Aufatmen in Kulmbach Freier Frauenarztsitz geht ans Klinikum

Die Kassenärztliche Vereinigung hat entschieden. Zahlreiche Patientinnen können nun aufatmen. Die Erweiterung des MVZ im gynäkologischen Bereich ist nicht die einzige Neuerung im ambulanten Bereich am Haus.

Das Klinikum übernimmt den Arztsitz der Frauenärztin Androsova. Foto: dpa/Daniel Karmann

Die Sorge war groß, als im vergangenen Herbst bekannt wurde, dass die niedergelassene Frauenärztin Olena Androsova bereits mit dem Ende des ersten Quartals 2025 ihre Praxis schließen würde, Die Befürchtung: Es könnte noch enger werden, einen Frauenarzt oder eine Frauenärztin zu finden. Schon seit geraumer Zeit klagen Frauen, dass sie in den Praxen nicht angenommen würden, weil deren Kapazitäten erschöpft seien. In Abstimmung mit allen in Kulmbach niedergelassenen Gynäkologinnen hat sich das Klinikum Kulmbach bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) um den vakant werdenden Arztsitz beworben. Jetzt hat der Zulassungsausschuss der KV diesem Wunsch entsprochen. Damit kann das Klinikum Kulmbach sein MVZ erweitern. Nicht nur im gynäkologischen Bereich, sondern auch noch in anderen Fachrichtungen hat der Zulassungsausschuss die Genehmigung für die Übertragung frei gewordener Arztsitze erteilt.

Nach der Werbung weiterlesen

Landrat: Freude über guten Ausgang

„Unsere Geschäftsführerin Brigitte Angermann hat frühzeitig verhandelt, als bekannt wurde, dass der Sitz frei werden würde“, sagt Landrat Klaus Peter Söllner. „Natürlich haben wir großes Interesse daran, dass der Frauenarztsitz in Kulmbach bestehen bleibt.“ Das Klinikum habe sich der Aufgabe gestellt, für die Frauen in der Region da zu sein. So sei es nun höchst erfreulich, dass die Sache zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen ist.

Ärztinnen und Klinikum auf einer Linie

„Im Oktober 2024 haben wir erfahren, dass die Kulmbacher Frauenärztin Androsova ihren Sitz zurückgeben möchte, weil sie Kulmbach verlässt“, erklärt Brigitte Angermann den Hintergrund. Umgehend sei das Klinikum mit Olena Androsova, der KV und auch allen niedergelassenen Gynäkologinnen in der Stadt in Verbindung getreten. „Die Kulmbacher Frauenärztinnen haben das Klinikum sehr unterstützt und motiviert, den Sitz zu übernehmen. Die KV hätte ansonsten sehr wahrscheinlich den Sitz aufgrund der Versorgungslage eingezogen. Das wäre für die Region Kulmbach eine Katastrophe gewesen“, macht Angermann deutlich.

Auch Vor- und Nachsorge

Das Klinikum habe sich entschlossen, sich um den Sitz zu bewerben, um ihn weiterzubetreiben. „Wir werden alle Leistungen erbringen, die in niedergelassenen Praxen angeboten werden, insbesondere also auch Vor- und Nachsorgen.“

Der Arztsitz wird nun ans Klinikum verlegt. „Wir werden ihn zusammen mit dem bei uns bereits bestehenden Sitz in den Räumen des elektiven Behandlungszentrums (EBZ) mit Ärztinnen aus unserer Frauenklinik betreiben“, kündigt Angermann an. Mit dem Sitz werden auch die Mitarbeiterinnen der Praxis Androsova übernommen.

Mit erster Priorität will das Klinikum Patientinnen übernehmen, die bisher in der Praxis Androsova behandelt worden sind, sofern sie das wünschen. „Das ist nur fair, wenn wir diesen Frauen zunächst den Vorrang einräumen und ihnen ermöglichen, bei uns versorgt zu werden“, kündigt die Geschäftsführerin an. Doch das heißt nicht, dass andere Patientinnen keine Chance haben, ihre ambulante gynäkologische Versorgung am Klinikum zu erhalten. „Wir müssen sehen, wie viele Kapazitäten möglicherweise noch frei sind.“ Das Klinikum werde alle Anstrengungen unternehmen und seinen Beitrag leisten, um Frauen aus der Region die Sorgen zu nehmen.

Um einen möglichst reibungslosen Übergang zu ermöglichen, werden in den ersten Tagen des April jeweils von 9 Uhr bis 11 Uhr Notfälle behandelt. Des Weiteren werden alle Patientinnen von Olena Androsova, die im Zeitraum April bis Juni bereits einen Termin vereinbart hatten telefonisch kontaktiert und gegebenenfalls neue Termine vereinbart. Alle weiteren Patientinnen können sich unter 09221/98-3940 oder per E-Mail unter mvz-gyn@klinikum-kulmbach.de ab 1. April an das gynäkologische MVZ am Klinikum wenden. Die Telefonnummer wird erst ab 1. April freigeschaltet. Wer sich per E-Mail meldet, sollte seinen Namen, Geburtsdatum, Telefonnummer und das konkrete Anliegen angeben.

Chirurgische Arztsitze wechseln auch

Und noch eine Entscheidung hat der Zulassungsausschuss der KV getroffen: Die beiden chirurgischen Arztsitze der bisherigen Praxis von Dr. Rainer Woischke in der Kulmbacher Luitpoldstraße gehen nach der anstehenden Praxisschließung ebenfalls nicht für Kulmbach verloren. Beide Sitze wurden jetzt von der KV ans Klinikum übertragen und werden dort auch schon bald angesiedelt, kündigt Brigitte Angermann an. Mit den Sitzen werden auch die Mitarbeiterinnen der Praxis Woischke übernommen.

Im Interimsgebäude neben der Notaufnahme werden Behandlungsräume für die Chirurgie entstehen. Foto: Archiv

Die neuen Räume für diese chirurgischen Arztsitze werden in dem Interimsgebäude neben der Zentralen Notaufnahme untergebracht. „Wir werden dort ambulante chirurgische Leistungen erbringen. Es besteht dann an diesem neuen Standort auch noch zusätzlich die Möglichkeit, dass die Gefäßchirurgie, die Plastische Chirurgie und die Allgemein- und Visceralchirurgie ambulante Behandlungsmöglichkeiten anbieten können“, erklärt Brigitte Angermann. Patienten können sich unter 09221/98-7955 telefonisch oder per Mail unter chirurgie-zentrum@klinikum-kulmbach.de melden.

Nach der nun mündlich bestätigten Zustimmung durch die KV kann es grundsätzlich zum 1. April losgehen mit den neuen Arztsitzen am Klinikum, kündigt Angermann an. Der genaue Termin hänge allerdings davon ab, wie schnell der schriftliche Bescheid eingeht. Deshalb werden in den ersten Tagen des April vorrangig Notfälle behandelt. Aktuell werde auch für beide MVZ-Bereiche die Homepage ergänzt. Ab April können sich alle Bürger auch darüber unter anderem über Sprechstundenzeiten und Kontaktdaten informieren. red