Bad Steben Kinder legen Blühwiese vor ihrer Schule an

Sandra Hüttner

Die Grundschüler aus Bad Steben schaffen gemeinsam mit heimischen Land­wirten ein blühendes Paradies für Insekten. Artenvielfalt ist auch im Unterricht ein Thema.

Vor der Bad Stebener Grundschule entsteht ein blühendes Paradies für Insekten: Die Kinder haben bei einem Schulprojekt eine Blühwiese angelegt und dabei viel über Artenvielfalt gelernt. „Wir wollen uns als Schule ökologisch aufstellen und zeigen, dass man auch im Kleinen die Artenvielfalt fördern kann“, erklärte dazu stellvertretender Schulleiter Gerhard Fischer. Bisher sei die Wiese vor der Schule regelmäßig gemäht worden und in der Sommersonne sogar oft verbrannt. „Was nicht schön ausschaut und auch niemandem etwas bringt“, sagt Fischer.

Kooperation zwischen Schule, Kommunen und Landwirtschaft

So entstand die Idee für das Blühwiesen-Projekt. Mit ins Boot holte man in einer Kooperation zwischen Schule, Landwirten und den Schulverbands-Kommunen Bad Steben und Lichtenberg Fachleute aus dem Gemeindegebiet: Christian Rank vom Frankenwaldhof mit Biolandwirtschaft und Landwirt Christoph Gebelein vom Heidehof – beide in Obersteben ansässig. Die Landwirte bereiteten die Fläche von 350 Quadratmetern für die Aussaat vor. Das Saatgut – gebietsheimisches Samenmaterial aus Wildpflanzen – spendierte der Frankenwaldhof. „Knapp zwei Kilogramm Samen braucht es für die Fläche. Da die Kinder bei der Aussaat mithelfen, haben wir diesen mit Erbsenschrot gestreckt“, erklärt Christian Rank, selbst Vater dreier kleiner Söhne. „Die Erbse ist eine alte seltene Kultursorte und durch die helle Farbe sehen die Kinder, wo ihr Saatgut zum Liegen kommt.“

Was fürs Auge

Bevor es ans Aussäen ging, mussten von der vorbereiteten Fläche noch die letzten sogenannten Grassoden aufgelesen werden, damit später in der Blühwiese nicht zu viel Gras wächst. Dabei halfen die Kinder eifrig mit, stapften über die staubige Fläche und sammeln die Grasreste ein.

Christian Rank erklärt, dass das Saatgut für eine längerfristig blühende Wiese gedacht sei. Um den Kindern aber schon im ersten Jahr etwas fürs Auge bieten zu können, wurden auch Samen von Kornblume, Klatschmohn und Ackerhundskamille untergemischt, die sich bald zeigen. „Die Kinder brauchen ein Erfolgserlebnis“, sagt Rank.

Bürgermeister auf dem Traktor

Dann endlich ist es so weit: Aus einer Kiste durfte jeder einen Becher voller Blühwiesensamen schöpfen. Dann warfen alle 92 Kinder samt ihren Lehrkräften das Saatgut aus. Auch Bürgermeister Kristan von Waldenfels aus Lichtenberg sowie stellvertretender Bürgermeister Maximilian Stöckl aus Bad Steben schlossen sich an. Christian Rank gab Tipps: „Flach über den Boden ausstreuen, damit der Samen nicht wegfliegt.“ Nach der Aussaat stand das Festwalzen an. Dazu setzten sich die Bürgermeister auf den Traktor – ein Spektakel, das die Kinder mit viel Spaß beobachten.

„Die restliche Wiesenfläche wollen wir wachsen lassen, natürlich belassen ohne stetigen Schnitt, sodass die Blumen wachsen können“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Gerhard Fischer. Die Kinder wurden bereits im Schulunterricht auf die Aktion vorbereitet. Warum Blühwiese wichtig sind, wissen sie: Insekten brauchen die Blüten als Nahrung und Rückzugsraum – vor allem auch die Bienen zur Honig-Gewinnung.

Nahrungsquelle auch für Vögel

„Blühwiesen tragen zum Arterhalt vieler Insekten bei und sind zugleich Nahrungsquelle beispielsweise von Vögeln“, erklären die Fachleute. So vertilge ein Meisenpaar im Jahr bis zu 30 Kilogramm Insekten. Die Landwirte machen keinen Hehl daraus, dass man mit einer solchen Fläche nicht die Welt retten könne, aber immerhin einen Beitrag leisten.

„Ihr könnt in der Zukunft die richtigen Entscheidungen für eine intakte Umwelt treffen“, gab Christian Rank den Grundschülern mit auf den Weg.

 

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