In Nagel Jugend will mehr Mitspracherecht

Die jungen Nagler wollen regelmäßige offene Treffen, Sprechstunden mit dem Bürgermeister und der Jugendbeauftragten sowie die Wahl eines Jugendgremiums. Foto: /Christian Schilling

Kreisjugendpfleger Martin Reschke stellt im Gemeinderat das Ergebnis des Treffens vor. Die Anregungen stoßen auf offene Ohren.

Zwei Anliegen brennen anscheinend der Jugend in Nagel besonders auf den Nägeln: ein eigener Treffpunkt und Leberkäs-Semmeln. Das hat die Jugendkonferenz „Denk mit!“ in der Kommune am See ergeben, über die Kreisjugendpfleger Martin Reschke den Gemeinderat in der jüngsten Sitzung informierte.

Beeindruckt zeigte sich Reschke von der Resonanz, auf die die Jugendkonferenz beim Nachwuchs in Nagel gestoßen war. 16 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 21 Jahren hätten mit ihrem Kommen gezeigt, dass ihnen ihr Heimatort am Herzen liegt. „Das ist für eine Gemeinde wie Nagel eine beachtliche Anzahl“, betonte der Kreisjugendpfleger, der mit seinen Mitarbeiterinnen Svenja Faßbinder und Sarah-Alena Thoma vom Landratsamt Wunsiedel sowie der Jugendbeauftragten Hannah Schatz und dem zweiten Bürgermeister Benjamin Preiß die Konferenz im Gemeindezentrum moderiert hatte.

Treffpunkt fehlt

„Alles war liebevoll vorbereitet“, sagte Reschke, und so habe einem konstruktivem Gedankenaustausch nichts mehr im Wege gestanden. In den Themenbereichen Gemeinde-Entwicklung, Mobilität und Versorgung, Freizeit und Vereinsleben sowie Jugendbeteiligung und Jugendbeauftragte habe die Nagler Jugend sowohl Kritik üben als auch Lob aussprechen dürfen. Von den drei Bereichen seien die angesprochenen Probleme allerdings fließend ineinander übergegangen.

Positiv bewerteten die Teilnehmer laut Reschke die gastronomische Vielfalt sowie die Nahversorgung durch einen Bäcker, der auch über ein Lebensmittelsortiment verfügt. Im Mittelpunkt des Lobes hätten der See mit Umfeld, aber auch die renovierte Grundschule mit dem Hartplatz sowie die Feuerwehr gestanden.

Ein großes Thema sei der Zustand der Spielplätze gewesen. Als zentraler Punkt habe sich aber das Fehlen eines Treffpunkts – neben dem See im Sommer – für die Jugendlichen erwiesen. In Nagel fehlten vor allem an den Wochenenden ein Raum mit Ausstattung wie einem Kickertisch und ein überdachter Pavillon im Sommer. Der Kreisjugendpfleger wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Landratsamt die Einrichtung eines Jugendtreffs mit bis zu 1500 Euro fördert.

Freizeitgestaltung am See

„Anscheinend isst die Nagler Jugend gerne Leberkäs-Semmeln“, resümierte Reschke. Denn auf der Wunschliste habe eine seit Langem fehlende Metzgerei ganz oben gestanden. Und auch bei der Freizeitgestaltung im Sommer am See könne die Gemeinde noch nachbessern. Eine Rutsche, ein Sprungturm sowie Stand-up-Paddling würden den Besuch zum Schwimmen laut den Jugendlichen noch reizvoller machen.

Auch der öffentliche Raum könnte demnach noch jugendfreundlicher gestaltet werden. Konkret schlugen die jungen Nagler unter anderem Bänke mit Ladestation für Smartphones, Feuerstellen, einen Büchertauschplatz und öffentliches Wlan vor. Wie die Erwachsenen bemängelt die Jugend den Zustand der Straßen sowie mangelnde Beleuchtung im Ort.

„Als wichtige Institutionen sehen die jungen Bürger neben der Schule auch die Vereine in den Ortsteilen im Gemeindeleben an“, berichtete Reschke. Allerdings sollten die Vereine mehr Eigenwerbung betreiben, um die Jugend zum Mitmachen zu motivieren, und durch erhöhte Transparenz erklären, was in dem jeweiligen Verein passiert.

Wichtiger Standortfaktor

Die Demokratie genieße beim Nachwuchs in Nagel ein hohes Ansehen, fuhr Reschke fort. Denn die Jugend wünsche sich auch ein gewisses Maß an Mitsprache. So wollten sie regelmäßige offene Treffen, Sprechstunden mit dem Bürgermeister und der Jugendbeauftragten sowie die Wahl eines Jugendgremiums. „Sieben Teilnehmer würden für einen Jugendrat kandidieren“, sagte Reschke. Die Jugendpolitik sei durchaus ein wichtiger Standortfaktor.

Benjamin Preiß zeigte sich ebenso angetan von der „professionell betreuten“ Veranstaltung: „Es ist erstaunlich, wie viele sinnvolle und auch umsetzbare Vorschläge aus den Reihen der Teilnehmer gekommen sind.“ Auf diesen Zug sprang Bürgermeister Helmut Voit gerne auf. Er sei dankbar für die Anregungen, von denen der ein oder andere Punkt den Gemeinderat sicherlich in Zukunft beschäftigen werde. Voit versprach, ein Treffen mit den Jugendlichen innerhalb der nächsten vier Wochen zu vereinbaren – und sagte: „Wir werden versuchen, so viele Wünsche wie möglich zu realisieren.“

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