Endlagersuche Warum Oberfranken weitgehend aufatmen kann

und Marco Hadem ()

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am Montag ihren aktuellen Arbeitsstand zur Endlagersuche veröffentlicht. Was sind die Ergebnisse für die Region?

Wohin mit dem hochradioaktiven Atommüll? Die Zwischen- und Endlagerung ist ein brisantes Thema. Foto: dpa/Stefan Sauer

Auf der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) weite Teile der bisher in Bayern als potenziell geeigneten Flächen als ungeeignet eingestuft. Sie werden damit zum derzeitigen Stand aus der weiteren Suche nach einem Endlager ausgeschlossen.

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Dazu gehören auch große Teile Oberfrankens, wie aus dem Endlager-Navigator der BGE hervor geht. Als Begründung gibt die BGE an, dass im gesamten westlichen Oberfranken kein kristallines Wirtsgestein in einer Suchtiefe zwischen 300 bis 1500 Metern Tiefe zu erwarten sei. Weite Gebiete des östlichen Oberfrankens und – damit den größten Teil des Landkreises Wunsiedel i. Fichtelgebirge betreffend – wurden dagegen aufgrund ihrer Nähe zu junger vulkanischer Aktivität und immer wieder auftretender Schwarmbeben ausgeschlossen.

Stimmen aus Oberfranken

Der von der BGE veröffentlichte Arbeitsstand ist für den Leiter der Regionalen Koordinierungsstelle für Oberfranken und Geologen Andreas Peterek nicht überraschend. „Der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge ist Teilregion des Egergrabens und daher ist der junge Vulkanismus immer eine Gefahr für ein Endlager“, wird Peterek in einer Mitteilung zitiert. Für die wenigen in Oberfranken bisher verbliebenen Bereiche erwarte er im kommenden Jahr eine weitere Bearbeitung durch die BGE. „Verblieben sind bisher im Verfahren das hohe Fichtelgebirge und die Münchberger Masse“, so der Experte. Auch gegen diese Gebiete als Endlager würden allerdings zahlreiche Störungszonen sprechen.

Im Norden des Freistaates wurden weite Teile Frankens nördlich einer Achse zwischen Ansbach und Nürnberg sowie Teile der nördlichen Oberpfalz von den Wissenschaftlern aus dem Rennen genommen. Gleiches gilt für die Regionen rund um den Chiemsee sowie ein Gebiet in Niederbayern zwischen Landshut und der Grenze zu Österreich, die bisher noch im Suchverfahren waren.

Nach dem neuen Arbeitsstand der BGE sind rund 44 Prozent der Landesfläche in Deutschland weiter im Rennen – in der Regel, weil hier noch keine weitere Einordnung durch Experten erfolgt ist.

Verglichen mit dem ersten Bericht der BGE zu den Teilgebieten aus dem September 2020 hat sich damit die Fläche um rund zehn Prozent reduziert. Die bisherigen Ergebnisse wurden auf der Internetseite der BGE als interaktive Karte veröffentlicht.

Teile Bayerns aber noch im Rennen

Damit ist Bayern aber noch nicht generell aus dem Rennen bei der Endlagersuche. Ein großer Bereich zwischen Nürnberg, Augsburg und dem Bayerischen Wald muss noch näher untersucht werden.

Zudem beschreibt der neue Arbeitsstand auch noch immer keine verbindlichen Ergebnisse: Die Einschränkung der Teilgebiete auf Standortregionen, die im weiteren Verlauf des Verfahrens oberirdisch erkundet werden, soll laut BGE erst Ende 2027 erfolgen. Die finale Entscheidung über diese zu erkundenden Standortregionen trifft der Bundestag.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung prüft mit Sicherheitsuntersuchungen, welche Gebiete in Deutschland günstige geologische Bedingungen für die unterirdische Endlagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen.

2020 hatte die bundeseigene Gesellschaft zunächst in einem Bericht 90 solcher Gebiete ausgewiesen, bei denen eine weitere Prüfung lohnen könnte, dies waren 54 Prozent der Fläche Deutschlands. Diese Gebiete werden nun im weiteren Verfahren auf wenige Standortregionen eingeengt. „Ziel ist es, mit einer angemessenen kleinen Zahl an Gebieten in Phase 2 zu gehen“, sagte BGE-Sprecherin Dagmar Dehmer.

Suchmethodik gleicht einem Hürdenlauf

Die Methodik, mit der die Sicherheit im aktuellen Arbeitsschritt bewertet wird, erläuterte die Bereichsleiterin Standortauswahl bei der BGE, Lisa Seidel. „Wir suchen in einem wissenschaftsbasierten Verfahren den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit. Daher setzen wir die Sicherheitsanforderungen für die Gebiete mit jedem Prüfschritt ein bisschen höher. Gebiete, die eine Hürde nicht überspringen, werden nicht weiterbearbeitet.“

Bei der Endlagersuche geht es um einen Ort in der Tiefe zur dauerhaften Lagerung von 27.000 Kubikmetern hochradioaktivem Müll aus mehr als 60 Jahren Atomkraft in Deutschland. Es soll ein Ort gefunden werden, der für eine Million Jahre sicher ist, da der Müll Hunderttausende Jahre strahlt. Aufbewahrt wird er aktuell in 16 oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern.

Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass bis 2050 ein entsprechendes Endlager gefunden sein wird. Das wäre etwa 20 Jahre später als ursprünglich geplant. Bis wann das Endlager dann wirklich genutzt werden kann, ist noch offen.