Auf dem Fußballplatz Wunsiedel: Gerhard Fleißner, der Ersthelfer

Bernd Nürnberger

Wie schon eine Woche zuvor war der Arzt im Ruhestand aus Marktleuthen auch am Sonntag zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Denn wieder sind zwei Fußballer mit den Köpfen zusammengeknallt.

War zwei Mal am richtigen Platz und musste als Nothelfer einspringen: der Marktleuthener Arzt im Ruhestand, Gerhard. Fleißner. Foto: Andreas Pöhner Foto:  

Wunsiedel - Seit Gerhard Fleißner seine Arztpraxis in Marktleuthen aufgegeben hat, hat der leidenschaftliche Fußballfan, der selbst viele Jahre für den FC Marktleuthen auf Torejagd gegangen ist, noch mehr Zeit, sich Spiele in der Region anzuschauen. Und es hat den Anschein, dass er immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Zufall oder Eingebung?

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Vor gut einer Woche war er beim Derby in Weißenstadt, als es den Kirchenlamitzer Spieler Andreas Popp nach einem Zusammenprall schwer erwischt hat, am Sonntag war Fleißner Zuschauer der Kreisliga-Partie ASV Wunsiedel gegen die SpVgg Weißenstadt. Und wieder wurde er als Ersthelfer gebraucht, nachdem die Spieler Michael Wolf (Weißenstadt) und Philipp Hoffmann (Wunsiedel) mit den Köpfen zusammengeprallt waren und ihre Platzwunden stark bluteten. Während sich gleich zwei Wunsiedler Spieler mit Ersthilfe-Ausbildung um ihren Mannschaftskameraden kümmerten, versorgte Fleißner den Weißenstädter Michael Wolf. Beide Spieler wurden ins Krankenhaus gebracht – zum Glück ohne größere Folgen. Michael Wolfs Wunde wurde mit sieben Stichen genäht, die von Philipp Hoffmann mit zwei. Beide Fußballer sind inzwischen wieder einigermaßen wohlauf und durften das Krankenhaus noch am Sonntag verlassen.

War es Zufall oder Eingebung, dass Gerhard Fleißner am Sonntag erneut vor Ort war? Der Mediziner im Ruhestand , der noch als Impfarzt aktiv ist, lacht. „Seit Freitag bin ich auch nicht mehr im Vorstand des FC Marktleuthen, deshalb habe ich jetzt noch mehr Zeit, mir Fußballspiele in der Region anzuschauen.“ Beim Blick auf den Spielplan entschied er sich dieses Mal für Wunsiedel. „Das Spiel gegen Weißenstadt erschien mir am Sonntag das interessanteste in meiner Nähe zu sein“, begründet er seine Wahl.

Der Zusammenprall der beiden Spieler mit den Köpfen in Höhe der Mittellinie sei äußert unglücklich gewesen. Ihm, Fleißner, wäre so etwas in seiner aktiven Zeit als Fußballer wohl nicht passiert. „Denn ich bin Kopfbällen gerne aus dem Weg gegangen, nachdem ich einmal gelesen hatte, dass bei jedem Kopfball 20 000 Gehirnzellen vernichtet werden.“

Angst bräuchten die Fußballer bei Kopfbällen dennoch nicht zu haben. „Bei den vielen Milliarden Kopfzellen, die wir haben, spielen 20 000 keine Rolle“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Michael Pfauntsch, der sportliche Leiter des ASV Wunsiedel, sieht den Bayerischen Fußballverband in der Pflicht. „Der BFV müsste für die Vereine viel mehr Nothilfe-Programme auf dem Platz anbieten“, fordert er. Denn die meisten Spieler und Zuschauer hätten überhaupt keine Ahnung von Erster Hilfe. Wenn nicht gerade ein gut ausgebildeter Physiotherapeut oder Arzt vor Ort ist, sei das ein Riesenproblem für den Verletzten und den betroffenen Verein. „Wir beim ASV Wunsiedel haben zum Glück zwei Polizisten in unserer Mannschaft, die wissen, wie man einen Druckverband anlegt“, ist Pfauntsch heilfroh, dass der Vorfall noch einigermaßen glimpflich ausgegangen ist.