Aus dem Gemeinderat Döhlaus unerforschte Unterwelt

Sandra Langer
Ein alter Bergwerksstollen. Foto: picture alliance / ---/Landesamt für Archäologie Sachsen/dpa/---

Die Gemeinde Döhlau sollte Stollen und Schächte ausfindig machen und möglicherweise erschließen – dies empfiehlt der Hohlraumforscher Rudolf Fischer. Er verfügt über ein hochmodernes Bodenradar.

Rudolf Fischer von der „Arbeitsgruppe Hohlraumforschung“ des Nordoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde hat den Mitgliedern des Gemeinderates angeboten, Döhlaus Unterwelt zu erkunden. Mit seinem hochmodernen Bodenradar könne er in bis zu 16 Meter Tiefe Keller und Stollen aufspüren.

„Hof und sein Landkreis waren eine Bergbauregion“, erklärte Fischer. Erste Erwähnungen von Bergbau fänden sich in Aufzeichnungen aus dem Jahr 1400. Da es an Transportwegen mangelte, sei vielen dieser ersten Versuche jedoch ein schnelles Ende beschieden gewesen. Vermutlich aus dem gleichen Grund scheiterten zahlreiche weitere Versuche im 16. und 19. Jahrhundert, obwohl es durchaus Bodenschätze gebe.

Von den vielen Kellern und Stollen in Stadt und Landkreis Hof seien nur wenige erschlossen, berichtete Fischer. Von etlichen wisse man nicht einmal genau, wie sie verlaufen. „Dabei wäre das beispielsweise für Neubauten wichtig“, gab Rudolf Fischer zu bedenken. „Oder für Gebäude, unter denen sich Keller und Stollen aufgrund ihres Alters nun langsam bemerkbar machen.“

In Leimitz beispielsweise gebe es immer wieder Setzungsrisse an Häuern. Anderenorts seien Landwirte mit ihren schweren Geräten im Boden eingebrochen, weil sie nichts von den unterirdischen Gängen wussten. Fischer vermutet in Döhlau Schächte zwischen dem Autohaus Stölzel und der Bahnlinie. Zudem wisse er von Karl Edelmann, dass es in Kautendorf im Bereich des Eisenerz-Ackers – der seinen Namen nicht umsonst trage – einen Stollen gebe. Das ehemalige Bergwerk am Schlossberg habe er mit dem Grundstückseigentümer schon begangen.

Rudolf Fischer empfahl, noch nicht bekannte Stollen ausfindig und zugänglich zu machen und genau zu kartieren. Manche müsse man eventuell beobachten, um rechtzeitig reagieren und Schäden an der Oberfläche vermeiden zu können. Andere könne man vielleicht sogar für die Öffentlichkeit oder den Tourismus nutzbar machen. In Kautendorf beispielsweise gebe es einen Stollen, der teilweise unter Häusern liege und so groß sei, dass man ihn für Feste in besonderem Ambiente nutzen könne.

Schnell kam die Frage auf, wer für Schäden haftet, falls doch einmal ein Keller oder Stollen einbricht. Ob die Gemeinde oder die Eigentümer in der Pflicht wären, lässt sich laut Rudolf Fischer nicht immer eindeutig beantworten. Das könne unter anderem davon abhängen, ob es sich um Bergbau aus dem 19. Jahrhundert bis zur Jetztzeit oder um älteren historischen Bergbau handle. Bei Letzterem könne es unter Umständen Förderungen für Erhalt oder touristische Erschließung geben.

Stets müsse natürlich die Sicherheit im Vordergrund stehen. Hier arbeite die AG Hohlraumforschung eng mit dem Landesamt für Umwelt und dem Wasserwirtschaftsamt zusammen.

Auf Frage von Bürgermeister Marc Ultsch erklärte Fischer, dass der Einsatz des Bodenradars pro Stunde 100 Euro kostet. Die Untersuchung eines rund 500 Meter langen Stollens dauere weniger als zehn Stunden.

Die Gemeinderäte werden das Thema in einer der nächsten Sitzungen besprechen.

 

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