Misstrauensvotum gegen Infantino?
Und ganz oben thront noch Infantino, gegen den auch FIFA-intern der Widerstand wächst. Ist die kritische Masse schon erreicht, die ihn gefährden könnte? Die "Times" schrieb davon, dass sich der Spitzenfunktionär einer außerordentlichen Sitzung des FIFA-Rats stellen könnte, auf der er zum Rücktritt aufgefordert werden solle. Als weitere Möglichkeit wurde genannt, dass mindestens 43 der 211 FIFA-Mitgliedsverbände einen außerordentlichen Kongress einberufen und dort ein Misstrauensvotum stellen.
Und dann? Müsste ein Nachfolger bereit stehen. UEFA-Boss Ceferin wäre ein logischer Herausforderer. Der slowenische Rechtsanwalt hat aber schon eine erneute Kandidatur 2027 für den europäischen Dachverband ausgeschlossen. Nach einer gewissen Zeit brauche jede Organisation "frisches Blut", sagte er. Diese Erkenntnis ist aber mittlerweile schon mehr als zwei Jahre alt. Und ob sie auch für ihn und die FIFA gilt, ist eine andere Frage.
Infantino kennt den Verbandskoloss in- und auswendig
Dem Vorsitzenden des für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständigen Kontinentalverbands Concacaf, Victor Montagliani, werden höchste Ambitionen nachgesagt. Der Kanadier watschte Infantino schon mal ab. "Diese jüngste einseitige und ungeheuerliche Handlung, die von schlechter Regierungsführung und Führungsschwäche zeugt, reiht sich ein in eine Reihe von Fehltritten und ähnlichem Verhalten", polterte Montagliani.
Man darf aber nicht vergessen, dass Infantino die Verbandsapparate bestens kennt. Die Organisation von Stimmen, von Rückhalt beherrscht er. Infantino war schließlich lange Generalsekretär bei der UEFA, ehe er im Zuge eines Korruptionsskandals zum Nachfolger Blatters als FIFA-Boss gewählt wurde. Dem "Guardian" zufolge hat Infantino als Soforthilfemaßnahme eine Beratungsfirma engagiert, um die Beziehungen zu den Nationalverbänden zu glätten. Offiziell bestätigt ist dieser Schachzug nicht.
Isoliert ist Infantino trotz der immer schärferen Kritik noch nicht. Der Rechtswissenschaftler, der sich eigentlich im März nächsten Jahres in Rabat (Marokko) auf dem 77. FIFA-Kongress ein letztes Mal für vier Jahre zum Präsidenten wählen lassen will, bekommt noch Zuspruch. Ägypten, Marokko, Libanon und Katar bekräftigten jüngst ihre Unterstützung. Ob das reicht?