Arbeitsmarkt Fichtelgebirge DGB warnt vor hohem Niedriglohn-Risiko

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Die Gewerkschaft prangert Armutslöhne im Kreis Wunsiedel an. Sie will die Kommunen bei der Auftragsvergabe stärker in die Pflicht nehmen.

Landkreis Wunsiedel - Der DGB Oberfranken schlägt Alarm: Mit 21 Prozent sei das Niedriglohnrisiko im Landkreis Wunsiedel eines der höchsten im Freistaat. Die Daten stammen aus dem neuen Report „Tatort Niedriglohn in Bayern“, den der DGB Bayern in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat.

Mathias Eckardt, DGB-Regionsgeschäftsführer in Oberfranken, stellt in einer Mitteilung klar: „Niedriglöhne sind kein Randphänomen mehr. Sie sind auch im reichen Bayern Alltag für rund eine Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.“ Die Gewerkschaften wollten sich nicht mit diesem Zustand arrangieren. Eckardt: „Wir möchten es nicht hinnehmen, dass große Teile unserer Kolleginnen und Kollegen vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt sind und mit Armutslöhnen abgespeist werden.“

Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit sind alleine im Landkreis Wunsiedel mehr als 4 100 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Besonders hoch ist das Niedriglohnrisiko mit 36,5 Prozent für Beschäftigte im Wirtschaftszweig kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb und Tourismus. Aber auch in den Wirtschaftszweigen Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (28,6 %) sowie Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (24,8 %) erhielten viele Beschäftigte einen Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro pro Stunde.

Niedriglohnsektor austrocknen

„4 100 Niedriglöhner in Vollzeit sind aber leider nur die Spitze des Eisbergs in Wunsiedel. Hinzu kommen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs. Alleine bei den Minijobs in Bayern sind sieben von zehn dem Niedriglohn zuzurechnen“, erklärt der DGB-Regionsgeschäftsführer Eckardt weiter.

Für den DGB ist klar: Es sei dringend geboten, den im europäischen Vergleich hohen Niedriglohnsektor endlich auszutrocknen. Auch die kommunale Ebene sollte ihrer Verantwortung gerecht werden. Öffentliche Aufträge müssten daher an die Tarifbindung und damit an ordentliche Löhne gekoppelt werden.

Eckardt hierzu: „Wir sehen ganz klar den Zusammenhang zwischen Tarifbindung und guten Löhnen. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1 Prozent lag, galt dies für nur 8,1 Prozent der Beschäftigten mit Tarifbindung.“ Es müsse im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben könnten und im Alter gut versorgt seien, erklärt der Gewerkschafter. Auch im Landkreis Wunsiedel brauche man daher zunächst eine Auftragsvergabe ohne Lohndumping.

Darüber hinaus müssten atypische Erwerbsformen wieder in Normalarbeit transformiert und die Tarifflucht der Arbeitgeber gestoppt werden. „Der Report ‚Tatort Niedriglohn in Bayern‘ verdeutlicht: Hier ist ein Tatort entstanden, der den betroffenen Menschen Perspektiven auf ein gutes Leben raubt. Ein Tatort, der durch niedrige Löhne, die kaum zum Leben und erst recht nicht für das Alter reichen, die Luft zum Atmen nimmt. Hier ist ein Tatort, der zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt“, sagt Eckardt. Dies gelte es umzukehren, denn es brauche wieder ein Mehr an guter Arbeit. red

 
 

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