Darüber hinaus nutzt dem Freistaat das Sondervermögen des Bundes für Investitionen. Von den knapp 7 Milliarden Euro aus der ersten Tranche aus Berlin gehen zwar 5 Milliarden Euro an die Kommunen, die restlichen 2 Milliarden Euro verbleiben aber im Staatshaushalt. Das Geld soll für den Hochschulbau, den Staatsstraßenbau, die IT-Infrastruktur der Steuerverwaltung, für die Polizei und Universitätskliniken, die Förderung des Privatschulbaus sowie Hochwasserschutzmaßnahmen eingesetzt werden.
Ferner setzt der Freistaat auf sinkende Migrationsausgaben – für 2026 ist ein Rückgang von rund 281 Millionen Euro und für 2027 um weitere rund 145 Millionen Euro eingeplant. Die Ausgaben für die Bereiche Asyl und Integration werden statt 6 nun auf rund 5,3 Milliarden Euro für den Doppeletat beziffert.
Was sind die Gründe für einen Haushalt ohne Neuschulden?
In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Gedankenspiele gegeben, ob Bayern von dem seit 2006 geltenden Grundsatz abweicht und neue Schulden macht. Auch Söder hatte dies ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Füracker nannte die Aufnahme von Schulden "Ultima Ratio", also den letztmöglichen Weg. Denn die damit verbundene Zinslast mache die Aufstellung künftiger Haushalte noch schwieriger, schränke finanzielle Spielräume noch weiter ein. Gleichwohl hätte die gesetzliche Regelung neue Kredite von etwa 2,3 Milliarden Euro gestattet, das sind 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Dass es nun ohne geht, kann man parteitaktisch auch als Zeichen an die Anhänger von CSU und Freien Wählern verstehen. Gerade im bürgerlich-konservativen Milieu werden neue Schulden sehr kritisch beäugt – auch wenn sie für Sozialausgaben entstehen. Die CSU nennt ausgeglichene Haushalte seit Jahrzehnten als einen ihrer Markenkerne.
Schuldenfrei ist Bayern aber dennoch nicht. Zum Ende des laufenden Jahres belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 36 Milliarden Euro. Knapp 19,5 Milliarden Euro davon stammen aus Altschulden, 9,8 Milliarden Euro aus dem Sonderfonds für die Bewältigung der Corona-Krise und etwa 7 Milliarden Euro aus der Rettung der Bayerischen Landesbank. Das einstige Ziel, Schuldenfreiheit bis 2030, ist schon lange nicht mehr erreichbar.
Wofür wird das Geld ausgegeben?
Knapp 40 Prozent des Budgets fließen in Personalkosten. Für Bildungs- und Forschungsausgaben sind 59,5 Milliarden Euro vorgesehen, knapp 13 Milliarden Euro fließen in den kommunalen Finanzausgleich. Mit rund 17 Prozent erreicht die Investitionsquote zudem einen neuen Rekord – in Summe sind das rund 28,6 Milliarden Euro. "Am Ende gibt es in diesem Haushalt eine Milliarde mehr für Wissenschaft und allein 600 Millionen mehr für den Ausbau der Hightech-Agenda", sagte Söder. Dazu zählten auch Anschubfinanzierungen für Projekte wie die Gigafactory und die Kernfusion.
Nachdem für 2026 ein Stellenmoratorium gilt, werden für 2027 wieder 2.700 neue Stellen ausgewiesen – darunter 1.500 für neue Lehrer wegen sehr stark steigender Schülerzahlen und 400 Stellen für multiprofessionelle Teams, also etwa Sozialpädagogen. Die restlichen Stellen gehen an Polizei, Justiz, Cybersicherheit und in das geplante Abwehrzentrum für Drohnen.
Was wurde sonst noch beschlossen?
Bayern schränkt die Teilzeit-Möglichkeiten für Beamte ein. Beispielsweise wird bei familienpolitischer Teilzeit das Kindeshöchstalter auf 14 Jahre abgesenkt und die Mindestquote auf 30 Prozent erhöht. Ansonsten bleiben es 50 Prozent.
Es soll zudem eine Kommission unter Vorsitz von Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) geben, die die staatlichen Verwaltungs- und Behördenstrukturen und die Aufgabenverteilung überprüfen soll. Man wolle Doppel- und Dreifachstrukturen abbauen, sagte Söder. Dabei gebe es keine Denkverbote und keine Tabus.