Bahn-Ausbau Lärmschutz geht auf Kosten der Optik

Im Rahmen des Ausbaus der Eisenbahnstrecke sind entlang der Trasse Schallschutzmaßnahmen geplant. Foto: pr.

So langsam wird es ernst mit dem Lärmschutz entlang der Bahnstrecke in Marktleuthen. Dass er im Zuge der Elektrifizierung errichtet wird, steht außer Frage. Nun geht es um die Gestaltung. Aus den Sozialwohnungen am Hermenteil wird nichts. Der Investor ist abgetaucht.

Der Schutz der Anwohner vor dem Lärm der Züge ist Bestandteil der Ausbaupläne im Rahmen der Elektrifizierung der Bahnstrecke. Maximal 1,5 Prozent der projektierten Kosten wird dafür aufgewendet. In Marktleuthen sollen Lärmschutzwände den Verlauf der Gleise außer dem Bahnhofsareal fast komplett begleiten, in Großwendern ebenfalls. Auch für Habnith ist Schallschutz vorgesehen.

Bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates informierte Bürgermeisterin Sabrina Kaestner (CSU) zu den Plänen und der Gestaltung. Der geplante Verlauf ist unter https://www.bahnausbau-nordostbayern.de/planungsergebnisse-kirchenlamitz-und-marktleuthen.html zu finden. Drei Varianten bietet die Bahn dafür an. Allen gemeinsam ist die Höhe von vier Metern. Transparente Paneele gibt es nur in „ortsbildprägenden“ Bereichen. Für Marktleuthen ist dies am Viadukt der Fall. Alle anderen Abschnitte erhalten entweder Alukassetten in beige, grün oder teiltransparente Elemente. Die halten zwar den Schall ab, aber stören auch den Ausblick.

Drei Varianten

Die Optik gibt vielen zu denken. So fragte sich Stadtrat Michael Geiser (SPD), wie diese Wände wohl in zehn Jahren aussehen. Ob sie jemand pflegt und reinigt oder ob sie womöglich irgendwie dekoriert werden können, sei es mit Farbe oder Begrünung. Meterhohe undurchsichtige Wände findet keiner schön. Stadtrat Michael Stockhammer hält es für wünschenswert, möglichst viele Abschnitte als „ortsbildprägend“ zu definieren, damit für sie die transparente Variante infrage kommt. Stadträtin Birgit Kassing (WG) wünscht sich eine einheitliche Gestaltung. Aus dem Gremium kam die Überlegung, ob es überhaupt Schallschutz brauche, nachdem ja die Achsen und Rollgeräusche schon erheblich optimiert worden seien.

Vier Meter hohe Paneele

Der Schallschutz sei beschlossene Sache, erklärte Sabrina Kaestner. Die Bürgermeisterin schlug vor, die Entscheidung zu vertagen und für die nächste Stadtratssitzung einen Referenten der Deutschen Bahn zu bitten, die Thematik noch einmal zu erläutern, damit alle Beteiligten mit aktuellem Informationsstand eine bessere Entscheidungsgrundlage erhalten. Damit waren alle einverstanden.

Des Weiteren informierte die Bürgermeisterin über die Baumaßnahme zur Umgestaltung des Marktplatzes: Hier wird die Decke der Staatsstraße erneuert. In dem Zusammenhang nimmt die Stadt auf ihren Flächen Umgestaltungen vor: Beete werden angelegt, Bäume gepflanzt, die Parkbuchten verbreitert und die Verkehrsführung durch gestalterische Elemente sicherer gemacht. Die Gehwege erhalten neue Asphaltdecken.

Die Arbeiten, die das Selber Unternehmen Fröber ausführt, haben bereits begonnen. Der Abschnitt im Bereich der ehemaligen Brauerei und des Pfarrhauses wird noch heuer fertig gestellt, der Rest im kommenden Frühjahr, informierte Bürgermeisterin Sabrina Kaestner.

Investor zieht zurück

Zu einer vor zwei Jahren groß angekündigten Baumaßnahme auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule nahm die Bürgermeisterin ebenfalls Stellung: Tom Höder aus Oberbayern hatte mit seiner Firma WSH Innobilien am 25. November 2020 im Gremium seine Pläne für Mehrfamilienhäuser für den sozialen Wohnungsbau vorgestellt. Dafür hatte er sich ein Grundstück am Hermenteil reservieren lassen, der Flächennutzungsplan hätte einer Änderung bedurft. Zwischendurch ließ Höder auf Nachfrage wissen, er habe das Projekt an einen Partner abgegeben, der das Grundstück erwerben wollte.

Sabrina Kaestner teilte mit, bislang sei nichts passiert, die Reservierungsfrist sei mittlerweile ausgelaufen. „Wir haben seit einem Jahr nichts von Höder oder seinem Partner gehört“, sagte das Marktleuthener Stadtoberhaupt.

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