Berg An Mängeln ist kein Mangel

Sandra Hüttner
Ein Beispiel von schlechter Gebäudesubstanz, das sich glücklicherweise in einer Nebenstraße befindet; es wird als Lager genutzt. Foto: Hüttner

In Berg starten die Voruntersuchungen für ein Innenentwicklungskonzept. Die Gemeinderatsmitglieder schauen sich zusammen mit Experten ihren Ortskern ganz genau an und sehen viel Verbesserungsbedarf.

Zu einem zweistündigen Rundgang hat sich der Berger Gemeinderat mit Fabian Höhne und Bianca Eder von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH (DSK) aus Nürnberg getroffen. Höhne, Teamleiter Stadtentwicklung Bayern, betonte, dass es darum gehe, städtebauliche Missstände aufzuzeigen, um die Notwendigkeit zur Verbesserung des Ortsbildes gegenüber der Regierung von Oberfranken begründen zu können. Das Erkennen von un- oder untergenutzten Potenzialflächen im Gemeindegebiet habe das Ziel, in die bayerische Förderinitiative „Innen statt außen“ aufgenommen zu werden. Ein Innenentwicklungskonzept solle Mängel, aber auch Lösungen aufzeigen.

Wie sich schnell herausstellte, war das „Finden“ von Mängeln kein Problem: fehlende Barrierefreiheit, fehlende beziehungsweise zu schmale Gehwege, Gebäude in schlechtem Zustand, mangelnde Fassadengestaltung, beschädigte Straßenbeläge, fehlendes Grün, fehlende Bäume als Schallschlucker, versiegelte Flächen, fehlende Stellplätze bei den Gewerbebetrieben. „Allein davon gibt es drei rund um den Marktplatz“, erläutert Höhne und erfährt, dass am Straßenrand und auf dem Gehweg geparkt wird. Michael Grosch (ÜWG) wirft ein, dass man mit Auflagen jedes Gewerbe verhindern könne. „Die Frage aber ist, ob wir das wollen oder lieber ein Auge zudrücken.“

Als „gefährlich“ wird die Überquerung der Hirschberger Straße angesehen. Durch die Treppe am geschlossenen Geschäft gibt es keinen durchgängigen Gehweg; durch die Engstelle sieht man die Straße nicht. „Für die Kinder auf dem Weg zur Schule eine sehr gefährliche Überquerung“, erläutert Bürgermeisterin Patricia Rubner (CSU): „Es bräuchte eine fußläufige Querung.“ Sanierungsbedürftige Straßenoberflächen, schwierige Gehwegverhältnisse in der Hofer Straße: „Von Barrierefreiheit ist man hier weit entfernt“, betont Höhne. Eine Idee: Rückbau des Gehweges auf einer Seite und dafür Verbreiterung auf der anderen. „So könnten Rollstuhlfahrer, Nutzer von Rollatoren und Eltern mit Kinderwagen sicher den Gehweg nutzen.“

Die Parkplatzsituation im Schlegelweg wird diskutiert. „Es gibt genügend Stellplätze auf dem Festplatz, aber niemand ist bereit, ein paar Meter zu laufen“, weiß die Bürgermeisterin. Sie nennt den Rothleitener Weg mit der Arztpraxis: „Alle Verkehrs- und Hinweisschilder helfen nichts und werden ignoriert.“ Das Gremium ist sich einig, dass es im Bereich von Kita und Friedhof mehr Pkw-Stellplätze braucht. „Diese könnten auf den Festplatz entstehen, mit Rasengittersteinen“, erläutert Höhne; so wäre es weiterhin grün.

Höhne sieht zu wenig Angebote für Kinder und Jugendliche. Dem stimmen die Ratsmitglieder zu. Die Bürgermeisterin teilt mit, dass der Sportplatz nun öffentlich zugänglich ist, es einen langfristigen Pachtvertrag mit der evangelisch-lutherischen Pfründestiftung gibt und man offen sei für Neugestaltung und Nutzung; geschaffen wurden bereits ein Basketballkorb, neue Netze für die Fußballtore, der Bauwagen als Jugendtreff. Das Gremium ist sich einig, dass es Angebote für Kinder und Jugendliche braucht; Multifunktionsfläche, Mehrgenerationenplatz waren die Schlagworte. Weiteres Thema ist die geringe Nutzung des Holzschuher-Parks; daran haben auch die Outdoor-Fitnessgeräte nichts geändert. „Ein Park ohne definierte Nutzung ist schwierig“, bilanzierte der Fachmann. Der Leerstand des ehemaligen Dentallabors kommt zur Sprache. „Die Raumaufteilung ist speziell und das Gebäude schwer zu vermitteln, da es großer Umbaumaßnahmen bedürfe“, weiß Rubner.

Höhne betont, dass es sich erst um eine vorbereitende Untersuchung für das Innenentwicklungskonzept handelt, deren Ergebnisse präsentiert werden.

 

Bilder