Ausstellung des Kunstvereins Hof Abschüssiger „Hofkunstweg“

Ralf Sziegoleit

Der Hofer Kunstverein hat seine Jubiläumsausstellung im Alten Landkrankenhaus eröffnet. Wie immer ist die „Kunstsaat“ – inzwischen ist es die 25. Auflage – geprägt von Vielfalt. Dazu gehört auch Zeitkritisches.

Der temporäre Biergarten am Kulturplatz „Altes Landkrankenhaus“ in Hof war bei der Ausstellungseröffnung des Hofer Kunstvereins voll besetzt. Foto: Dietmar Harms

Hof - 25 Jahre hat der Verein hinter sich, doch gerade jetzt ist er durch den Verlust der Galerie im Theresienstein in seiner Existenz gefährdet. Zum Glück bot der Samstagabend beste Voraussetzungen, um die Sorgen zu vergessen. Die Sonne schien, der temporäre Biergarten hinterm Haus war voll besetzt. Hausherr Hans-Jürgen Wittig, nun zweiter Vorsitzender im Hofer Kunstverein, schilderte die 150-jährige Geschichte des ehemaligen Landkrankenhauses, das er seit 2016 als Kulturplatz nutzt. Moderne Kunst trifft dort auf den morbiden Charme bröckelnder Wände.

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Bei der nun eröffneten Ausstellung handelt es sich um die 25. Auflage der traditionellen „Kunstsaat“, zu der die Mitglieder diesmal je drei Arbeiten einreichen durften. Nur einer, der 35-jährige Georgier Goga Chedia, zeigt mehr: Seine raumfüllende Installation umfasst 70 kleine Bilder und einen blau bemalten Bodenbelag. Der studierte Künstler befreit sich mit dieser Fleißarbeit von akademischer Malerei, bleibt aber der Landschaft treu, die er nun so weit reduziert, dass von den Formen nur Kürzel bleiben und Farbe die Hauptrolle spielt.

Einen Schwerpunkt in der Ausstellung setzen Arbeiten, die sich auf die aktuelle Situation des Kunstvereins beziehen. Während Daniel Trzcielinskis Bild „25 Years“ als Problemlösung örtliche Veränderung ins Auge fasst, zeigen Fotografen einen abschüssigen „Hofkunstweg“ und ein wankendes Haus Theresienstein. Einer unbegehbaren und ins Nichts führenden Treppe gibt Wolfgang Müller den aufs Rathaus verweisenden Titel „Fachbereich 41“, Bildhauer Walter Busch bietet ein „Rettungsboot“ an.

Wie immer wird die „Kunstsaat“ durch Vielfalt geprägt. Zu sehen ist Humorvolles und Kritisches, Buntes und fein Abgestuftes, neben Evi Thurnbergers gemütlichem „Hofaweng“ ängstigt ein „Verschollener“ von Tobias Schnotale. Der 75-jährige Berliner Hans Gert Winter begibt sich auf neue Wege mit Aquarellen, die durch inhaltliche und perspektivische Brüche irritieren, die Hoferin Julia Tiefenbach überrascht mit der Verfremdung architektonischer Formen; ihre dreiteilige Serie „Transparenz“ imponiert als Pendant zu den Arbeiten des verstorbenen Konstruktivisten Kurt Teuscher. Auf der Skulpturenwiese ist Valeri Moskovs kupfernes Geflügelpaar auf der Flucht; ein üppiger Torso von Wolfgang Stefan erinnert an die 30 000 Jahre alte Willendorfer Venus und plädiert für „Nachhaltigkeit“.

Gut zu wissen
Die Ausstellung ist samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Am Schlusstag, dem 29. August, laden das Ehepaar Wittig und der Kunstverein zur Finissage bei Kaffee und Kuchen ein. Bis dahin wird auch die umfangreiche Festschrift „25 Jahre Kunstverein Hof“ vorliegen und für zwölf Euro erhältlich sein. Unter dem gleichen Titel wie das Buch, doch zum Preis von 250 Euro, bietet der Kunstverein in 25er-Auflage eine Mappe mit Gratulationsgaben von 20 Künstlerinnen und Künstlern an. Die darin enthaltenen Blätter nehmen einen Sonderplatz in der Ausstellung ein.