Ausstellung Zeugnisse einmaliger Schnitzkunst

Herbert Scharf
Interessierte Teilnehmer an der Ausstellungseröffnung von „Allerley Kunststück – Reliefintarsien aus Eger“. Foto: Herbert Scharf

Das Egerlandmuseum Marktredwitz zeigt Relief-Intarsien – kunsthistorische Raritäten, die im 17. und 18. Jahrhundert ausschließlich in Eger entstanden sind. Sie zeichnen sich durch akribisch gearbeitete Details aus.

 
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Die Kunstwerke, die das Egerlandmuseum Marktredwitz ab sofort in der Ausstellung „Allerley Kunststück – Reliefintarsien aus Eger“ zeigt, sind kunsthistorische Raritäten. Denn: Sie sind dreidimensional, und sie wurden ausschließlich im Eger des 17. und 18. Jahrhunderts hergestellt. Bei der Ausstellung handelt es sich um ein gemeinsames Vorhaben des Marktredwitzer Museums mit dem Sudetendeutschen Museum in München und dem Nachbarmuseum in Eger.

Ganz besondere Ästhetik

Die Intarsien-Schränke und -truhen sowie andere damit veredelte kunsthistorische Werke aus Holz faszinieren durch ihre virtuose Schnitztechnik, durch akribische Details und mikroskopisch kleine Einlagen: eine Schnitzkunst, die den Möbeln, Kabinettschränken, Schatullen, Brettspielen oder Bildtafeln eine ganz besondere Ästhetik verleiht.

Die Fertigung der Stücke war nicht nur sehr kompliziert und langwierig, sondern deshalb auch sehr teuer. Motive sind Geschichten aus der Bibel, historische Ereignisse oder auch bekannte Persönlichkeiten. Diese wertvollen und teuren Stücke konnten sich nur reiche Adelige, Landesherren, Geistliche oder andere betuchte Bürger leisten. Auch der Egerer Magistrat gab einst viele Bestellungen auf; zum Beispiel als Geschenke im Dreißigjährigen Krieg.

Sammlung einer Egerer Familie

Der Großteil der Sammlung, die nun im Marktredwitzer Egerlandmuseum zu sehen ist, stammt aus dem Besitz der aus Eger stammenden Familie Pasold. Eric W. Pasold (1906 bis 1978) leitete in Eger eine große Wirkwarenfabrik mit einem 1932 eröffneten Zweigwerk in Langley bei London. Nach der Vertreibung im Jahr 1945 kaufte er Reliefintarsien und legte damit den Grundstein für diese einmalige Sammlung, die heute eine Dauerleihgabe des Sudetendeutschen Museums in München ist.

Bei der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend begrüßte Oberbürgermeister Oliver Weigel eine Reihe von Ehrengästen mit Ralf Heimrath, dem Kuratoriumsvorsitzenden der Egerland-Kulturhaus-Stiftung, Günther Wohlrab, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes der Egerländer Gmoin, Museumsleiter Volker Dittmar, Stefen Planker, dem Direktor des Sudetendeutschen Museums sowie Colin J. Pasold und Karin von Joest-Pasold willkommen.

Filigrane Kunstwerke

Weigel freute sich, dass die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Egerländer Museum in München und dem Nachbarmuseum in Eger zustande gekommen sei. Besonders bedankte er sich bei der Familie Pasold, die die wertvollen Stücke dem Münchner Museum als Dauerleihgabe überlassen hat.

„Die Reliefintarsien sind Zeugnisse einer einmaligen Schnitzkunst, filigrane Kunstwerke, die wohl heute nicht mehr in dieser Form geschaffen werden könnten“, sagte der Marktredwitzer Oberbürgermeister. Er dankte auch allen, die die Ausstellung ermöglicht hatten, darunter die Oberfrankenstiftung, der Kulturfonds Bayern und die Stiftung Egerer Stadtwald.

Museumsleiter Dittmar schloss sich dem Dank an und freute sich, dass es dank dem Sammler Eric W. Pasold zu jedem einzelnen Stück einen Herkunftsnachweis oder eine Geschichte gibt. „Schließlich ist diese einzigartige Schnitzkunst ausschließlich in Eger – keine 30 Kilometer von Marktredwitz entfernt – zu Hause gewesen.“

Der Eröffnung schloss sich ein Abend mit musikalischer Umrahmung im Saal des Egerland-Kulturhauses mit zahlreichen Gästen an. Dabei sprachen der zweite Bürgermeister Horst Geißel, es folgten Grußworte von Günther Wohlrab und von Eva Haupt, Kuratorin des Sudetendeutschen Museums. Professor Jochen Voigt referierte über „Reliefintersien aus Eger“.

Die Ausstellung im Egerland-Museum in Marktredwitz, Fikentscherstraße 24, ist bis zum 29. Oktober zu sehen. Sie ist dienstags bis sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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