Am Samstag in Selb Köhler fahren ihre Ernte ein

Gisela König

Beim Meilerfest am Samstag auf der Häuselloh freuen sich Besucher und Aktive über Kaiserwetter und viel Kohle. Den musikalischen Rahmen bereiten der Spielmannszug und die Egertaler.

Kaiserwetter hat die Meilerwoche 2022 auf der Häuselloh bei Selb geprägt. Sieben Tage lang drängten sich die Besucher um den Bierausschank, die Fledermaushütte, wo täglich wechselnde Schmankerl gereicht wurden, um den Grill und den Steinbackofen. Im Mittelpunkt natürlich stand der Meiler, den die schwarzen Gesellinnen und Gesellen des Vereins ENKL (Europäische Natur- und Kulturlandschaft Häuselloh) errichtet hatten und sieben Tage lang am Schwelen hielten. Die Ernte zum abschließenden Meilerfest am Samstag konnte sich dann auch sehen lassen: Holzkohle mit 1a-Qualität, die dem ENKL Kohle in die Kasse spülen wird. War am Fronleichnamstag der Andrang den ganzen Tag über riesig, so hat die Hitze zum großen Meilerfest mit Meilerausstoß wohl den einen oder anderen Besucher abgehalten. Das tat allerdings der guten Stimmung, die eine Woche lange das Treiben auf der Häuselloh beherrschte, keinen Abbruch.

Der Selber Spielmanns- und Fanfarenzug marschierte in voller Stärke Richtung Meilerplatz, und die Angehörigen der schwarzen Zunft bildeten mit Kind und Kegel ein eindrucksvolles Spalier. Nach dem Ständchen des Spielmannszuges bewegten sich Köhler und Besucher Richtung Meiler, wo Hermann Summa, der Vorsitzende des ENKL-Vereins, die Gäste begrüßte und der jungen Köhlertruppe großes Lob für die geleistete Arbeit in den sieben Tagen zollte. Summas Wunsch, dass der Meilerinhalt, also die Holzkohle, von guter Qualität sein möge, erfüllte sich. Dies war bereits vom ersten Augenblick an klar, als die Köhlertruppe dem Meiler mit Rechen, Schaufeln und Harken zu Leibe rückte.

Faszinierender Einsatz

Sehr beeindruckt zeigte sich auch der neue stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Selb, Jan-Otto Hake, dem die Schirmherrschaft übertragen worden war. „Als ich von dem Meilertreiben erfuhr, dachte ich an drei bis vier Biertische und einen Bratwurstgrill,“ sagte Hake, der fasziniert war von dem Engagement auf der Häuselloh und der fundierten Arbeit der junge Köhlertruppe rund um Hermann Summa und Matthias Tietze.

„Was können wir Förster beitragen, damit es dem Köhlerverein weiterhin gut geht?, fragte Hake und gab gleich selbst die Antwort: „Bäume abschneiden und das Holz für den Meiler 2023 zur Verfügung stellen,“ sagte er und fügte an, dass der Verein auch die notwendigen Kiefernstöcke für die Teerproduktion bekommen wird. Hake griff nach seinen Worten spontan zur Schubkarre und unterstützte die Köhler bei ihrer schweißtreibenden Arbeit, die Alt und Jung sichtlich Spaß bereitet. Der Vertreter der Staatsforsten rief alle Beteiligten dazu auf, in diesem Sinne weiterzumachen.

Startsignal

Köhlerliesel Simone Meier verzichtete aufgrund der Hitze, die vom Meiler sowie von der Sonne ausging, auf viele Worte und rief ihren schwarzen Zunftbrüdern und -schwestern zu: „Ihr dürft jetzt!“

Schnell war der Meiler geöffnet, und erstklassige Holzkohle wurde geerntet. Summa verhehlte nicht, dass den Köhlern das gute Wetter in die Karten gespielt hatte. Lediglich wechselnde Winde hätten die Arbeit erschwert. Der Vorsitzende lobte das Tun der rund 25 Köpfe zählenden und relativ jungen Köhlertruppe. „Der ENKL ist stolz drauf, so viele junge aktive Leute in seinen Reihen zu haben.“

Während der zweijährigen Corona-Pause hatten die Köhler jeweils einen nichtöffentlichen Meiler betrieben, um durch den Verkauf der Holzkohle die laufenden Kosten zu decken. Umso größer ist die Freude, dass die Meilerwoche 2022 erfolgreich war.

Immaterielles Kulturerbe

Ein Schmied und Hermann Summa an seinem „Theerofen“ zeigten alte Handwerkszunft, die auf der Häuselloh hochgehalten wird. Nicht umsonst sind Köhlerei und „Theerbrennerey“ des ENKL-Vereins seit 2014 immaterielles Kulturerbe. „Wir sind stolz auf diese Anerkennung“, machten Summa und Tietze deutlich, da auf diese Weise der großen Bedeutung der alten Handwerksberufe in der technischen und kulturellen Entwicklung der Menschheit Rechnung getragen wird.

Nach dem Spielmannszug unterhielt am Nachmittag die Egertaler Blaskapelle in bewährter Weise die Besucher auf dem Meilerplatz.

 

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