Arbeitsminister zu Besuch Eine kostbare Backzutat: Zeit

Der Teig für die Baguettes durfte in Ruhe reifen und kommt jetzt in den Ofen. Im Bild (von links) Andreas Fickenscher, Dietmar Brandes, Leiter der Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks, Arbeitsminister Minister Hubertus Heil und Florian Fickenscher. Foto: /Keltsch

Bei Fickenscher trifft traditionelles Handwerk auf Digitalisierung. Hubertus Heil ist beeindruckt.

Münchberg - Auf „Sommerreise“ befindet sich zurzeit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) – es sei eine Informationstour, kein Wahlkampf, betonen seine Mitarbeiter –, und am Freitag machte der schwarze Bus aus Berlin Station im Münchberger Gewerbegebiet an der A 9 beim Backhaus Fickenscher. Hier erhielten der Minister und sein gut 20-köpfiger Tross aus Mitarbeitern und Journalisten quasi eine Lehrstunde, wie sich auch heute noch althergebrachtes Backhandwerk höchst erfolgreich betreiben lässt. Immer wieder mit einem anerkennenden Lächeln im Gesicht lauschte Heil den Brüdern Andreas und Florian Fickenscher, die das Erfolgsrezept ihres Unternehmens erklärten: eine ausgeklügelte Mischung aus Tradition und modernster digitalisierter Technik.

Staunend vernahm der Minister, dass im Backhaus Fickenscher – bei insgesamt 100 Mitarbeitern – alle 15 Ausbildungsplätze besetzt sind, ja, dass die Nachfrage der jungen Leute sogar das Ausbildungsangebot übersteigt. Das war nicht immer so. Auch die Fickenschers hatten vor Jahren große Probleme mit dem Fachkräftemangel, sie mussten sich etwas einfallen lassen. Die Kernfrage lautete: Wie lassen sich Produktion und Produkte attraktiver machen, für Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen? „Wir überlegten und entdeckten eine kostbare Zutat: Zeit“, schildert Andreas Fickenscher.

Zeit wie in früheren Jahrhunderten (die Bäckerei Fickenscher entstand 1625) bekommt beispielsweise der Brötchenteig, wenn er sich in programmierbaren Reifekammern in aller Ruhe entwickeln darf, unter Zutat von natürlicher, nicht-industrieller Hefe . Mehr Zeit erhalten auch die Mitarbeiter, und das wirkt motivierend. So können sie sich mit ihrer ganzen beruflichen Leidenschaft dem Backhandwerk widmen, erzählt Andreas Fickenscher. „Zeitersparnis nimmt Ballast von den Schultern.“

Beispielsweise läuft die betriebsinterne Kommunikation nicht mehr über Zettelchen, sondern weitgehend über Apps. Es gibt digitale Checklisten; auf diesem Wege erfahren die Chefs rasch, wenn es irgendwo hakt.

Die nächtlichen Backvorgänge sind zum großen Teil digital gesteuert – woraus sich ein entscheidender Vorteil für die Mitarbeiter ergibt, der gerade für junge Leute verlockend ist: keine Nachtarbeit.

Das Backhaus beteiligt sich aktuell an drei Forschungsprojekten: zum Kaufverhalten von Kunden, zu allergenfreien Backwaren und zu textilen Backblechen. Digitalisierung hilft auch beim Vertrieb der erfolgreichen Marke Logolini; das sind „genussvolle Werbepräsente“, beispielsweise mit Firmenlogos bedruckte Pralinen. Mehr als 100 Produkte dieser Marke bietet Fickenscher mittlerweile in vielen Ländern Europas an.

Sichtlich beeindruckt war Minister Heil: „Mein großes Kompliment!“ Es sei faszinierend, sagte er später im Gespräch mit der Frankenpost, wie sich das Familienunternehmen durch die Verbindung von traditionellem Backen und digitaler Strategie auf Erfolgskurs gebracht habe. Heil: „Das ist vorbildlich.“

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