Ausgezeichnet Menschen, die das Leben in Wunsiedel prägen

Vier Ehren- und Verdienstmedaillen erhielten engagierte Bürger. Auf dem Bild (von links): Foto: Florian Miedl

Der Stadtrat ehrt verdiente Bürger mit Ehrenbriefen und Medaillen. Letztere sind garantiert nicht aus Gold.

Sehenswürdigkeiten, Natur, Geschäfte. Ja, all das gehört zum städtischen Leben dazu. Doch ohne engagierte Bürger ist alles nichts. In Wunsiedel gibt es von jeher eine außergewöhnlich rege Bürgerschaft. Es ist die Summe all der Menschen, die etwas mehr leisten, als es normal wäre; die die Festspielstadt lebenswert machen. Bürgermeister Nicolas Lahovnik ehrte beim Neujahrsempfang genau diese Bürger.

Ehrungen haben in Wunsiedel Tradition – ein ausgefeiltes Regelwerk nennt unter anderem den Ehrenbrief, die Verdienst- und die Ehrenmedaille als Auszeichnungen. Vor allem Letztere sind vor einigen Jahren bundesweit bekannt geworden, landeten die Medaillen doch nicht nur im Schrank verdienter Bürger, sondern gelangten im übertragenen Sinne bundesweit in die Schlagzeilen. Der Bund der Steuerzahler monierte seinerzeit, dass die Medaillen aus Gold und viel zu teuer seien. Bürgermeister Lahovnik griff diesen Faden auf: „Diese Medaillen sind weder aus Gold noch aus Silber, aber, was die Bedeutung der Ehrung angeht, ebenso wertvoll.“

Ehrenmedaillen:

Einer, der für seinen Arbeitgeber bereits mehrere Auszeichnungen und für sein Engagement im vergangenen Jahr die Bayerische Umweltmedaille entgegennehmen durfte, ist Marco Krasser. „Nur in seiner Stadt Wunsiedel ist er bisher nie geehrt worden“, sagte der Bürgermeister. Für den Stadtrat stand daher fest: Der Stadtwerke-Chef muss die Ehrenmedaille erhalten. „Krasser hält sich ja immer so zurück und arbeitet lieber im Verborgenen. Aber klar ist auch: Ohne ihn stünde Wunsiedel nicht da, wo es heute ist, ohne die Energiezukunft sähen wir alt aus.“ Lahovnik würdigte den Wunsiedler Weg Energie als eine Art Lebensversicherung für Wunsiedel. „Du und Charly (Anmerkung: der mittlerweile verstorbene Altbürgermeister Karl-Willi Beck), Ihr habt Euch vor 20 Jahren dafür entschieden, die Energiezukunft neu zu erfinden. Marco Krasser, Du warst nie ein Stadtwerke-Chef, der einfach nur Strom einkauft und wieder an die Bürger verkauft. Du hast das Heft in die Hand genommen und Innovationen vorangetrieben.“

Anerkennenswert ist laut Lahovnik auch Krassers Verbundenheit mit Wunsiedel. „Marco bekäme im Energiebereich überall in Deutschland einen guten Job, er ist aber unserer Stadt treu geblieben und macht Wunsiedel international bekannt.“

Ebenfalls die Ehrenmedaille, die höchste Auszeichnung der Stadt unterhalb des Ehrenrings, erhielt Karl Rost. Er hat sich auf sozialem Gebiet unzählige Verdienste erworben. Rost ist wie Krasser einer, der kein Aufhebens um seine Person macht. Bekannt ist er vor allem für sein Engagement in der Flüchtlingsarbeit. Unter anderem gründete er 2015 die Kleiderkammer. Im Laufe der Jahre ist Rost zu dem Ansprechpartner und Begleiter für Menschen aus aller Welt geworden, die in Wunsiedel Zuflucht suchen. Mittlerweile engagiert er sich auch für die Integration der Flüchtlinge aus der Ukraine.

Obwohl er sich schon vor einiger Zeit etwas zurückziehen wollte, kümmert er sich noch immer täglich in unterschiedlicher Weise für Geflüchtete. „Rost lebt die Willkommenskultur“, sagte der Bürgermeister.

Überregional bekannt ist Karl Rost auch für seinen Einsatz für Demokratie und Zivilcourage. Unter anderem hat er maßgeblich die Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in Wunsiedel angestoßen. Für sein Engagement hatte Rost 2008 den Ehrenbrief und 2016 die Verdienstmedaille der Stadt Wunsiedel erhalten.

Verdienstmedaillen

Als eine Art soziales Gewissen der Stadt könnte man auch Rita und Peter Finsel bezeichnen. Finsel hat 2006 die Wunsiedler Tafel mitgegründet. 16 Jahre hat er die Einrichtung ehrenamtlich geleitet. „Die Tafel ist für viele Bürger in unserer Stadt, die ihren täglichen Lebensunterhalt nicht alleine bestreiten können, unverzichtbar“, so Lahovnik, der Finsel mit der Verdienstmedaille der Stadt Wunsiedel auszeichnete. Nicht nur ihrem Mann Peter den Rücken freigehalten, sondern sich selbst eingebracht hat sich auch Rita Finsel. „Sie hat immer mit angepackt.“

Peter Finsel hatte 2006 bereits den Ehrenbrief ebenfalls für sein ehrenamtliches Engagement erhalten. Neben der Arbeit für die Tafel war er jahrelang Fahrer des Bürgerbusses.

