Magdeburg - "Es ist nicht mehr das, was es einmal war. Der Abend hat einen verändert. Diese Leichtigkeit, diese Unbeschwertheit ist weg. Es ist weg. Er hat es mir genommen." Die zierliche 41-jährige Frau sitzt inmitten des riesigen Verhandlungssaals, neben sich ihren Anwalt und eine Zeugenbetreuerin. Sie meidet den Blick auf den Todesfahrer, der rechts von ihr in einer Glaskabine sitzt und zuhören muss. Die Bürokauffrau ist eine der ersten Betroffenen, die im Prozess um die Todesfahrt auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt aussagen. Sie tut das freiwillig.Als die Frau das Wort bekommt, kommen ihr erstmal die Tränen. Es ist still im riesigen Verhandlungssaal. Dann sprudelt es aus der Zeugin heraus. Der Feierabend war sehr schön, sagt sie. Erst wollten sie und ihr Mann gar nicht hingehen auf den Weihnachtsmarkt, dann freuten sie sich doch auf Grünkohl und Entenleber. Die Stimmung sei ausgelassen gewesen, entspannt, keine Hektik, kein Stress. Von Bude zu Bude wollten sie gehen. Dann setzt ihre Erinnerung aus. "Ich habe nichts gehört, nichts gesehen." Umgeben von fremden Menschen sei sie wieder aufgewacht. Alles habe anders ausgesehen. "Ich habe nicht verstanden, was passiert ist."