Zuhör-Tour Baerbock zu Besuch bei Rehauer Feuerwehr

Das Auswärtige Amt erarbeitet gegenwärtig zum ersten Mal eine umfassende Sicherheitsstrategie: gemeinsam mit den Bürgern – und auch in Rehau und in Hof.

Das war dann doch ein wenig überraschend für den 13-jährigen Fritz Söllner: Als Außenministerin Annalena Baerbock am Donnerstag die Freiwillige Feuerwehr in Rehau besuchte, richtete sie die ersten Fragen ausgerechnet an ihn, den 13-jährigen Jungfeuerwehrmann: Warum er denn zur Feuerwehr gegangen sei und was ihm hier ganz besonders gefalle. Es folgten eine ganze Reihe von Fragen nach Ausrüstung und Einsätzen, die Baerbock stellte. Dass eine Außenministerin ausgerechnet bei der Rehauer Feuerwehr vorbeischaut, ist indessen mehr als nur eine Station auf einer jener Tourneen, die Politiker im Sommer gern unternehmen.

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Das Auswärtige Amt erarbeitet gegenwärtig zum ersten Mal eine umfassende Sicherheitsstrategie – gemeinsam mit den Bürgern. In einer ganzen Reihe von Gesprächen sollen Bürger befragt werden. Sie sollen den Politikern sagen, was sie für wichtig halten, um die Sicherheit der Freiheit und Demokratie sowie die Sicherheit der Lebensgrundlagen, der Umwelt und Ressourcen zu erhalten. Eines dieser Gespräche, die nicht vor der Presse geführt werden, fand am Abend in der Hofer Freiheitshalle statt. Baerbock begrüßte auch dort die Teilnehmer.

Die Frage an Fritz Söllner war in Rehau nur der Auftakt einer ganzen Reihe von Gesprächen mit den Aktiven der Feuerwehr. In aller Ausführlichkeit ließ sich die Ministerin Ausrüstung und Einsatzbedingungen darlegen. Für die Presse gab es nur ein kurzes Statement. Sie wisse, so Annalena Baerbock, dass Deutschland ein Land sei, das ohne seine 29 Millionen Ehrenamtlichen nicht gut leben könne. Allein bei den Freiwilligen Feuerwehren seien eine Million Aktive engagiert. Zusammen mit den Helfern der Rettungs- und Hilfsdienste seien sie das Rückgrat der öffentlichen Sicherheit. Schließlich brauche es nicht einen Krieg oder eine Katastrophe, damit Bürger ein Bedürfnis nach Sicherheit verspürten. Baerbock: „Ein Unfall reicht da schon aus.“ Im neuen Nationalen Sicherheitskonzept werde es auch darum gehen, wie die Einsatzkraft all dieser Ehrenamtlichen möglichst sinnvoll mit jener der hauptamtlichen Sicherheitskräfte verbunden werden kann.

Dennoch war die Außenministerin sichtlich überrascht, als ihr der Rehauer Kommandant Thomas Schaller darlegte, dass die 75 Aktiven der Wehr in diesem Jahr schon zu 120 Einsätzen ausgerückt sind. Die Ernstfälle reichten vom Unfall auf der Autobahn bis zum Waldbrand. Dass Bürgermeister Michael Abraham und Landrat Oliver Bär die Ministerin nun ausgerechnet in Rehau begrüßten, war natürlich kein Zufall. Die Wehr besitzt mit dem erst im Dezember 2020 bezogenen Gerätehaus eines der modernsten der ganzen Region. Unter den zehn Einsatzfahrzeugen ist auch eine große Drehleiter, mit der man einmal ausprobieren konnte, wie schwindelfrei eine Außenministerin ist, die vor allem nach dem russischen Überfall auf die Ukraine selbst eine Art Feuerwehrfrau für internationale Krisenherde geworden ist.

Rehau und Hof sind Stationen einer mehrtägigen Deutschlandreise Baerbocks. „Wir wissen, dass Sicherheit immer auch etwas ganz Persönliches bedeutet“, sagte sie zum Auftakt in Rostock. Ihre Reise solle daher eine „Zuhör-Tour“ werden. Ihr sei wichtig, die Sorgen und Ängste gerade der jüngeren Generation in die neue Strategie aufzunehmen. Es ist das erste Mal, dass eine Bundesregierung eine umfassende nationale Sicherheitsstrategie erstellt.

Zum Zuhören gehörte in Rehau auch, dass sich Baerbock ausführlich die Anliegen und Probleme der Feuerwehrleute schildern ließ, zum Beispiel das Problem der immer häufigeren Freistellungen durch die Arbeitgeber bei immer mehr Einsätzen. Selbstständige könne so etwas an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit bringen. Welche Funktion Freiwillige Feuerwehren für die Gesellschaft noch haben, sei ihr als Kind vom Dorf durchaus bewusst, sagte Baerbock. Die Anregung des Hofer Landrats, sich mit einem Fass Bier für die Fahrt mit der Drehleiter zu bedanken, werde sie umsetzen, versprach die Ministerin – aus persönlichen Mitteln, nicht aus denen des Nationalen Sicherheitsplans.