Arzberg Einstimmiges Ja zu Frauenhaus

Wenn Frauen und ihren Kindern physische oder psychische Gewalt angetan wird, bringen sie Helferinnen ins Frauenhaus. Symbolbild: Rolf Vennenbernd/dpa Quelle: Unbekannt

Der Arzberger Stadtrat macht den Weg für das AWO-Sozialzentrum frei. Nun kann der Kreisverband Bauantrag stellen. Vorsitzender Wagner hofft auf rasche Realisierung.

Arzberg - Das vom Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) geplante Frauenhaus in Arzberg kann gebaut werden. Jedenfalls hat der Arzberger Stadtrat am Donnerstagabend in einer Sondersitzung den Weg dafür freigemacht, indem er Baurecht geschaffen hat. Das Votum fiel einstimmig aus. Nun kann der Wohlfahrtsverband die nächsten Schritte unternehmen und einen Bauantrag stellen. In der Stadtratssitzung vor zwei Wochen hatte es bei CSU und UPW noch Informationsbedarf über die Einrichtung gegeben. Der Punkt war von der Tagesordnung des öffentlichen Teils genommen worden. Im offiziellen Sprachgebrauch wird das Frauenhaus als Sozialzentrum bezeichnet. Dahinter steht der Gedanke, die Frauen zu schützen.

Um den Informationsbedarf zu befriedigen, hatte AWO-Kreisvorsitzender Alexander Wagner in den vergangenen Tagen bereits mit Vertretern aller drei Fraktionen und auch mit künftigen Nachbarn gesprochen. Die Sitzung am Donnerstag bezeichnete er als extrem wichtig, da die AWO wegen der Antragstellung unter Zeitdruck sei. Daher sei, nachdem die mündliche Förderzusage gekommen war (wir berichteten), auch keine Zeit gewesen, den Stadtrat ausführlich zu informieren. Dies habe dazu geführt, dass sich manche Stadträtinnen und -räte vor den Kopf gestoßen fühlten.

Die Entscheidung, in Arzberg zu bauen, begründete Wagner unter anderem mit dem schlechten Zustand des Frauenhauses in Selb, das nicht mehr saniert werden könne. Ein Neubau in Arzberg sei kostengünstiger. Dank eines Förderprogramms des Bundesfamilienministeriums könne das 2,5-Millionen-Projekt nun realisiert werden.

Laut Wagner soll das Sozialzentrum hinter dem Edeka-Markt auf dem ehemaligen FTA-Platz entstehen. Die AWO habe ein Vorkaufsrecht für 3000 der 5000 Quadratmeter großen Fläche erworben. 2000 Quadratmeter wolle die Edeka für sich behalten. Das Gelände werde um 40 bis 60 Zentimeter abgesenkt. "Die hässliche Mauer wird verschwinden", kündigte Wagner an.

Der Standort sei absichtlich so gewählt worden, weil das Wohnhaus für Frauen und deren Kinder in einem Wohngebiet nicht auffalle. Im Erdgeschoss des Gebäudes würden Büro-, Beratungs-, Technik- und Lagerräume untergebracht, in den beiden Obergeschossen jeweils vier Appartements für die Frauen und deren Kinder, sodass acht Plätze zur Verfügung stünden. Auf Nachfrage von Heike Fürbringer (UPW) erläuterte der Kreisvorsitzende, dass pro 10 000 Frauen ein Platz im Frauenhaus vorgehalten werden müsse. Den Betrieb und das Personal finanzierten die Landkreise Hof und Wunsiedel sowie die Stadt Hof. Die AWO bringe einen Eigenanteil ein. Dafür gebe es einen Vertrag.

Bedenken, dass verlassene Ehemänner vor dem Frauenhaus randalieren könnten, räumte Wagner aus. Die Polizei habe bestätigt, dass sich in Selb seit Bestehen des Hauses lediglich einmal ein Mann vor die Einrichtung gesetzt habe, dem die Polizei dann ein Platzverbot erteilt habe. "Damit war die Sache erledigt", betonte er. Dennoch werde die Polizei des Öfteren vor Ort sein. Nämlich dann, wenn Frauen gebracht würden oder Vernehmungen anstünden.

Nach dem Vortrag Wagners sagte Bürgermeister Stefan Göcking, er hoffe, dass die Bedenken nun aus der Welt seien. Das Sozialzentrum sei eine sehr wichtige Einrichtung. "Besser wäre es, wenn wir solche Einrichtungen nicht brauchen würden, aber die Welt ist nun mal anders, als wir sie uns wünschen", sagte der Rathaus-Chef. Er sei davon überzeugt, dass die AWO den Standort gut gewählt habe.

Es sei grundsätzlich gut, wenn ein Investor komme und in Arzberg baue, betonte CSU-Fraktionssprecher Dr. Stefan Brodmerkel. Er wollte wissen, ob es Vorgespräche mit der Edeka gegeben habe. "Ja, die wissen, was wir bauen", sagte Alexander Wagner. Nach möglichen Einsprüchen von Anwohnern fragte zweite Bürgermeisterin Marion Stowasser-Fürbringer (UPW). Er habe mit Nachbarn gesprochen, sagte der Vorsitzende. "Die finden das gut." Im Rahmen der Auslegung des Bebauungsplans seien Einsprüche möglich, ergänzte Bürgermeister Göcking. Was mit der restlichen Fläche passieren werde, interessierte dritten Bürgermeister Michael Fuchs (CSU). "Ideen habe ich Tausende", sagte Wagner. "Aber erst einmal wird es eine grüne Wiese."

Die SPD-Fraktion habe sich über die 2,5-Millionen-Investition gefreut, sagte deren Vorsitzender Peter Gräf. Er sei froh, dass die Baulücke geschlossen werde. Nach dem erwarteten ehrenamtlichen Engagement fragten Bernd Fürbringer und die zweite Bürgermeisterin. Die AWO werde versuchen, den Förderverein auf jüngere Beine zu stellen, sagte Wagner. Aufgaben seien vor allem Spendensammeln und Prävention, wenn möglich auch die Hilfe für die Frauen und die Kinder. Sie habe mit einer Frau vom Förderverein in Selb gesprochen, sagte Martina von Waldenfels (CSU). Diese habe keine Bedenken gegen den Standort Arzberg geäußert.

 
 

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