Bad Steben Nachwuchs-Feuerwehrmann glänzt im Ernstfall

Sandra Hüttner
Von dem Thujabaum steht nur noch ein verkohltes Gerüst Foto: /Hüttner

Tim Neidhardt aus Bad Steben sieht im Garten einen Baum brennen. Für seine Reaktion bekommt er viel Lob aus der aktiven Feuerwehr.

Plötzlich stand der fast fünf Meter hohe Thuja-Baum, nah am Balkon gewachsen, in Flammen. Doch der 15-jährige Tim Neidhardt aus Bad Steben reagiert richtig, setzt den Notruf ab und greift dann zum Gartenschlauch und fängt an zu löschen. Gelernt ist halt gelernt. Tim war schon in der Kinderfeuerwehr bei den Bad Stebenern Brandschützern, wechselte zum zwölften Geburtstag in die Jugendgruppe der Stützpunktwehr.

Rückblick: Tim kommt wie jeden anderen Tag von der Schule, will die Hausaufgaben erledigen, ist allein im Haus. Da bemerkt er Rauchgeruch. Vom Balkon aus schaut er in den Garten. „Im ersten Moment habe ich nur Rauch gesehen, bin runter ins Wohnzimmer und habe den Notruf abgesetzt, dann raus und den Gartenschlauch geschnappt“, erzählt der 15-Jährige. Den Brand hatte auch das Personal der Luther-Kita entdeckt und ebenfalls Alarm geschlagen.

Kreisbrandmeister und Bad Stebener Kommandant Michael Horn war gerade auf dem Weg zu einem Einsatz im Geroldsgrüner Ortsteil Hirschberglein als die Alarmierung „B 3 – Feuer am Gebäude“ aufläuft. „Ich habe sofort gewendet und konnte auf der Rückfahrt bereits die hohe Rauchsäule inmitten der Häuser sehen und dachte nur, dass wird brisant“, erzählt Horn.

Doch es sollte anders kommen, denn der 15-jährige verhindert couragiert und besonnen Schlimmeres. „Die sofortigen Löschmaßnahmen waren so effektiv, sodass am Gebäude kein Schaden entstand, lediglich der Sonnenschirm auf dem Nachbargrundstück ist in Mitleidenschaft gezogen worden“, sagt Michael Horn und lobt den jungen Brandschützer für sein vorbildliches Verhalten. „Man mag gar nicht daran denken, was ohne das beherzte Eingreifen hätte passieren können.“

Tim Neidhardt gibt gern zu, dass er froh war, das Martinshorn zu hören und erfahrene Brandschützer das Kommando übernahmen. „Wir führten Nachlöscharbeiten durch, wässerten die Wiese und kontrollierten mit der Wärmebildkamera“, erklärt der Kommandant, der eine Selbstentzündung aufgrund der hohen Temperaturen vermutet. „Aber das sind nur Spekulationen“, betont er.

Jugendwart Jörg Haase ist stolz auf seinen Schützling und lobt den jungen Brandschützer als sehr engagiert, der auch bei Übungen der aktiven Wehr immer mit dabei sei. „Er ist Feuer und Flamme für die Feuerwehr – auch wenn dies in diesem Zusammenhang wohl falsch klingen mag, aber Tims Einstellung auf den Punkt trifft.“ Der Jugendwart sieht genau in solch engagierten Jugendlichen die Zukunft der aktiven Wehr. „Bereits ab der Kinderfeuerwehr werden die Mädchen und Jungen auf das richtige Absetzen des Notrufes getrimmt. Und man sieht ja, dass das stetige Üben und Verinnerlichen Früchte trägt“, sagt der Jugendwart. „Tim konnte die Gefahr richtig einschätzen, und dazu hat die Ausbildung beigetragen.“

Haase erzählt, dass gerade bei Berufsfeuerwehrtagen die Jugendlichen üben, simulierte Brände zu löschen und lernen, was im Alleingang zu gefährlich ist. „Wenn beispielsweise Plastik in Spiel ist, könnten giftige Dämpfe freigesetzt werden, da müssen Atemschutzgeräteträger zum Einsatz kommen“, erklärt der Jugendwart.

Kommandant Horn erinnert an die abgelegten Prüfungen des jungen Brandschützers mit Jugendflamme Stufe 1 und 2, an den Wissenstest in den Jahren 2019 und 2021 und an die Bayerische Jugendleistungsprüfung in Rehau vom vorigen Samstag.

Es ist alles gut ausgegangen. „Aber es war schon sehr aufregend, vor allem selbst plötzlich mitten im Geschehen zu stehen“, erzählt Tim Neidhardt, der die achte Jahrgangsstufe der evangelischen Schule in Naila besucht. „Den Rest des Tages war ich ziemlich aufgewühlt und bin richtig froh, dass alles so glimpflich ausgegangen ist.“

 

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