Benefizkonzert in Arzberg Kultur gegen Wahnwitz und Widersinn

Musik und Texte für den Frieden: Im neuen Saal des Arzberger Bürgerhauses gestalteten Irina Kiritschenko, Muck Schemm, Felix Wolf und Thomas Pitzl (von links) ein Benefizkonzert für die Ukraine-Hilfe. Foto: pr.

Die Musikschule Arzberg und Muck Schemm gestalten mit Musik und Texten ein sehr gut besuchtes Benefizkonzert für die Ukraine-Hilfe. Am Ende spenden die Gäste 450 Euro.

Der Anlass war ein bedrückender. Aber gerade weil es darum ging, in bescheidenem Rahmen mit Musik und Texten dem Irrsinn des verabscheuungswürdigen Überfalls von Putins Truppen auf die Ukraine etwas auf lokaler Ebene entgegenzusetzen, waren viele Arzbergerinnen und Arzberger am Samstagabend der Einladung der Städtischen Sing- und Musikschule zu einem kleinen Benefizkonzert gefolgt. Kaum ein Platz im neuen Saal des Bürgerhauses blieb leer, als das „Duo Gitarre pur“ mit Felix Wolf und Thomas Pitzl, Irina Kiritschenko am Klavier und Muck Schemm einen Abend zum Thema „Frieden“ gestalteten. 450 Euro kamen am Ende für die Ukraine-Hilfe zusammen.

Musik und Texte

Angeregt und organisiert hatten das Friedenskonzert Muck Schemm und Thomas Pitzl. In nur wenigen Tagen hatte der Musikschulleiter zusammen mit seinem Gitarrenschüler Felix Wolf und Irina Kiritschenko, die ebenfalls an der Arzberger Musikschule unterrichtet, ein hochkarätiges Programm auf die Beine gestellt. Pitzl steuerte dazu etliche – sehr anspruchsvolle – eigene Kompositionen mit vielversprechenden Titel wie „Dancing Dog“ oder „Cats in the Kitchen“ bei, die das Duo professionell interpretierte. Irina Kiritschenko, die klassische Klavierstücke ebenso inspiriert und exzellent ausdeuten kann wie Popmusik, ist ohnehin immer eine verlässliche Partnerin für jedes Konzert. Sie eröffnete den Abend mit „Forrest Gump Theme“, dem Soundtrack zum vielfach preisgekrönten Film, und erfreute Ohren und Gemüt der Zuhörer mit Titeln wie „Tauben am Himmel“ und „The Spirit of Love“.

Die Arzberger Autorin Muck Schemm hatte vier Textbeiträge ausgesucht, die durchaus eindringlich an die Absurdität von Kriegen erinnerten, jedoch nicht Betroffenheit zum Ziel hatten, sondern zum Sinnieren und zum Teil sogar zum Schmunzeln anregen sollten. So zitierte sie zum Beispiel den Kabarettisten Dieter Hildebrandt mit den Worten: „Wenn es stimmt, dass der Krieg der Vater aller Dinge ist, ziehe ich zu meiner Mutter.“ Ein Dialog zwischen Vater und Sohn, den Karl Valentin 1947 geschrieben hat, führte deutlich den Wahnwitz und Widersinn von Kriegen vor Augen. Dass traurige, kritische und sogar scheinbar aussichtslose Situationen am besten mit Hoffnung und Humor zu bewältigen sind, untermauerte Muck Schemm mit frohgemuten Gedankenkapriolen des Kabarettisten Torsten Sträter.

„Der stille Don“ schließt den Kreis

Bei der Verabschiedung aber wurde die Arzbergerin noch einmal ernst. Sie wies darauf hin, dass sie sich nicht nur Frieden in der Ukraine wünsche, sondern überall auf der Welt. Sie erinnerte an die Kriege zum Beispiel im Jemen, in Mali, Äthiopien und immer noch in Syrien sowie an das traurige Schicksal von Millionen geflüchteter Menschen, die derzeit unter unmenschlichen, perspektivlosen Bedingungen in Lagern in Syrien, Griechenland oder Libyen dahinvegetieren müssten. „In vielen Ländern werden Minderheiten unterdrückt und gequält, zum Beispiel die Uiguren in China“, sagte die Autorin. Auch die Geflüchteten, die 2014, 2015 und in den Folgejahren nach Deutschland gekommen seien, brauchten noch immer Unterstützung und Zuwendung.

Einen intensiven Schlussakkord setzten Irina Kiritschenko, Felix Wolf, Thomas Pitzl und Muck Schemm mit der gemeinsamen Interpretation des Friedenslieds „Sag mir, wo die Blumen sind“. Den Song hatte der amerikanische Singer-Songwriter Pete Seeger 1955 unter dem Titel „Where have all the Flowers gone“ geschrieben, nachdem er drei Strophen des Donkosaken-Lieds im Roman „Der stille Don“ entdeckt hatte. So schloss sich der Kreis zum Ausgangspunkt: der sinnlosen und grauenhaften Brutalität des Kriegs in einem Land mitten in Europa.

Musikschulen positionieren sich
Musikschulleiter Thomas Pitzl kann sich vorstellen, dass das Benefizkonzert am Samstag der Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen sein könnte, um sich gegen den Krieg in der Ukraine zu wenden.
Der Verband deutscher Musikschulen (VdM) sei entsetzt über den von Präsident Putin geführten brutalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und fordere dringend die Einstellung aller kriegerischen und gewaltsamen Handlungen und damit das Ende des Blutvergießens.
„Dieser sinnlose Krieg ist auch ein schwerwiegender Angriff auf die in der UN-Kinderrechtskonvention, in der UN-Menschenrechtskonvention und in den von den Vereinten Nationen verabschiedeten ,Nachhaltigen Entwicklungszielen´ festgelegten Rechten aller Menschen auf Frieden und Freiheit“, zitiert Pitzl aus einer Stellungnahme des VdM.
In der Kultur, wie in allen gesellschaftlichen Bereichen Deutschlands, werde auf den Krieg mit klaren Zeichen der Solidarität reagiert. Die öffentlichen Musikschulen unterstützten mit vielfältigen Angeboten und Aktionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die aufgrund des brutalen Angriffskrieges auf die Ukraine flüchten mussten oder noch in der Ukraine sind.
red

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