger Partyband“. Altbekannte sind dagegen die Fichtelgebirgsmusikanten, die am Montagnachmittag aufspielen.

Leckereien vom „Rux“

Das ist im Festzelt ebenfalls neu: Zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren wird die Metzgerei Ruckdeschel beim Volksfest vertreten sein, wie Firmenchef Martin Krasser erklärt. So werden am Freitagabend und Sonntag Leckereien vom „Rux“ serviert. Zum Mittagstisch stehe nicht nur Schweinebraten auf der Karte, so Krasser. Im Zelt wartet zudem eine Bar auf die Partygänger. Hier werden Cocktails und Weißwein-Schorlen angeboten.

Gutschein für Jugendliche

Engere Zusammenarbeit mit den Vereinen: Der Ehrenabend der Vereine habe in diesem Jahr einen Fingerzeig gegeben, dass sie sich nach der schweren Corona-Zeit wieder gerne mit ihrer Kinder- und Jugendarbeit in der Öffentlichkeit präsentieren. „Es ist doch schön, dass sie zeigen, dass sie noch da sind. Und da hat Wunsiedel nach wie vor viel zu bieten“, sagt Tanja Wittke. Und für Kinder und Jugendliche lohnt es sogar, beim Einzug der Vereine mitzulaufen. Sie bekommen einen Verzehrgutschein in Höhe von drei Euro und ein Getränk von der Lang-Bräu.

Maß unter zehn Euro

Was die Maß Bier in diesem Jahr kostet: Vom Münchner Oktoberfest bis zum Selber Wiesenfest, von der Erlanger Bergkirchweih bis zum Wunsiedler Volksfest – überall interessiert die Festbesucher siedend heiß, was sie dieses Mal für einen Liter Gerstensaft hinblättern müssen. In Wunsiedel gibt es darauf wenige Tage vor Beginn des Festes keine Antwort. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen, erklären Daniel Feuerer und Rudolf Hopf von der Lang-Bräu. „Auf jeden Fall unter zehn Euro. Es könnte auf 9.30 Euro hinauslaufen“, lässt sich Festwirt Feuerer herauskitzeln. Nicolas Lahovnik und Carolin Kammerer sind überzeugt, dass sich die Veränderungen und Neuerungen sehr positiv auf die Festtage auswirken werden. Zudem habe das „Brunnenfest der Rekorde“ gezeigt, dass die Menschen nach dem Lockdown und Einschränkungen „feierlustig“ (Lahovnik) sind. Das Volksfest 2022 ist für die Verantwortlichen aber nur ein Etappenziel. Die Traditionsveranstaltung soll kontinuierlich verbessert werden, bis 2024 ein Höhepunkt erreicht wird. Schließlich fallen dann das Volks- und Wiesenfest und der Tag in Franken auf ein Juli-Wochenende. In Wunsiedel schaut man zurzeit einfach immer zuversichtlich nach vorne.

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