Auch mit Hunden Polizei sucht nach drei vermissten Personen

Aktuell gibt es drei Vermisstenfälle mit regionalem Bezug. Bei der Suche kommen in der Regel Hundestaffeln zum Einsatz. Hat die Zahl der Fälle zugenommen? Unsere Zeitung hat nachgefragt.

Pan, ein fünfjähriger Australian Sheperd und erfahrener Flächensuchhund, bei einer Einsatzübung mit einer Begleiterin. Foto: Claudia Puchta

Jeden Tag gehen bei den Polizeistationen Deutschlands zwischen 200 und 300 Vermisstenmeldungen ein. Das geht aus Zahlen des Bundeskriminalamts hervor. Die meisten erledigen sich innerhalb weniger Tage. Das birgt Hoffnung – vielleicht auch für drei Fälle mit Bezug zur Region, die derzeit noch ungelöst sind.

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Getürmt aus Heim und Klinik

Bereits seit über einer Woche läuft inzwischen die Suche nach dem 44-jährigen Sebastian Müssig, der aus dem Pflegeheim Schloss Zedtwitz verschwunden ist. Ebenfalls seit einigen Tagen wird eine 80-Jährige aus Münchberg vermisst. Zu beiden Fällen hat unsere Zeitung bereits berichtet. Neue Erkenntnisse gibt es jeweils noch nicht.

Im Fall Müssig gehen die Ermittler davon aus, dass der Pflegeheimbewohner mit dem Bus weggefahren ist, da er an einer Haltestelle zuletzt gesichtet wurde. Möglich wäre auch eine Reise per Anhalter. Es war nicht das erste Mal, dass Müssig ohne Absprache die Einrichtung verlassen hat. Laut Polizeibericht ist der Vermisste aufgrund psychischer Erkrankung auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. Müssig ist 174 Zentimeter groß und 105 Kilogramm schwer. Er hat schwarze, kurze Haare und schielt mit beiden Augen. Der Vermisste trägt dunkle Jacke, blaue Jeans und Turnschuhe.

Auch bei der 80-Jährigen liegt laut der Polizei die Vermutung nahe, dass die Rentnerin in verwirrtem Zustand Bus oder Bahn benutzt hat und seitdem orientierungslos unterwegs ist. Ihre Reise nahm wohl am Bahnhof in Münchberg ihren Lauf, nachdem sie aus dem örtlichen Klinikum weggelaufen war. Dort hatten Zeugen sie zuletzt am Freitag um etwa 17 Uhr gesehen. Sie hat graue Haare und trägt eine Brille. Bekleidet ist die Seniorin mit einem weißen Pullover mit dunklen Streifen, einer braunen Steppweste und einer blauen Hose. Wahrscheinlich hat die Vermisste einen roten Regenschirm dabei, den sie als Gehstock verwendet.

Von Simbabwe nach irgendwo

Über einen weiteren Vermisstenfall mit regionalem Bezug hat die Polizei Mannheim am gestrigen Montag informiert: Seit Ende Juni wird der 40-jährige David S., der bis Anfang des Jahres in Schwarzenbach am Wald gelebt hat, vermisst. Die letzten Monate hat S. in Simbabwe verbracht. Als er sich allerdings nicht wie vereinbart bei einer Bekannten zurückmeldete, informierte diese besorgt die Behörden. Da David S. in der Vergangenheit unter Depressionen litt, können die Ermittler nicht ausschließen, dass er sich derzeit in einem psychischen Ausnahmezustand oder einer hilflosen Lage befindet.

Hinweisen zufolge könnte der Vermisste erst kürzlich auf dem Markplatz in Heidelberg-Neuenheim gesehen worden sein. Weitere Ermittlungen zu seinem Aufenthaltsort verliefen bisher negativ.

Der 40-Jährige wird wie folgt beschrieben: braune kurze Haare, 1,75 Meter bis 1,80 Meter groß, zirka 100 Kilogramm schwer, spricht Polnisch und Deutsch mit Akzent. Gegebenenfalls führt er zwei Koffer mit sich. Es ist möglich, dass sich sein Erscheinungsbild in der Zwischenzeit verändert hat.

Vierbeinige Helfer im Einsatz

Die Ermittlungsbehörden bestätigen auf Nachfrage, dass man bei beiden Suchen auf die Unterstützung von Suchhundestaffeln zurückgegriffen hat. In den vergangenen beiden Jahren während der Pandemie gab es weniger Einsätze bei denen die Hundestaffel des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) aus Hof hinzugezogen worden sei, erklärt die langjährige Hundeführerin Claudia Puchta im Telefongespräch. „Da die Bewohner von Pflegeeinrichtungen in dieser Zeit nicht wie gewohnt ein und aus gehen konnten, sind auch weniger von ihnen unkontrolliert unterwegs gewesen“, ergänzt sie. Doch dass es heute mehr Fälle von vermissten Senioren gebe als vor einigen Jahren, kann die Ehrenamtliche nicht bestätigen. „Für diese Suchen gibt es die Hundestaffeln und das schon seit vielen Jahren.“

Es komme sehr häufig vor, dass demente Patienten aus Heimen oder Krankenhäusern türmen, da sie ihre Umgebung nicht mehr wiedererkennen und sich auf die Suche nach Vertrautem machen. „Über 90 Prozent aller Vermissten werden im Umkreis von einem Kilometer um ihren Wohnort herum wiederentdeckt“, sagt Claudia Puchta.

Die Staffel des Bayerischen Roten Kreuzes in Hof wird pro Jahr zu 20 bis 25 Einsätzen gerufen, in Hochfranken, aber auch im Raum Coburg, in der Oberpfalz, Sachsen und Thüringen. Aktuell hat sie sechs geprüfte Einsatzhunde, neun Hunde in Ausbildung und 22 Staffelmitglieder (auch Helfer ohne Hund). Die Tiere sind speziell darauf trainiert, den Geruch lebender Menschen wahrzunehmen und zu melden. Es seien nicht nur orientierungslose Seniorinnen und Senioren, bei denen die Suchstaffeln mit den Personensuchhunden zum Einsatz kämen. „Auch Pilzsammler oder Wanderer, zum Beispiel im Felsenlabyrinth bei der Luisenburg, haben sich schon so sehr verlaufen, dass Angehörige sie als vermisst melden mussten“, berichtet Puchta.

Auch wenn die Suche samt Hundeeinsatz bei den beiden aktuellen Fällen in Münchberg und Zedtwitz noch nicht dazu geführt hat, dass die Verschwundenen gefunden werden konnten, so darf man nicht den Fehler machen und den Einsatz der Hunde damit als gescheitert einordnen. „Wenn die Tiere ihre Halter beispielsweise bis zu einer Bushaltestelle führen, dann weiß man, dass an diesem Ort die Spur dort endet – und die gesuchte Person höchstwahrscheinlich mit dem Bus weggefahren ist.“