Lobbes: "Momentaufnahme dessen, was gerade möglich ist"
"Wir tun uns immer so schwer mit so Superlativen, weil Theater gerne gerade mit neuen Technologien hausieren geht", sagt Lobbes. "Aber ich würde sagen, außerhalb der Unterhaltungsindustrie ist es das größte Projekt weltweit, was derzeit da stattfindet. Und deshalb ist das schon ein schönes Alleinstellungsmerkmal, weil es ja auch wirklich nur diesen Sommer kommt und dann nie wieder gezeigt wird." Aus gutem Grund: "Bei der rasanten Entwicklung wäre das schnell völlig überholt. Das ist wirklich eine Momentaufnahme dessen, was gerade möglich ist."
Einer der Vorteile für die inzwischen nahezu flächendeckend vom finanziellen Kahlschlag bedrohten Theater- und Opernhäuser liegt auf der Hand: Eine KI-Produktion kann im Vergleich zu großzügig ausgestatteten Inszenierungen mit opulentem Bühnenbild günstiger sein.
Kürzere Probezeiten, automatisierte Beleuchtung
Schon allein an Probenzeiten werde deutlich gespart, sagt Lobbes. "Wir haben genau vier Tage mit dem Ensemble und einen Hauptdurchgang - und dann geht's raus." Nicht einmal Beleuchtungsproben brauche er für seine Produktion: "Auch das Licht ist KI-gesteuert."
Detlev Baur, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Die Deutsche Bühne", sieht einen großen gesellschaftlichen Umbruch, der auch das Theater beeinflusse. "Künstliche Intelligenz verändert unsere Gesellschaft seit Jahren massiv. Und schon deswegen muss sie im Theater, das gesellschaftliche Entwicklungen kritisch begleitet, eine Rolle spielen", sagt er der dpa.
Das könne in Form von eher traditionellen Texten und Inszenierungen der Fall sein. "Oder es findet in multimedialen Projekten statt" - wie eben jetzt auf dem Grünen Hügel.
"Die Verweigerung, sich mit neuer Technik zu beschäftigen in den Häusern in den letzten 30 Jahren war ein Irrweg, weil wir auch sehr viel Anschluss verloren haben", sagt Lobbes. Inzwischen sehe er aber "zumindest eine sehr große Neugier". "Das wird man nächstes Jahr in den Spielplänen sehen. Plötzlich wollen alle damit rumspielen."
Das "Rheingold" wirkt mit KI quälend lang
Das Problem an seiner Bayreuther Inszenierung: Weil ansonsten jegliches Regiekonzept fehlt und es keinerlei Figurenführung oder auch nur nennenswerte Interaktionen zwischen den Charakteren gibt, wirkt selbst das "Rheingold", der mit Abstand kürzeste Teil von Wagners Tetralogie, quälend lang.
Das Publikum tröstet sich derweil mit dem musikalischen Teil und bejubelt Dirigent Christian Thielemann, der wenige, aber für Bayreuth sehr überraschende Buhs abbekommt, sowie Michael Volle als Wotan und Klaus Florian Vogt als Loge.