Auf Dieselstrecken Oberfränkisches Eisenbahnnetz wird neu ausgeschrieben

Seit 2012 betreibt hauptsächlich Agilis das Dieselnetz Oberfranken. Dieser Vertrag läuft jetzt aus. Foto: Peter Gisder

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert, hat das Wettbewerbsverfahren für den Regionalzugverkehr auf nicht-elektrifizierten Strecken in Oberfranken einschließlich zweier nach Unterfranken bzw. in die Oberpfalz führender Strecken eröffnet.

München/Bayreuth/Hof - Wie die BEG am Dienstag mitteilte, hat der Verkehrsvertrag eine Laufzeit von zwölf Jahren: Der Nettovertrag startet im Dezember 2023 und endet im Dezember 2035. Interessierte Verkehrsunternehmen können ihre Angebote bis Juli 2021 abgeben.

Den Zuschlag im Vergabeverfahren Regionalverkehr Oberfranken wird die BEG voraussichtlich im Oktober 2021 erteilen. Aktuell werden die Strecken überwiegend von Agilis betrieben. Das künftige Netz integriert auch den bayerischen Teil der bisher von der Länderbahn betriebenen grenzüberschreitenden Verbindung Hof – Selb-Plößberg – Aš/Asch – Cheb/Eger sowie die Regionalbahnen Hof – Gutenfürst, die aktuell die Erfurter Bahn fährt.

Angebot wird ausgeweitet

Die BEG bestellt bei dem künftigen Betreiber rund 5,4 Millionen Zugkilometer pro Jahr an Verkehrsleistungen, das entspricht einer Steigerung um rund acht Prozent gegenüber heute (2020: rund 5 Millionen Zugkilometer). Die BEG führt damit erstmals auch auf den Zweigstrecken Forchheim – Ebermannstadt, Breitengüßbach – Ebern, Coburg – Bad Rodach und Bayreuth – Weidenberg den bayernweiten Bedienstandard im Stundentakt von 5 bis 23 Uhr (samstags ab 6 bzw. sonntags ab 7 Uhr) ein. Zugleich reagiert die BEG mit der Angebotsverbesserung auf die steigende Nachfrage in Oberfranken: Von 2012 bis 2019 hat die Zahl der Fahrgäste im Netz Agilis Nord um sieben Prozent zugenommen, auf zuletzt 6,74 Millionen Fahrgäste pro Jahr.

Anbindung neue Station Hof-Mitte

Ein Schwerpunkt der Angebotsverbesserungen liegt auf der Region Hof. Hier bestellt die BEG mehr Züge, um den geplanten innenstadtnahen Haltepunkt Hof-Mitte besser anzubinden. Nach dessen Fertigstellung wird Hof-Mitte stündlich aus Richtung Münchberg, im zweistündigen Wechsel aus Richtung Helmbrechts und Neuenmarkt-Wirsberg sowie alle zwei Stunden aus Richtung Selb-Stadt angefahren. Sobald der Bau einer Wendeanlage östlich von Hof-Mitte abgeschlossen ist, wird die BEG auch die Züge aus Aš und Cheb nach Hof-Mitte fahren lassen. Dann halten dort – neben Zügen aus anderen Netzen Richtung Sachsen und Thüringen – durchgehend zwei Linien pro Stunde aus Richtung Süden.

Die grenzüberschreitende Linie Hof – Aš – Cheb wird künftig zweistündlich vereinigt mit der Linie Hof – Selb-Stadt bis Selb-Plößberg verkehren, wo die beiden Zugteile getrennt werden. Das neue Flügelzugkonzept gewährleistet in Cheb weiterhin die hervorragenden Anschlüsse ins tschechische Netz. In Oberkotzau wird für Selb und Rehau ein neuer zweistündlicher Anschluss mit kurzem Übergang zum Regionalexpress nach Marktredwitz und Nürnberg hergestellt.

Während der zwölfjährigen Laufzeit des neuen Verkehrsvertrags werden weitere Stationen in Forchheim-Nord und Bamberg-Süd in Betrieb gehen und dann von den Zügen zwischen Forchheim und Bamberg mit bedient.

