Bayreuth/Kulmbach Gewalt kommt nicht in die Tüte

Die Bäckerinnungen aus den Landkreisen Kulmbach und Bayreuth unterstützen die Aktion "Gewalt kommt nicht in die Tüte" der Caritas-Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und des Frauenhauses in Bayreuth. Unser Bild zeigt bei der Vorstellung der Kampagne (von links) Daniela Welzel (Frauenhaus), Sylvia Schatz-Seidel (Geseeser Landbäckerei), Christa Bialas-Müller (Frauenhaus), Nele Beck (Frauenhaus), Christine Ponnath (Leiterin Frauenhaus), Gunhild Scheidler (Caritas), Bozena Schiepert (Geschäftsführerin Caritas), Michael Rindfleisch (Obermeister Bäcker-Innung Bayreuth) und Ralf Groß (Obermeister Bäcker-Innung Kulmbach). Foto: Andreas Harbach

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November erinnern mehrere Aktionen an das Leid misshandelter Frauen. Auch Bayreuth und Kulmbach sind dabei.

Bayreuth/Kulmbach - Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und sexualisierter Gewalt betroffen. Im vergangenen Jahr gab es 115 000 weibliche Gewaltopfer. Am 25. November am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen wird in mehrfacher Weise an das Leid von Frauen weltweit erinnert.

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Die Caritas, die Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt und das Frauenhaus in Bayreuth haben sich in diesem Jahr die Kampagne "Gewalt kommt mir nicht in die Tüte" ausgedacht. Dazu holten sie sich die Innungsmeister des Bäckereihandwerks, Michael Rindfleisch (Bayreuth) und Ralf Groß (Kulmbach), mit ins Boot.

Denn Brot ist ein regionales Produkt, das verbindet. "Brot bietet uns ein Fundament, Brot nährt und Brot stärkt", sagte Christine Ponnath, die Leiterin des Frauenhauses am Freitag in einem Pressegespräch über die Aktion. Von jedem verkauften Brot geht ein Teil als Spende an das Frauenhaus.

Eine Einrichtung, von der immer noch viel zu wenige Frauen und Mädchen wissen. Das Haus, in dem sie Schutz vor gewalttätigen Männer finden. Frauen aus dem Landkreis Kulmbach finden dort zum Beispiel ebenso eine Zuflucht, da der Kreis das Frauenhaus unterstützt.

Und so ein sicherer Ort ist für Gewaltopfer bitternötig. Der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes zufolge ist Gewalt in Paarbeziehungen keine Seltenheit. Männer fügten 80 000 Frauen jährlich eine vorsätzliche Körperverletzung zu. In etwa 300 Fällen kam es nach Angaben der Polizei zu versuchten oder vollendeten Mord- und Totschlagsdelikten. Dazu kommen sexuelle Nötigung, Stalking, Vergewaltigung und Zwangsprostitution. Die Dunkelziffer ist hoch, da viele gewalttätige Übergriffe überhaupt nicht zur Anzeige gebraucht werden. Häusliche Gewalt findet sich in allen sozialen Schichten und jeder Altersgruppe.

Das unterstrich die Geschäftsführerin des Caritas-Verbandes Bozena Schiepert: "Gewalt kann eine große Dimension haben. Sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Zwangsprostitution, Zwangsheirat oder körperlich Gewalt in Form von Schlägen." Hinzu komme eine stille Form von Gewalt: Missachtung, Geringschätzung, üble Nachrede, Beleidigungen, Hass, Beschimpfungen. "Gewalt passiert nicht nur in fremden Ländern, sie passiert auch bei uns. Sie kann zu Hause passieren, in der Schule, im Sportverein, am Arbeitsplatz."

Mit der "herzerwärmenden" Verkaufsaktion würde alle erreicht, Männer, Frauen, Kinder, Jugendliche. "Jeder kann die Botschaft verstehen und sein eigenes Verhalten reflektieren."

Christine Ponnath und Christa Bialas-Müller vom Frauenhaus mussten bei den Bäckern keine große Überzeugungsarbeit leisten. "Das Frauenhaus ist eine wichtige Einrichtung, für die wir gerne werben", sagte der Bayreuther Innungsmeister Michael Rindfleisch. "Während der Corona-Pandemie saßen sich Paare oftmals 24 Stunden lang auf der Pelle." Er könne sich vorstellen, dass dies zu massiven Probleme führen könne.

Jedoch stellte Christine Ponnath während des ersten Lockdowns keine erhöhte Nachfrage fest. "Das sagt nichts darüber aus, dass es keine vermehrte häusliche Gewalt gab." Aber der Schritt, in dieser schwierigen Situation das Umfeld zu wechseln, könnte eine zu große Hürde gewesen sein.

Ralf Groß, Innungsmeister aus Kulmbach, entwickelte sogar ein eigenes Rezept für das "Frauenhausbrot". Dies gab er an die Bäcker weiter, die sich an der Kampagne beteiligen. Groß gründete den Verein regionale und nachhaltige Lebensmittelerzeugung mit. "Das Mehl wird von einem Müller umsonst gemahlen."

Groß macht keinen Hehl daraus, dass nicht auch Bäcker merken würden, wenn ihren Kundinnen Gewalt angetan wurde. "Wir sehen das, wenn eine Frau früh um sechs Uhr mit der Sonnenbrille ins Geschäft kommt."

Ursprünglich war in Kulmbach für den 28. November ein Verkaufstag im Fritz geplant. Wegen der Pandemie wird das Brot jetzt nur in den Bäckereien verkauft. "Wenn von 11 bis 12 Uhr die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden mitmachen, bekommt der, der am meisten verkauft hat, eine Zipfelmütze." Gebacken, versteht sich, und die Gemeinderäte gleich mit. In den nächsten Monaten sollen 30 000 "Frauenhausbrote" über die Ladentheke gehen. Am liebsten bis zum 8. März 2021, dem Internationalen Frauentag.

Die Brote werden in folgenden Bäckereien in Stadt und Landkreis Bayreuth verkauft: Bäckerei Nitschke (Bayreuth), Bäckerei Zollinger (Bayreuth), Bäckerei Feulner (Eckersdorf), Fuhrmanns Backparadies (Bayreuth), Bäckerei Schatz (Gesees).

Im Stadt und Landkreis Kulmbach beteiligen sich: Bäckerei Schwab (Trebgast), Bäckerei Grünwehrbeck (Kulmbach), Bäckerei Müller (Kasendorf), Bäckerei Dumler (Kupferberg), Bäckerei Hutzler (Wirsberg).

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen wird am Mittwoch zudem zu einer Lichterkette in der Fußgängerzone Maximilianstraße. "Frauen stehen auf" will auch auf die zunehmende Zahl weiblicher Todesopfer aufgrund von Gewaltakten aufmerksam machen. Veranstalter sind die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bayreuth, die evangelischen Dekanatsfrauenbeauftragten, das katholische Dekanat und die Verdi-Frauen. Pfarrerin Manja Brall hält zuvor eine Andacht in der Stadtkirche. Für eine Woche hängt auf dem La-Spezia-Platz die blaue Fahne mit der Aufschrift "Frei leben - ohne Gewalt".

 
 

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