Artenschutz Einfach mal faul sein

Pressetermin im Grünen in Gesellschaft von Insekten und Blumen: Stadtbauamtsleiter Stefan Büttner hat sich mit den Stadtgärtnern Manuel Küsperth und Dominic Hahn inmitten der Wildblumenwiese am roten Hochhaus niedergelassen (von links). Foto: /Michael Meier

Die Stadt Marktredwitz lässt an manchen Flecken der Natur freien Lauf. Das sollten auch die Menschen in ihren Gärten, um den Artenschutz auf lange Sicht zu unterstützen.

Marktredwitz - Wer mit wachen Augen in der Großen Kreisstadt unterwegs ist, dem fällt auf, dass es immer mehr bewachsene Ecken gibt, welche einfach anders aussehen als gewohnt. Quasi wilder, natürlicher und gewollt „unordentlicher“. Frei nach dem Motto: „Englischer Rasen ist out – Blumenwiese ist in“. Das alles ist dem nachweislichen Artenschwund und Rückgang der Insekten, insbesondere der Wildbienen, geschuldet. Landauf, landab besteht vonseiten der Kommunen und Fachbehörden daher zunehmend der Wunsch, Projekte und Vorhaben zur Etablierung von Blühflächen und somit zur Förderung der Insektenvielfalt zu unterstützen.

In Ruhe lassen

„Wir lassen immer mehr Grünflächen einfach in Ruhe und mähen nur noch einmal im Jahr. Die Natur holt sich dann einfach diese Fläche zurück, und es wächst dann das, was einfach hingehört“, erklärt Manuel Küsperth, seines Zeichens Leiter des Gärtnertrupps der Stadt Marktredwitz. Und das sogenannte Mulchen, quasi das klein- oder großflächige Bedecken des Bodens mit nicht verrotteten organischen Materialien, sei nahezu eingestellt worden, sagt Küsperth.

Zum Vergleich: Liegewiesen, Grill- und Sportflächen sowie Flächen für Veranstaltungen müssen vier- bis sechsmal jährlich gemäht werden, Bolzplätze sogar acht- bis zehnmal. Manuel Küsperth ist hier mit seinem Team ständig auf der Suche, neue Blühflächen aus ehemaligen Rasenstellen zu gewinnen. „Derzeit haben wir einen Katalog mit rund 30 Flächen im Stadtgebiet, die Tendenz ist dabei steigend“. Unter anderem erhielt der neue Friedhofsengel eine Blühfläche als Nachbarschaft, beim roten Hochhaus an der Wölsauer Straße kann bereits eine prächtige Vielfalt an Gräsern und Blumen bewundert werden, ebenso ist beim Durchlass an der Bayreuther Straße eine große Fläche mit Wildblumen neu entstanden.

Anrufe im Bauhof

Schmunzelnd erzählt Stadtgärtner Dominic Hahn, dass jetzt auch des Öfteren Anrufe im Bauhof eingehen, in denen die Gärtner von Bürgern zum Mähen und „Ordnungmachen“ aufgerufen würden.

Bauamtschef Stefan Büttner ergänzt, dass im Gegenzug natürlich auch die Bevölkerung aufgefordert sei, hier mitzumachen: „Ruhig mal faul sein und eine Stelle im Garten einfach sich selbst überlassen, es setzen sich dann meistens die Pflanzen durch, die sowieso an diesen Standort gehören. Und für alle, die keinen Garten haben, sind Blumenkästen mit Blühpflanzen an den Balkonen ideal.“ Er würde es auch sehr begrüßen, wenn noch mehr Gewerbetreibende auf ihren Grundstücksflächen Platz für wilde Ecken und Blumenwiesen freimachten. Nicht viel hält der Bauamtsleiter von den bunten Baumarktmischungen: „Hier sollte man beim Kauf auf eine artenreiche, speziell auf den Standort und den Boden abgestimmte Samenmischung achten. Am besten weiß die Natur jedoch selbst, welche Wildpflanzen für den jeweiligen Standort gedacht sind“.

Prioritäten setzen

Stefan Büttner betont dass für die Stadt Marktredwitz der Artenschutz grundsätzlich ein omnipräsenter Faktor sei. „Wichtige Faktoren sind jedoch auch die Einflüsse auf die Verkehrssicherheit oder der langfristige Erhalt der Blühflächen. Wenn hohe Gräser die Sicht versperren oder eine Gefahr darstellen, müssen dennoch Prioritäten gesetzt werden“, so der Amtsleiter. Nach seinen Worten ist mit kurzfristigen oder halbherzigen Aktionen dem Artenschutz nicht geholfen. Für ihn gilt dabei: „Weniger ist mehr.“

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