Weniger Taktlücken, mehr Züge im Abendverkehr

Außerhalb der Region Hof führt die BEG grundsätzlich das bewährte Fahrplankonzept fort, das zuletzt 2011 mit Start des aktuellen Verkehrsvertrags um 60 Prozent Verkehrsleistung erheblich ausgeweitet wurde. Einige Lücken im Stundentakt werden gefüllt, zum Beispiel auf der Regionalbahnlinie Coburg – Bad Rodach. Darüber hinaus verbessert die BEG auf etlichen Strecken den Abendverkehr, zum Beispiel auf den Linien Bamberg – Ebern und Coburg – Lichtenfels – Bayreuth. Neue Frühverbindungen sind für den Raum Kulmbach Richtung Bamberg und Bayreuth vorgesehen. Für die Strecken Weiden – Bayreuth, Hof – Bad Steben und Münchberg – Helmbrechts fragt die BEG den durchgehenden Stundentakt als Eventualposition an. Das bedeutet, dass die Einführung des Stundentakts abhängig ist vom Angebotspreis, den die BEG im Rahmen der Ausschreibung von den Eisenbahnverkehrsunternehmen erhält. Diese Eventualposition entspricht einer Verkehrsleistung von 0,2 Millionen Zugkilometern pro Jahr.

Barrierefreie, klimatisierte Gebrauchtfahrzeuge

In der Ausschreibung sind barrierefreie, klimatisierte Gebrauchtfahrzeuge zugelassen. Die Auswahl des Fahrzeugherstellers und -modells sowie der Ausstattungsdetails ist dem jeweiligen Verkehrsunternehmen überlassen. Das anspruchsvolle Betriebskonzept erfordert aber auch künftig spurtstarke Fahrzeuge mit relativ kleiner Gefäßgröße. Wünschenswert wäre, auch in diesem Netz Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten zum Einsatz zu bringen. Bislang kann die Industrie aber noch keine Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten, welche die hohen fahrdynamischen und betrieblichen Anforderungen erfüllen, anbieten. Mit Umsetzung der vom Bund geplanten Streckenelektrifizierungen im östlichen Oberfranken ergeben sich voraussichtlich für die Folgeausschreibung in den dreißiger Jahren betrieblich und wirtschaftlich günstige Rahmenbedingungen für innovative Antriebe.

Kostenloses WLAN

In den Fahrzeugen muss den Fahrgästen kostenloser WLAN-Empfang zur Verfügung gestellt werden.

Neue Anforderungen beim Personal

Aufgrund der branchenweiten Personalknappheit, insbesondere bei Triebfahrzeugführern, erweitert die BEG die Anforderungen an das Personalkonzept der Bieter. Dazu gehört eine sogenannte Sitzbereitschaft für Reserve-Triebfahrzeugführer. Sie soll Zugausfälle minimieren, die zum Beispiel durch kurzfristige Krankmeldungen zustande kommen. Als weitere Anforderung lässt sich die BEG im Rahmen der Ausschreibung einen Plan zu Personalbedarf und -gewinnung vorlegen, der jährlich aktualisiert werden muss. Insbesondere muss der künftige Betreiber dokumentieren, wie er einen ausreichenden Personalbestand zum Betriebsstart als auch während der Vertragslaufzeit sicherstellen kann. Zusätzlich fordert die BEG eine Mindestausbildungsquote für Triebfahrzeugführer.

Hohe Qualitätsanforderungen

Die BEG stellt detaillierte Anforderungen in Sachen Qualität. Das Eisenbahnverkehrsunternehmen, das sich im Vergabeverfahren durchsetzt, erhält monatliche und jährliche Zielwerte zur Pünktlichkeit und zur Anschlusssicherung. Unterschreitet das Unternehmen diese Werte, werden Strafzahlungen fällig. Die BEG macht für alle Züge Mindestvorgaben zur Sitzplatzanzahl und berücksichtigt dabei stark frequentierte Züge im Berufs- und Schülerverkehr sowie im Freizeitverkehr an Wochenenden. Außerdem misst die BEG die Servicequalität der Betreiber mit Hilfe von Tests und Fahrgastbefragungen. Zu den Kriterien zählen unter anderem die Sauberkeit der Züge, die Funktionsfähigkeit der Ausstattung und die Fahrgastinformation. Unterschreitet ein Verkehrsunternehmen die von der BEG vorgegebenen Zielwerte, muss es Strafzahlungen leisten, übertrifft es die Mindestanforderungen, erhält es einen finanziellen Bonus.

 
 

Bilder