Arzberg Viele Köche genießen den Brei

Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen. Das bestätigen die Teilnehmer des Tafel-Kochkurses in Arzberg. Gemeinsam stehen sie nicht nur in der Küche, sondern tauschen sich aus und haben Spaß.

Arzberg - Milchreisauflauf und Apfelkuchen soll es an diesem Tag unter anderem geben. Kurz vor zehn Uhr duftet es in der Lehrküche der Max-von-Bauernfeind-Volksschule Arzberg auch wirklich verführerisch: Die süßen Schwaden aus dem Topf am Herd schmeicheln der Nase, und der Anblick der saftigen, goldgelben Äpfel, die sich Reihe um Reihe auf einem Blechkuchen aneinanderschmiegen, lässt einem das Wasser geradezu im Munde zusammenlaufen. Hier wird gekocht, das ist klar, aber hier wird auch gelacht - und gespart. Den besonderen Kochkurs hat nämlich die Arzberger Tafel organisiert (siehe Artikel rechts). Wohl auch deshalb hat die Stadt Arzberg den Kontakt zur Schule ganz unbürokratisch hergestellt. "Das ist toll", schwärmt Kursleiterin Evi Meier von der Unterstützung, "ich muss der Stadt nur meine Termine melden, und die machen alles mit der Schulleitung aus. Ich habe sogar einen Schlüssel zum Schulhaus bekommen, um vorbereiten zu können."

Evi Meier leitet die Teilnehmer an jedem ersten Montag im Monat an, preiswerte Gerichte aus jenen Zutaten zu kochen, die es am Samstag zuvor bei der Tafel gegeben hat. "Unser Ziel ist es, möglichst wenig dazukaufen zu müssen", erzählt die Kursleiterin. Seit Herbst 2010 arbeitet Evi Meier ehrenamtlich für die Tafel, "nachdem ich in den Ruhestand gegangen bin, bin ich auf die Tafel gestoßen und wollte mitarbeiten". Die Idee, einen solchen Kochkurs zu halten, kam ihr beim Verkauf der Lebensmittel im Tafelladen: "Es gab immer wieder Kunden, die nicht wussten, was sie mit bestimmten Lebensmitteln anfangen können." So entstand also der Kurs, für den Evi Meier immer neue Rezepte zusammenstellt.

Für diesen Tag hat sie eine ganze Wanne voller Äpfel geschenkt bekommen, also bietet sie drei entsprechende Rezepte für Kuchen und Milchreisauflauf an. "Es gab bei der Tafel auch so viele Tomaten, wir machen also auch Tomatensuppe und ein Paprikagemüse." Zwei Euro zahlen die Teilnehmer pro Kurs, dafür erhalten sie alle Zutaten. "Ich nehme sechs Euro ein und musste für sechs Euro und einen Cent Zutaten dazukaufen", rechnet Evi Meier vor, "manchmal bleibt auch was übrig. Vielleicht können wir Weihnachten davon etwas Fleisch kaufen."

"Wenn wir so wenige sind wie heute, bleibt auch ordentlich was übrig", ist sich Marina Eichhorn sicher, "da können später mein Mann und meine Tochter noch davon essen." Seit 40 Jahren kocht Marina Eichhorn schon für ihre Familie und bestellt den Haushalt, aber "man lernt ja nie aus". Neben ihr kochen heute auch ihr Bruder Udo Weiß und die gelernte Hauswirtschaftshelferin Ute Schleicher mit, der man ihren Beruf an der Arbeitskleidung schon ein bisschen ansieht. "Natürlich kann ich schon kochen", sagt sie und muss schmunzeln, als sie die Frage hört. "Aber ich mache hier aus Spaß an der Freude mit." Und Spaß haben die Teilnehmer; ständig gibt es etwas zu lachen, und als die Schulglocke tönt, ruft Udo Weiß scherzend nach einer "Pause!".

Im Kurs geht es schließlich nicht nur ums Kochen, sondern auch um den Austausch und ein paar gemeinsame, schöne Stunden. Ute Schleicher hat extra Kaffee für die spätere Plauderrunde mitgebracht, und weil sie weiß, dass der Herr im Damenkreis keinen Kaffee mag, hat sie für ihn Tee dabei. Kein Wunder, dass Udo Weiß den Kurs schätzt: "Ich bin von Anfang an dabei und mir gefällt's wirklich gut." tami

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