Benefizkonzert in Selb Klangfeuerwerk verzaubert und hilft

Jürgen Henkel
Das Polizeiorchester Bayern mit seinem Leiter Johann Mösenbichler überzeugte auf ganzer Linie beim Benefiz-Konzert im Rosenthal-Theater. Foto: /Jürgen Henkel

„Frühlingsluft hören“ nennt das Polizeiorchester Bayern sein Benefiz­konzert im Rosenthal-Theater­. ­Der Lions Club Marktredwitz-Fichtelgebirge sammelt 120000 Euro für Ukrainer.

Das war ein Jubel und ein musikalisches Fest zugleich, auch wenn der Spendenanlass – die Ukrainehilfe angesichts des russischen Angriffskrieges gegen das Land – doch ein trauriger war. Beim Benefizkonzert des Lions Clubs Marktredwitz-Fichtelgebirge schaffte es das Polizeiorchester Bayern, hunderten Zuhörern einen mitreißenden und zauberhaften Musikabend im Rosenthal-Theater zu bescheren und gleichzeitig über 12 000 Euro für Kriegsopfer in der Ukraine und für Flüchtlinge aus dem von Russland überfallenen Land buchstäblich musikalisch „einzuspielen“.

Grandioses Programm

Mit einem grandiosen Programm begeisterte das Polizeiorchester nach zwei Jahren Corona-Zwangspause einmal mehr das zahlreiche Publikum in Selb, darunter auch 22 aus der Ukraine geflüchtete Menschen, einige davon Schulkinder.

Würdevoll erklang am Anfang als Referenz an das tapfere Volk der Ukraine die Nationalhymne des Landes. Alle erhoben sich von den Plätzen und waren in Gedanken bei den Menschen und den vielen Bildern und Nachrichten aus der dem kriegsgeplagten Land.

Temperament und Tempo

Dann aber legte das glänzend aufgelegte Orchester richtig los und brillierte knapp zwei Stunden lang mit einem tempogeladenen wie temperamentvollen Programm unter dem Motto „Frühlingsluft hören“. Die über 40 Musikerinnen und Musiker unter der höchst inspirierten Leitung und Stabführung von Chefdirigent Johann Mösenbichler fetzten mit ihrem fulminanten Klangfeuerwerk schon nach einzelnen Stücken und zur Pause teils minutenlangen Applaus herbei.

Den Auftakt setzte das sinfonische Blasorchester der Bayerischen Polizei mit dem schmissigen Stück „Fanfare for the common man“ von Aaron Copland aus dem Jahr 1942. Die USA hat damals den „normalen Menschen“ entdeckt. Und so gilt diese Fanfare nicht dem musikalisch elitären Publikum, sondern allen Menschen, die Musik lieben. Schon hier führte das Orchester jene Verbindung aus makelloser Präzision, intensivem Ausdruck und überschäumender Spielfreude vor, die den ganzen Abend anhalten und bestimmen sollte.

Ausdrucksstarker Dirigent

Übertrumpfen sich die Musiker bei ihren Darbietungen regelmäßig gegenseitig in ihrer musikalischen Kunst, so ist das alles auch ein Werk des charismatischen Chefdirigenten Johann Mösenbichler. Der Österreicher mit dem ganz besonderen Titel eines „Generalmusikdirektors der Bayerischen Polizei“ ist ein Dirigent der großen ausladenden Gesten und eindrucksvollen Mimik. Er formt sein Orchester zu einem harmonischen Klangkörper, der nicht nur die dargebotenen Werke technisch perfekt intoniert, inszeniert und interpretiert, sondern diesen auch echtes Leben einhaucht – so unterschiedlich die Stücke auch sind. Der tosende Applaus gibt Mösenbichler und seinen Musikern dabei immer wieder Recht.

So kommt mit heiterer Leichtigkeit die Ouvertüre „Frühlingsluft“ von Josef Strauß in der Bearbeitung von Ernst Reiterer zu Gehör. Bei dem zarten­, gefühlvollen und feinen „A Spring Lullaby“ von Andrew Pearce brilliert zudem Martin Ehlich als Solist am Flügelhorn. Das Werk „Music for a Festival“ von Philip Sparke lässt leise Töne im Andantino genauso erklingen wie die Tutti im letzten Satz „Vivo“ toben und das entsprechende Forte funkelnd fetzt.

Eine kleine Weltreise

Mit „Burst of Blue“ wird dem Publikum nach der Pause erst einmal schwungvoll und schneidig, zackig bis keck buchstäblich ein Marsch geblasen. Der absolute musikalische Höhepunkt des Abends ist dann aber die Komposition „Windows of the world“ von Peter Graham, die tatsächlich musikalische Fenster zu verschiedenen Kontinenten dieser Welt aufstößt und von lateinamerikanischen Rhythmen über Dschungeltöne Amazoniens und feine Klänge aus dem Reich der aufgehenden Sonne bis zu keltischen Tönen lautmalerisch verschiedenste Klangimpressionen ins Rosenthal-Theater zaubert und das Publikum mitnimmt auf eine kleine Weltreise.

Mit einem Potpourri aus der Filmmusik von „Der König der Löwen“ endet der offizielle Teil des Konzertprogramms, das Peter Seufert aus dem Polizeiorchester selbst charmant wie prägnant moderierte. Wobei das begeisterte Publikum die Musikerinnen und Musiker erst nach zwei Zugaben von der Bühne ziehen ließ.

Freude beim Lions Club

Präsident Christoph René Holler vom Lions Club Marktredwitz-Fichtelgebirge freute sich in seiner Begrüßung, dass nach zwei Jahren Abstinenz wieder ein solches Benefizkonzert stattfinden konnte. „Nach einem Jahr ohne persönliche Begegnungen und lieb gewonnene Veranstaltungen freuen wir uns, dass dies wieder möglich ist.“

Holler begrüßte auch 22 Ukrainerinnen und Ukrainer, die derzeit als Flüchtlinge in Selb leben. Er machte deutlich: „Der Lions Club und die Idee der Lions stehen dafür, dass im 21. Jahrhundert keine Waffen mehr sprechen. Der Lions Club steht für Frieden und Verständigung weltweit.“ Der Erlös des Benefizkonzerts wird der Ukrainehilfe und ukrainischen Flüchtlingen zugutekommen. „Es gibt über 20 Lions Clubs in der Ukraine. Wir sind im Kontakt und haben konkret gefragt, was die Menschen am dringendsten brauchen“, sagt Holler

 

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