Ausstellung Schreiend stille Werke

Ralf Sziegoleit
Marion Lucka, Künstlerin aus Thierstein. Foto: asz

Wie weit und breit niemand sonst malt Marion Lucka Bilder, die schmerzerfüllt und zugleich erotisch sind. Jetzt stellt sie wieder einmal in der Kunstgalerie Altes Rathaus aus.

Die Schau in Schwarzenbach an der Saale, die 33 Bilder umfasst, trägt einen Titel, bei dem man erst einmal stutzt: „still leben“. In der Kunstgeschichte wird der Begriff, der die Darstellung toter oder regloser Gegenstände benennt, groß- und zusammengeschrieben. Hier nun erhält er eine neue Bedeutung. Galerieleiterin Swanti Bräsecke-Bartsch, die sich dies einfallen ließ, sagt, sie sei inspiriert worden von der Zeit, in der wir leben. Die Pandemie habe vieles zum Stillstand gebracht, und es erweise sich als schwierig, da wieder herauszukommen. Und nun sind da diese Bilder, die dazu passen. Bilder, die „Sommerdunkel“ oder „Herzschmerz“ heißen. Oder, tatsächlich, „Schreiendes Stillleben“. Da gehen Münder auf, zeigen Zähne und schreien, weil sie verletzt sind und nicht still sein können. Schon seit drei Jahrzehnten malt die 1963 in Kaiserhammer geborene Marion Lucka Bilder, die nur eine Deutung zulassen: Sie sind ein Aufschrei der Seele. In jüngster Zeit aber hat sie ihr Œuvre um Motive erweitert, in deren Mittelpunkt Blumen – oder etwas, das Blumen ähnlich sieht – stehen, präsentiert in Vasen oder in etwas, das wie Vasen aussieht. „Stillleben“ mit Zeichen oder mit Vögeln, mit Rosen oder Zitronen. Aber richtig dekorativ und nett sind allenfalls die „Friedlichen Blumen“ geraten. Das andere – das Gespenstische, die Tränen, die Schnitte in der Haut, das Blut – ist immer dabei. Und es muss dabei sein, sagt die Galerieleiterin, „nur nett passt einfach nicht“.

Marion Lucka malt ohne Plan. Manchmal von Träumen angeregt, aber meist lässt sie sich treiben. Im Ergebnis verbindet sich fantastischer Realismus mit der Malerei der sogenannten Naiven. Wichtig ist ihr, dass die Gesamtwirkung der Bilder so harmonisch wird, wie ihr Leben selten gewesen ist. Und dazu verhilft ihr ein besonderes Talent: die Fähigkeit, Verwandlungen, Umformungen, Metamorphosen so zu steuern, dass sich alles, was da wächst und wuchert, all das Ornamentale und Uneindeutige, von dem auch Lucka oft nicht weiß, was es „bedeuten“ soll, auf wunderbare Weise zusammenfügt. Auch ein blaues Urlaubsbild, das an glückliche Tage erinnert, ist dabei, und es gibt Gemälde, auf denen sich Menschen – oder besser „Wesen“ – als „Wir 2“ und „Wir 3“ präsentieren.

Bis zum 6. November, geöffnet sonntags von 14 bis 16, freitags von 16 bis 18 Uhr, außerdem nach telefonischer Vereinbarung mit der Stadt: 09284/93331.

 

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