Ermittlungen haben eine Vorgeschichte
Selenskyjs Behörde stand bereits in der Vergangenheit im Visier der Anti-Korruptionsbehörden. Danach hatte er im Frühjahr den Leiter des Präsidentenamtes, Andrij Jermak, entlassen. Dieser wies die Anschuldigungen kategorisch zurück, er kam im Mai zunächst in Untersuchungshaft und dann gegen Kaution auf freien Fuß.
Der Fall des nach Selenskyj einst zweitmächtigsten Mannes in Kiew erschütterte die Ukraine schwer. Selenskyj will das Land in die EU führen und hat nach einer Vielzahl von Finanzskandalen den westlichen Geldgebern einen kategorischen Kampf gegen die Korruption sowie Reformen zugesichert.
Nach Auffassung des NABU und der SAP soll Jermak gemeinsam mit Geschäftsleuten, darunter dem früheren Selenskyj-Vertrauten Tymur Minditsch und Ex-Vizeregierungschef Olexij Tschernyschow, umgerechnet rund neun Millionen Euro gewaschen haben. Das alles ist Teil eines größeren Verfahrens. Es gab schon im vorigen Jahr mehrere Festnahmen. Energieministerin Switlana Hryntschuk und Justizminister Haluschtschenko wurden entlassen. Der Hauptverdächtige Minditsch, ein früherer Geschäftspartner von Präsident Selenskyj, konnte aus dem Land fliehen. Er ist zur Fahndung ausgeschrieben.
Im Juli vorigen Jahres hatte Selenskyj noch versucht, NABU und SAP unter seine Kontrolle zu bringen. Damals gab es Vorwürfe, er habe mit einer eilig verabschiedeten Gesetzesänderung die sich anbahnenden Verfahren abwenden wollen. Nach Straßenprotesten und einer Intervention der EU musste Selenskyj den vorherigen Zustand wiederherstellen.