Der bayernweit wohl bekannteste Fledermaus-Schützer ist Stefan Schürmann. Der Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde aus Schönbrunn setzt sich seit Jahrzehnten für den Erhalt der Lebensräume von Fledermäusen ein. Einer der bedeutendsten in der Region ist die Wunsiedler Kellergasse. Dieses denkmalgeschützte Kleinod drohte immer mehr zu verfallen. Für Schürmann der Antrieb, nicht nur das Fledermaus-Winterquartier zu bewahren, sondern auch die Keller als Kulturdenkmal für die Bürger zugänglich zu machen. Wie berichtet, ist es Schürmann gelungen, dank eines grenzüberschreitenden Projektes Fördergelder zu akquirieren, mit denen die Keller auf Jahrzehnte für die Nachwelt gesichert werden. Schürmann hat die Geschichte der einstigen Bierlager intensiv erforscht und ein Konzept entwickelt, dank diesem mehrere Keller zu Hunderte Meter langen Gängen verbunden werden. Einige der Anlagen sind demnächst barrierefrei zugänglich – und auf einem der Keller entsteht ein neuer Platz zum Feiern in der Stadt. „Schürmann setzt sich nicht nur von Amtswegen für den Erhalt der einmaligen Anlage ein, sondern ist damit jeden Tag befasst, egal ob an Wochenenden oder an Feiertagen. – Ein einmaliges Engagement für die Natur, den Denkmalschutz und für unsere Bürger“, würdigte Lahovnik Stefan Schürmann und verlieh ihm die Verdienstmedaille der Stadt.

Schürmann war 2007 zusammen mit Robert Höhn für sein Engagement im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und für den Ortsteil Schönbrunn der Ehrenbrief verliehen worden.

Ehrenbriefe

Vier Ehrenbriefe überreichten Bürgermeister Lahovnik sowie seine Stellvertreter Manfred Söllner, Carolin Kammerer und Alexander Fuchs an Bürger und Institutionen.

Heike Bock ist die gute Seele, wenn es um die Kleiderkammer Wunsiedel geht, und engagiert sich seit 2014 für den Verein der Freunde und Förderer der städtischen Sing- und Musikschule. Karl Rost (auch er erhielt an dem Abend eine Auszeichnung) gründete im Dezember 2015 zum Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise die Kleiderkammer im ehemaligen „Deutschen Haus“. Migranten unterschiedlicher Nationen renovierten die Räume, die seit dieser Zeit auch für viele weniger gut betuchte Bürger eine wichtige Anlaufstelle sind. „Von Anfang an und bis jetzt betreut Heike Bock mit Unterstützung ihrer Familie und Mileta Chitchyan die Kleiderkammer“, sagte Lahvonik. Zudem arbeitet sie mit weiteren Institutionen zusammen, wenn es um Anliegen der Flüchtlinge geht.

Achteinhalb Jahre steht Heike Bock zudem dem Förderverein der Musikschule vor „und unterstützt diese in allen Belangen der Musikerziehung“, so der Bürgermeister. Heike Bock war nicht anwesend und konnte den Ehrenbrief nicht selbst in Empfang nehmen.

Stellvertretend für das Netzwerk Wunsiedel ist bunt überreichte Lahovnik den Ehrenbrief an die Netzwerk-Sprecherinnen Svenja Faßbinder und Christine Lauterbach. Schon vor zwölf Jahren hatte die Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus, aus der auch das Netzwerk hervorgegangen ist, die Verdienstmedaille erhalten. Nun also das Netzwerk „Wunsiedel ist bunt“, das maßgeblich dazu beiträgt, dass die alljährlichen Naziaufmärsche im Herbst im wahren Wortsinn lediglich eine Randerscheinung bleiben. „Es ist eine Freude, mit Euch zusammenzuarbeiten, auch wenn der Anlass natürlich kein schöner ist“, so der Bürgermeister. Letztlich sei das Netzwerk für die Stadt unverzichtbar.

Wunsiedel ist nicht nur bunt, es ist international und vor allem europäisch. Zwei Bürger, die die Beziehung zu den Partnerstädten seit vielen Jahren pflegen, sind Susanne Sommer und Richard Beilein.

Beilein hatte im März 2009 den Vorsitz der Deutsch-Französischen-Gesellschaft übernommen und gilt gemeinhin als Motor für die Partnerschaft mit der französischen Stadt Mende. Sein Pedant in der Partnerschaft mit Volterra in Italien ist Susanne Sommer, die die Deutsch-Italienische Partnerschaft 2005 gründete und ihr seit dieser Zeit vorsitzt. Beide, Susanne Sommer und Richard Beilein, informieren in Vorträgen die Bürger über das Geschehen in den Partnerstädten und organisieren Fahren und Schülerbegegnungen in Mende und Volterra.

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